Ducati erlebt in Riola Sardo ein schonungsloses Wochenende
Ducati Werkspiloten Vlaanderen und Bonacorsi beim MXGP of Sardegna 2026 in Riola Sardo
Riola Sardo ist seit Jahren so etwas wie der Realitätscheck im MXGP-Kalender – eine Strecke, die keine Ausreden zulässt. Tiefsand, Spurrillen, ein Rhythmus, der sich mit jeder Runde verändert. Wer hier funktioniert, funktioniert überall. Wer hier Probleme hat, legt sie schonungslos offen. Genau das wurde für das Red Bull Ducati Factory MXGP Team an diesem Wochenende sichtbar.
Fortschritte mit angezogener Handbremse
Der Blick auf Calvin Vlaanderen liest sich auf den ersten Blick wie Schadensbegrenzung – und genau das war es auch. Nach dem Aus im Qualifying ganz außen am Gatter, im ersten Lauf zunächst außerhalb der Top 20, am Ende Rang 15. Im zweiten Lauf zwischenzeitlich in Schlagdistanz zu den Top 10, am Ende auf Platz 10 eingependelt.
Was auffällt: Die Probleme sind nicht punktuell, sondern grundlegend. „Ich hatte das ganze Wochenende wirklich große Schwierigkeiten, mich wohlzufühlen und überhaupt ans Limit zu gehen. Ich habe dieses Vertrauen einfach nicht gefunden, um richtig zu pushen, auch wenn sich mein Fahren im Laufe des Wochenendes etwas verbessert hat – die Geschwindigkeit ist aktuell einfach nicht da. Wir haben für das zweite Rennen den Stoßdämpfer gewechselt, und das hat sich wie ein Schritt nach vorne angefühlt. Das war positiv, und wir machen weiter, geben nicht auf und wollen in Arco frisch und bereit sein.“
Das ist keine typische Fahrerfloskel nach einem durchwachsenen Rennen, sondern eine ziemlich klare Standortbestimmung. Selbst die Änderung am Fahrwerk wird eher als kleiner Lichtblick formuliert, nicht als echter Schritt nach vorne. Unterm Strich bleibt ein Ergebnis knapp außerhalb der Top 10 – sportlich kein Totalausfall, aber gemessen am Anspruch des Projekts zu wenig.
Bonacorsi: Ansätze da – aber nicht belastbar
Bei Andrea Bonacorsi zeigt sich ein anderes, aber ebenso problematisches Muster. Der Speed ist da, zumindest phasenweise. Im ersten Lauf auf dem Weg Richtung Top 10, dann ein technischer Defekt. Im zweiten Lauf ein starker Beginn, zwischenzeitlich Siebter – und damit genau dort, wo man ihn sehen will.
Aber: Das Level hält nicht. Der Leistungsabfall im weiteren Rennverlauf ist offensichtlich. Bonacorsi ordnet es selbst so ein:
„Zuerst muss ich dem ganzen Team danken, weil alle viel Einsatz gezeigt haben. Auch wenn ich ausgerechnet beim schwierigsten Rennen des Jahres zurückgekommen bin – sowohl für mich als auch für das Bike – haben wir positive Dinge gesehen. Wir haben gesehen, dass ich vorne mitfahren und kämpfen kann. Wir müssen positiv bleiben: In Arco und dann mit der einmonatigen Pause bin ich sicher, dass wir viel aufholen können und dann zeigen werden, wozu wir wirklich in der Lage sind.“
Der Optimismus ist nachvollziehbar – aber er überdeckt ein zentrales Problem: Entscheidend ist nicht, ob man kurz vorne mitfahren kann, sondern ob man dieses Niveau über die Distanz halten kann. Genau daran fehlt es aktuell. Platz 23 im zweiten Lauf ist dann weniger Ausreißer als Realität.
Seewer: Komplett neben der Spur
Am deutlichsten wird die Situation bei Jeremy Seewer. Null Punkte an einem gesamten Rennwochenende – das ist im MXGP-Kontext mehr als nur ein „schwieriges Wochenende“. Es ist ein klarer Rückschritt.
Seine Einschätzung fällt entsprechend nüchtern aus: „Es war ein schwieriges Wochenende auf einer der für uns anspruchsvollsten Strecken. Wir müssen weiter hart arbeiten, um uns zu verbessern.“
Auch hier: keine Beschönigung, aber eben auch keine echte Erklärung. Gerade für einen Fahrer mit Seewers Erfahrung und Anspruch ist ein solches Ergebnis ein Warnsignal.
Ein Projekt in der Realität angekommen
Was dieses Wochenende zeigt: Das Ducati-Projekt ist endgültig in der Realität des MXGP angekommen. Die Ansätze sind da – einzelne Rennphasen, einzelne Set-up-Verbesserungen, einzelne Positionskämpfe. Aber es fehlt die Verbindung dieser Puzzleteile zu einem stabilen Gesamtbild.
Die Aussagen der Fahrer passen ins Bild. Keine Ausreden, aber auch keine echte Überzeugung, dass der Durchbruch unmittelbar bevorsteht. Viel „wir müssen weiterarbeiten“, wenig greifbare Perspektive.
Mit Blick auf Arco wird sich zeigen, ob das Problem streckenspezifisch war – oder tiefer liegt. Im Moment bleibt der Eindruck: Das Red Bull Ducati Factory MXGP Team ist unterwegs, aber noch nicht angekommen.
