Kay de Wolf holt in Riola mehr raus, als drin war
Kay de Wolf kämpfte in Riola nicht nur mit der Strecke
Für Kay de Wolf war das Wochenende beim MXGP of Sardegna nicht das, was man im Nachhinein einfach als „Platz drei“ abhaken kann. Dafür war zu viel los – und zu wenig selbstverständlich.
Kein Flow, kein Gefühl – und trotzdem vorne
Schon der Einstieg ins Wochenende passt nicht wirklich. Kein richtiges Gefühl fürs Bike, kein sauberer Rhythmus. „Ich hatte das ganze Wochenende über nicht das richtige Feeling“, sagte de Wolf selbst. Gerade auf der 450er ist das kein Detail. Wenn das Vertrauen fehlt, merkst du das sofort – in jeder Kurve, auf jeder Linie. Es ist genau die Art von Wochenende, die sich normalerweise nach hinten entwickelt.
Bei ihm passiert das Gegenteil.
Ein Lauf, der eigentlich vorbei war
Der zweite Lauf bringt dann genau das Szenario, das du in Riola nicht brauchst: Startchaos, Kontakt, Sturz. Ganz hinten einsortiert, früh im Rennen schon unter Druck. Und dann passiert das, was den Unterschied macht. Kein langsames Sortieren, kein Abwarten. „Ich bin von ganz hinten auf Platz drei gefahren“, sagt er – fast so, als wäre das der normale Weg.
War es nicht.
„Ich war bestimmt zehnmal fast weg, aber ich habe einfach festgehalten.“ Das beschreibt es besser. Das ist kein sauber aufgebautes Rennen, das ist ein permanenter Kampf gegen den eigenen Fehler.
Vollgas – und hoffen, dass es hält
De Wolf macht aus der Situation keine Wissenschaft. „Ich habe einfach von Anfang an voll draufgehalten.“ Mehr steckt nicht dahinter. Das Risiko ist hoch, die Strecke hilft dabei ein Stück weit. Riola lässt Linien zu, gibt dir Optionen. Aber sie verzeiht nichts, wenn du den Rhythmus verlierst.
Genau da bewegt er sich. Am Limit, teilweise drüber – aber mit dem Gefühl, wann er kurz rausnehmen muss. Als er vorne aufschließt, nimmt er sich ein paar Sekunden, atmet durch, setzt dann den Move.
Danach geht es nur noch ums Durchbringen.
Daumen, die nicht mitspielen
Was das Ganze nochmal einordnet: körperlich ist das nicht optimal. „Ich habe im Moment Probleme mit meinem Daumen“, sagt er. Und meint das nicht beiläufig. Er fährt aktuell so, dass er den Lenker nicht komplett greifen kann. „Ich halte im Prinzip nur mit vier Fingern fest.“ Auf einer 450er ist das genau so unangenehm, wie es klingt.
Das erklärt auch, warum sich das Wochenende nicht rund angefühlt hat. Und gleichzeitig, warum dieses Ergebnis mehr Gewicht bekommt.
Ehrlich nach vorne eingeordnet
Trotzdem bleibt er bei der Einordnung klar. „Die beiden vorne waren auf einem anderen Level.“ Das ist kein Tiefstapeln, sondern ziemlich genau das, was auf der Strecke zu sehen war. Er fährt stark, kämpft sich durch, nutzt die Möglichkeiten – aber nach ganz vorne fehlt noch etwas.
Und er weiß das.
Kein Durchbruch – aber ein Schritt
Was bleibt, ist kein perfektes Wochenende. Eher das Gegenteil. Viel Chaos, wenig Kontrolle, ständig am Limit. Und trotzdem steht er am Ende auf dem Podium. Das ist vielleicht die eigentliche Entwicklung. Nicht, dass alles passt – sondern dass er inzwischen auch dann liefert, wenn es eben nicht passt.
Riola war genau so ein Wochenende.
