Jinyu Yang bringt China in die EMX125

Jinyu Yang wagte beim MXGP of Sardegna in Riola Sardo den Einstieg in die EMX125

Jinyu Yang wagte beim MXGP of Sardegna in Riola Sardo den Einstieg in die EMX125. / Foto: Huub Munsters

Wer die Starterlisten rund um den MXGP of Sardegna und den kommenden Grand Prix in MXGP of Trentino genauer studiert hat, dem ist mit Sicherheit ein Name aufgefallen, der so bisher keine Rolle gespielt hat: Jinyu Yang. Ein 15-jähriger Fahrer aus China, mitten in einer der härtesten Nachwuchsklassen Europas. Kein großes Vorfeld, kein klassischer Aufbau über nationale Serien oder EMX-Stufen – sondern direkt rein in ein Umfeld, das wenig Zeit zum Ankommen lässt.

Erster Realitätscheck in Riola

Seinen ersten Auftritt hatte Yang bereits in Sardinien. Das Ergebnis ist schnell erzählt: keine Qualifikation für die Rennen. Interessanter ist aber, wie er selbst damit umgeht. „Die Fahrer hier sind sehr schnell. Es geht nicht nur ums Fahren, sondern auch darum zu sehen, wie groß der Abstand ist“, sagt er. Das ist keine typische Debüt-Formulierung, sondern eher eine nüchterne Einordnung.

Riola wird von ihm nicht als Ausreißer gesehen, sondern als Maßstab. „Die Strecke war schwierig, und der Sand ist für mich deutlich anspruchsvoller als Hartboden. Ich muss mehr Zeit auf Sandstrecken investieren.“ Genau darin liegt der eigentliche Wert dieses Wochenendes – nicht im Ergebnis, sondern im Verständnis.

Neues Projekt beim KTM SB Racing Team

Beim KTM SB Racing Team von Sofian Benallouch kommt dieser Schritt nicht zufällig. Bisher lag der Fokus klar auf Jens Walvoort in der MX2-Weltmeisterschaft. Mit Yang erweitert das Team nun sein Programm und bringt erstmals einen Fahrer in die EMX125.

Die Entscheidung wirkt bewusst gewählt. „Ich denke, er hat viel Talent. Ich arbeite gerne mit Fahrern, die bei null anfangen“, erklärt Benallouch. Es geht also weniger um kurzfristige Ergebnisse, sondern um Entwicklung von Grund auf.

Auch der Spitzname des jungen Chinesen passt in dieses Bild. „Tiger“ – ein Name, den ihm seine Mutter schon früh gegeben hat, angelehnt an das chinesische Tierkreiszeichen. Ein Detail, das zeigt, wie jung dieses Projekt eigentlich ist.

Kein Märchen, sondern Realität

Die EMX125 ist kein Ort, an dem man sich langsam herantastet. Hohe Leistungsdichte, wenig Spielraum, kaum Zeit, Fehler zu korrigieren. Wer hier fährt, wird sofort eingeordnet – genau das erlebt Yang in Riola.

Auch teamintern wird das realistisch bewertet. „Natürlich hatte er etwas Stress, aber ich habe auch gute Ansätze gesehen“, sagt Benallouch über das Debüt. Kein Schönreden, aber auch kein negatives Fazit.

Der größte Unterschied zeigt sich aktuell klar: „Auf Sand hat er keine Erfahrung.“ Und genau das wird in Riola sofort sichtbar.

Lernen statt liefern

Damit ist auch die Rolle für die nächsten Wochen definiert. Es geht nicht darum, sofort Ergebnisse zu liefern, sondern das Niveau zu verstehen und sich daran anzupassen. Riola war der erste Kontakt mit genau diesem Level, Arco wird der nächste Schritt sein.

Die Zielsetzung ist dabei bewusst vorsichtig formuliert. „Zur Saisonhälfte wollen wir uns qualifizieren und ins Rennen kommen“, so Benallouch. Kein Druck, sondern ein klarer Entwicklungsplan.

Mehr als nur ein einzelner Einsatz

Trotzdem hat dieser Einsatz eine größere Bedeutung, als es das Ergebnis vermuten lässt. Ein 15-jähriger Fahrer aus China in der EMX125 ist kein alltägliches Bild. Es zeigt, dass sich der Sport weiter öffnet und neue Wege entstehen, die es so vor wenigen Jahren noch nicht gab.

Für Yang ist es der Anfang eines längeren Prozesses.
Und genau so liest sich dieses erste Wochenende auch.