Ian Harrison: „Man kann solche Fahrer kaum bremsen“
Red Bull KTM Factory Racing Teammanager Ian Harrison. / Foto: Align Media
Die Diskussion über die Gaststarts von Lucas und Sacha Coenen beim AMA Pro Motocross in Southwick reißt nicht ab. Während viele Fans vor allem die Risiken für die laufende Motocross-Weltmeisterschaft sehen, blickt Red Bull KTM Factory Racing Teammanager Ian Harrison aus einer anderen Perspektive auf das Wochenende.
Für ihn stehen nicht die Stürze im Vordergrund, sondern zwei außergewöhnliche Talente, die jede Gelegenheit nutzen wollen, Rennen zu fahren.
Der Wunsch kam von den Brüdern selbst
Eine Aussage machte Harrison auf der Pressekonferenz besonders deutlich: Der Plan für Southwick entstand nicht im amerikanischen Werksteam.
Vielmehr seien Lucas und Sacha selbst mit dem Wunsch auf KTM zugekommen, in der AMA Pro Motocross an den Start zu gehen. Erst nachdem alle Beteiligten – darunter auch das De Carli Team in Europa – ihre Zustimmung gegeben hatten, wurde der Einsatz umgesetzt.
Für Harrison war das keine Überraschung.
Er beschreibt beide Belgier als Fahrer, die am liebsten jedes Wochenende Rennen fahren würden. Genau dieser Ehrgeiz habe sie in jungen Jahren bereits an die Spitze der Motocross-Welt gebracht.
„Man kann solche Fahrer kaum bremsen“, sagte Harrison.
Die USA bleiben ein großes Ziel
Zwischen den Zeilen ließ Harrison außerdem erkennen, welchen Stellenwert Amerika für viele europäische Spitzenfahrer besitzt. Aus seiner Sicht verläuft die Karriere vieler Profis in mehreren Stufen. Zunächst national, anschließend in der Motocross-Weltmeisterschaft und irgendwann auf der größten Bühne des Sports – der amerikanischen SuperMotocross-Serie.
Dass Lucas und Sacha diesen Weg einschlagen möchten, ist längst kein Geheimnis mehr. Die Gaststarts sollen nicht zuletzt dabei helfen, Erfahrungen auf amerikanischen Strecken zu sammeln und sich mit der Konkurrenz vor Ort zu messen.
Die Leistungen in Southwick dürften diesen Plan eher bestärkt als infrage gestellt haben.
Großer Respekt aus den USA
Nicht nur Harrison zeigte sich beeindruckt. Auch in den sozialen Netzwerken sorgten die Auftritte der Coenen-Brüder für viel Anerkennung. Zahlreiche amerikanische Fans feierten vor allem das Tempo von Sacha Coenen. Kommentare wie „He was absolutely ripping“oder „Dude’s a machine“ spiegeln wider, welchen Eindruck der Belgier mit seinem Doppelsieg hinterlassen hat.
Auch Lucas erhielt viel Lob. Obwohl sein Renntag nach dem zweiten Sturz vorzeitig endete, erinnerten viele Fans daran, dass der Belgier zuvor die Bestzeit im Qualifying gefahren war. Für zahlreiche Beobachter steht fest, dass beide Brüder das Potenzial besitzen, künftig auch in den USA regelmäßig um Siege zu kämpfen.
Mehrere Fans schrieben sogar, sie könnten den dauerhaften Wechsel der Belgier kaum erwarten.
Zwischen Begeisterung und Kritik
So groß die Anerkennung für die sportlichen Leistungen war, so deutlich fiel auch die Kritik aus.
Viele Fans stellten die Entscheidung infrage, die beiden Spitzenreiter der Motocross-Weltmeisterschaft mitten in der Saison in Southwick starten zu lassen. Kommentare wie „KTM is never letting this happen again“ oder „Southwick really just ruined the Coenen brothers“ fanden enorme Zustimmung.
Vor allem nach Sachas Schulterverletzung sorgte sich ein großer Teil der amerikanischen Fans um den weiteren Verlauf der MX2-Weltmeisterschaft. Einige äußerten die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr, andere fragten sich offen, ob der Gaststart das Risiko überhaupt wert gewesen sei.
Ein Wochenende, das Eindruck hinterlassen hat
Unabhängig von der Diskussion steht eines fest: Lucas und Sacha Coenen haben sich in Southwick viele neue Fans erarbeitet.
Sie haben gezeigt, dass sie auch auf amerikanischem Boden sofort zu den schnellsten Fahrern gehören. Genau diese Erkenntnis dürfte Harrison in seiner Überzeugung bestärken, dass die Brüder eines Tages auch in den USA erfolgreich sein können.
Ob Southwick rückblickend als wichtiger Schritt auf diesem Weg oder als unnötiges Risiko in Erinnerung bleibt, wird allerdings erst die Zeit zeigen. Die Antwort darauf hängt vor allem davon ab, welche Diagnose Sacha Coenen nach den medizinischen Untersuchungen erhält.
