Jeffrey Herlings: „Es wird eine verdammt harte Saison“
Jeffrey Herlings sprach nach dem Rennen in LaCapelle Marival mit Anthony Andreau. / Foto: Ray Archer
Jeffrey Herlings hat beim MXGP of France einmal mehr gezeigt, warum er trotz aller Rückschläge weiterhin zu den gefährlichsten Fahrern der Motocross-Weltmeisterschaft gehört. Mit den Platzierungen 1-2-1 sicherte sich der Honda-HRC-Pilot in Lacapelle-Marival seinen dritten Grand-Prix-Sieg der Saison und setzte gleichzeitig ein klares Zeichen im Titelkampf.
Nach dem Rennen sprach der Niederländer mit Anthony Andreas ausführlich über die schwierigen Bedingungen, den intensiven Zweikampf mit Lucas Coenen und die Bedeutung der vergangenen Wochen.
„Lucas hat extrem Druck gemacht“
Vor allem der zweite Lauf entwickelte sich für Herlings zu einem echten Kraftakt. Über die komplette Renndistanz hing Lucas Coenen direkt am Hinterrad des Niederländers und setzte ihn permanent unter Druck. „Lucas hat extrem Druck gemacht“, erklärte Herlings nach dem Rennen. „In den letzten Runden hatte ich sogar Krämpfe. Das war wirklich nicht der richtige Moment dafür.“
Trotzdem gelang es dem Honda-Piloten, fehlerfrei zu bleiben. Genau das machte am Ende den Unterschied. „Ich habe ihn die ganze Zeit gehört. Er war permanent direkt hinter mir“, sagte Herlings. „Aber ich konnte das Rennen kontrollieren und habe keine Fehler gemacht.“
Besonders bemerkenswert: Die Bedingungen in Südfrankreich machten dem Niederländer sichtbar zu schaffen. Während in den Niederlanden zuletzt deutlich kühlere Temperaturen herrschten, warteten in Lacapelle-Marival plötzlich über 30 Grad auf die Fahrer.
„In Holland hatten wir zuletzt kaum mehr als 20 Grad und hier fahren wir plötzlich bei 35 Grad“, erklärte Herlings.
Die Pause nutzte Herlings anders als viele Konkurrenten
Während andere Fahrer die fünfwöchige MXGP-Pause vor allem für Regeneration nutzten, blieb Herlings nahezu dauerhaft im Rennmodus. Für den Niederländer gehört genau das inzwischen zum Konzept. „Ich liebe Rennenfahren“, sagte er offen. „Wenn ich Rennen fahre, bin ich fokussierter als im normalen Training.“
Gerade mit seiner Erfahrung sieht Herlings darin einen wichtigen Vorteil. „Ich bin jetzt seit zwölf Jahren dabei. Ich muss diese Intensität hochhalten“, erklärte der Honda-Pilot. „Beim Training fehlt manchmal einfach die Rennhärte.“
Auch deshalb absolvierte Herlings während der Pause weiterhin zahlreiche Rennen und Testeinsätze.
Der Titelkampf spitzt sich zu
Mit seinem Erfolg in Frankreich rückt Herlings in der Gesamtwertung immer näher an die Spitze heran. Gleichzeitig machte der Niederländer klar, dass er den Titelkampf längst angenommen hat. „Wenn wir weiter so Rennen fahren, wird das eine verdammt harte Saison“, sagte Herlings.
Besonders interessant: Herlings beobachtet dabei offenbar auch sehr genau die Leistungen der Konkurrenz außerhalb der MXGP-Serie. Mit Blick auf Lucas Coenen erwähnte er sogar dessen geplante AMA-Einsätze in den USA. „Es wird interessant zu sehen, wo unser MXGP-Niveau dort steht“, meinte der Niederländer.
Lob für Honda und die Entwicklung des Motorrads
Nach schwierigen Jahren wirkt Herlings aktuell wieder deutlich zufriedener mit seinem Gesamtpaket. Entsprechend positiv fiel auch sein Lob an Honda HRC und das gesamte Umfeld aus.
„Wir haben in der Pause viel getestet und ich glaube, wir haben nochmal einen Schritt gemacht“, erklärte Herlings. „Die Leute in Japan machen einen großartigen Job.“
Gerade die Entwicklung des Motorrads scheint dem Niederländer aktuell wieder deutlich mehr Vertrauen zu geben.
Frankreich war erst der Anfang
Trotz des Erfolgs wollte Herlings den Sieg in Lacapelle-Marival allerdings nicht überbewerten. Vielmehr machte der Niederländer klar, dass die Saison noch extrem lang werden dürfte.
Und genau dort sieht er aktuell offenbar seine größte Stärke: Erfahrung, Ruhe und die Fähigkeit, auch unter maximalem Druck fehlerfrei zu bleiben. „Die Saison ist ein Marathon und kein Sprint“, sagte Herlings bereits zuvor mehrfach.
In Frankreich wirkte genau das deutlicher denn je.
