Herlings gewinnt in Arnhem und spricht erstmals offen über den WM-Titel
Jeffrey Herlings gewinnt den MXGP of The Netherlands 2026.
Jeffrey Herlings hat den MXGP of the Netherlands in Arnhem mit der maximalen Ausbeute gewonnen. Der Honda-HRC-Pilot entschied das Qualifying Race und beide Wertungsläufe für sich, musste sich am Sonntag aber vor allem mit Kay de Wolf auseinandersetzen. Tom Vialle komplettierte als Dritter das Podium.
Nach Wochen, in denen Herlings Fragen zur Weltmeisterschaft weitgehend von sich geschoben hatte, änderte sich nach seinem Heimsieg auch der Ton. Drei Grands Prix vor Saisonende liegt der Niederländer mehr als 140 Punkte vorne. „Jetzt ist es an der Zeit, über die Meisterschaft nachzudenken“, sagte er nach dem Rennen.
De Wolf zwingt Herlings zum Arbeiten
Wer nach den vergangenen Wochen mit einem weiteren Alleingang von Herlings gerechnet hatte, bekam in Arnhem zumindest phasenweise ein anderes Bild zu sehen. De Wolf konnte das Tempo des WM-Leaders mitgehen und setzte ihn besonders im zweiten Moto unter Druck.
Herlings genoss den Zweikampf. Beide kennen sich seit Jahren, und obwohl keiner zurückstecken wollte, blieb das Duell aus seiner Sicht jederzeit fair. Der 31-Jährige weiß auch, wie stark sein Landsmann im Sand ist.
De Wolf selbst ging noch weiter. Zwei Wochen zuvor habe er Herlings kaum einen Kampf liefern können. Seitdem arbeitete das Team an seinen Starts, seiner Fitness und weiteren Details. In Arnhem konnte der MXGP-Rookie den derzeit schnellsten Fahrer der Klasse erstmals über längere Zeit unter Druck setzen.
Im zweiten Lauf bezahlte er für diesen Versuch. De Wolf erklärte später, dass er hinter Herlings teilweise unsauber fuhr, Sprünge nicht sauber traf und in den Kurven Fehler machte, weil er so hart pushte. Schließlich brach das Motorrad seitlich aus und er stürzte.
„Ich habe wirklich alles gegeben“, beschrieb er seinen Versuch. Genau das dürfte für den 21-Jährigen fast wichtiger sein als der zweite Platz: Acht Jahre zuvor schaute er Herlings noch beim Rennfahren zu, inzwischen zwingt er ihn bei einem MXGP über weite Strecken ans Limit.
Ein Stein stoppt Herlings beinahe
Ganz ohne Probleme kam auch der Sieger nicht durch den Sonntag. In der letzten Runde des ersten Motos musste Herlings plötzlich anhalten und sogar von seiner Honda steigen.
Ein Stein oder verdichteter Sand hatte sich im Bereich des Antriebs verklemmt. Einen ähnlichen Vorfall hatte der Niederländer bereits zu Saisonbeginn in Mantova erlebt und wusste deshalb sofort, was zu tun war. Er bewegte das Motorrad vor und zurück, brachte es in Neutral und konnte nach rund zehn verlorenen Sekunden weiterfahren. Ein technischer Defekt an der Honda lag laut Herlings nicht vor.
Vialle arbeitet sich von Session zu Session nach vorne
Tom Vialle begann sein Arnhem-Wochenende deutlich weiter hinten. Rang 15 im Time Practice folgte Platz sieben im Qualifying Race, am Sonntag arbeitete er sich mit den Positionen vier und drei auf das Overall-Podium.
Gerade dieses Ergebnis hat für den Franzosen eine besondere Bedeutung. Nach drei Jahren in den USA fehlte ihm bei seiner MXGP-Rückkehr die Routine auf tiefem europäischen Sand. Noch im vergangenen November habe er auf Sardinien Mühe gehabt, überhaupt einem 250er-Fahrer zu folgen. Seitdem investierte Vialle viel Trainingszeit in genau diesen Untergrund.
An Herlings und De Wolf kam er in Arnhem jedoch nicht heran. Das war nach eigener Aussage auch nicht sein Maßstab an diesem Wochenende. Sein Ziel bestand darin, im Sand wieder um MXGP-Podien fahren zu können – Platz drei bestätigte diesen Fortschritt.
Herlings will das Risiko jetzt reduzieren
Zehn Grand-Prix-Siege stehen für Herlings nach 17 Veranstaltungen zu Buche. Abgesehen von seinen DNFs landete er nach eigener Rechnung in den Sonntagsrennen immer innerhalb der Top 3. Mit mehr als 140 Punkten Vorsprung verändert diese Konstanz nun auch seine Herangehensweise.
„Normalerweise kann uns jetzt nur noch eine Verletzung stoppen“, sagte Herlings und formulierte daraus direkt seine Aufgabe für die kommenden Rennen: stark bleiben und Risiken so weit wie möglich reduzieren. Auch innerhalb von Honda habe man bislang kaum über die Meisterschaft gesprochen und sich auf das jeweilige Wochenende konzentriert.
Das klingt nach einem anderen Herlings als in manchen Phasen seiner Karriere. Der Speed ist weiterhin vorhanden, doch mit dieser Ausgangslage muss er nicht mehr jeden Zweikampf um jeden Preis gewinnen.
Ist Herlings wieder auf seinem 2018er-Niveau?
Eine der interessanteren Fragen der Pressekonferenz betraf den Vergleich mit seiner Saison 2018. Herlings selbst sieht einen Unterschied zwischen dem Saisonbeginn 2026 und seiner aktuellen Form.
„Am Anfang des Jahres war ich nicht auf diesem Niveau, aber jetzt bin ich ziemlich nah dran“, erklärte er. Gleichzeitig hält er die heutige Konkurrenz für stärker als damals. Namen wie Lucas Coenen, Kay de Wolf, Tom Vialle und Tim Gajser führte er als Beispiele an.
Besonders Coenen beschäftigt ihn. Herlings bedauert, dass der Belgier verletzt ausfiel, denn inzwischen glaubt er, sowohl im Sand als auch auf Hardpack mit ihm kämpfen zu können. Zu Saisonbeginn habe Coenen dagegen noch einen Vorteil gehabt, unter anderem durch seine besseren Starts.
Genau dieser direkte Vergleich fehlt seit Coenens Verletzung. Herlings sprach sogar die Gerüchte über einen möglichen Wechsel des Belgiers in die USA an und machte keinen Hehl daraus, dass er gerne noch einmal gegen ihn fahren würde.
„Ich fahre nicht mehr wegen des Geldes“
Interessant wurde die Pressekonferenz auch abseits des aktuellen Titelkampfes. Herlings gewann bereits 2010 als 15-Jähriger seinen ersten Heim-GP. In Arnhem kam nun Heimsieg Nummer 17 hinzu.
Trotz seiner langen Karriere denkt er offenbar noch nicht ans Aufhören. „Ich mag Geld, das werde ich nicht abstreiten. Aber ich fahre nicht mehr wegen des Geldes“, sagte der Niederländer. Selbst wenn er morgen aufhören würde, könne er ein gutes Leben führen. Entscheidend sei für ihn, dass die Motivation weiterhin vorhanden ist.
Noch interessanter war der Nebensatz danach: Herlings und sein Umfeld denken bereits über eine Verlängerung seines Vertrages nach, erste Gespräche laufen offenbar. Seinen eigenen Zustand beschrieb er mit einem ziemlich passenden Bild: „Ich bin wie eine alte Bulldogge, die nicht aufgeben will.“
Bevor solche Entscheidungen konkret werden, wartet allerdings die Weltmeisterschaft. Drei Grands Prix sind noch zu fahren – und erstmals in dieser Saison spricht auch Herlings selbst offen darüber, dass er sie jetzt nach Hause bringen will.
