Gerüchteküche: Wechselt Jeremy Seewer in die USA zu Suzuki?
Steht Jeremy Seewer vor einem Wechsel zu Suzuki? / Foto: Ray Archer
Der Saisonstart 2026 entwickelt sich für Jeremy Seewer zunehmend zu einem offenen Problemfall. Vier Grands Prix, 29 Punkte, kein Top-10-Ergebnis – das ist nicht nur ein schwacher Auftakt, sondern ein klarer Bruch mit dem Niveau, das man vom Schweizer über Jahre gewohnt war.
Ein Paket ohne Zugriff
Die Erwartungen an das Ducati-Projekt waren groß, intern wie extern. Doch aktuell entsteht weniger der Eindruck eines Teams im Aufbau, sondern vielmehr der eines Gesamtpakets, das seinen Fahrer nicht erreicht. Die Ducati Desmo450 MX zeigt Ansätze, aber keine Konstanz – und genau das wird für Seewer zum entscheidenden Faktor.
Seine Stärke lag nie im reinen „Überfahren“ von Problemen, sondern im kontrollierten, sauberen Fahren. Linien, Rhythmus, Wiederholbarkeit. All das setzt ein Motorrad voraus, das berechenbar funktioniert. Genau diese Basis fehlt aktuell. Statt sich im Rennen nach vorn zu arbeiten, bleibt Seewer häufig in Situationen hängen, aus denen er sonst Lösungen gefunden hätte.
Der Eindruck: Nicht der Fahrer passt sich dem Bike an – sondern das Bike verhindert, dass seine Stärken überhaupt zum Tragen kommen.
Wenn sich Probleme verlagern
Was die Situation zusätzlich verschärft: Die Schwierigkeiten bleiben nicht auf die Technik beschränkt. Seewer wirkt fahrerisch gehemmt, teilweise fast zögerlich. Starts ohne Durchschlagskraft, Rennverläufe ohne klare Entwicklung, dazu kleine Fehler, die sich summieren.
Das Gesamtbild erinnert weniger an eine klassische Eingewöhnungsphase, sondern an einen Prozess, der ins Stocken geraten ist. Und genau hier liegt die eigentliche Herausforderung: Sobald Vertrauen fehlt, lässt sich auch ein technisch lösbares Problem nicht mehr isoliert betrachten.
Bewegung im Hintergrund
Parallel dazu verdichten sich im Fahrerlager die Spekulationen. Noch ohne jede Bestätigung, aber mit zunehmender Präsenz. Demnach soll Seewer intern Optionen prüfen, die über die MXGP hinausgehen.
Ein möglicher Ansatz: der Schritt in die USA, konkret in die AMA Pro Motocross Championship. Dort wird er mit einem möglichen Engagement auf Suzuki in Verbindung gebracht – verbunden mit der Rolle als Ersatz für Jason Anderson.
Interessant wird dieses Szenario vor allem im größeren Kontext: Seit Monaten halten sich im MXGP-Paddock Stimmen, wonach Suzuki eine Rückkehr in die MXGP-Weltmeisterschaft für 2027 vorbereitet. Offiziell bestätigt ist nichts – aber die Hartnäckigkeit dieser Gerüchte fällt auf.
Sollte Seewer tatsächlich den Schritt in die USA gehen, könnte genau das Teil eines größeren Plans sein. Ein Jahr im amerikanischen Umfeld, zurück auf einem konkurrenzfähigen Paket – und gleichzeitig die Vorbereitung auf ein mögliches MXGP-Comeback mit Suzuki. Es wäre ein strategischer Zwischenschritt, kein kurzfristiger Ausweg.
Eine Rückkehr mit Geschichte
Besonders bemerkenswert: Für Seewer wäre es nicht einfach nur ein Markenwechsel. Es wäre eine Rückkehr. Rund zehn Jahre nach seinem letzten Einsatz in der Weltmeisterschaft auf Suzuki könnte der Schweizer wieder auf das gelbe Bike aus Hamamatsu steigen.
Ein Detail, das in der aktuellen Situation fast untergeht – aber viel über die möglichen Linien im Hintergrund verrät.
Offene Richtung
Noch ist nichts entschieden. Weder sportlich noch strukturell. Aber der bisherige Saisonverlauf zeigt deutlich, dass es nicht um Feinjustierung geht, sondern um grundlegende Fragen.
Die kommenden Wochen werden deshalb weniger darüber entscheiden, ob Seewer wieder in die Top 10 fährt. Sie werden zeigen, ob sich dieses Projekt stabilisieren lässt – oder ob sich die Wege schneller trennen, als ursprünglich gedacht.
