Die Gewinner und Verlierer des MXGP of Switzerland 2026

Die Kette zählt ganz klar zu den Verlierern des MXGP der Schweiz in Frauenfeld

Die Kette zählt ganz klar zu den Verlierern des MXGP der Schweiz in Frauenfeld

Der MXGP of Switzerland in Frauenfeld hatte viele Geschichten. Einige waren sportlich, andere technisch – und manche warfen grundsätzliche Fragen auf.

Während sich Tom Vialle mit einem ungewöhnlichen Gesamtsieg in den Titelkampf schiebt und Honda HRC PETRONAS weiter als aktuell stärkste Struktur wirkt, wurde das Wochenende von einem Detail überschattet, das sonst selten im Fokus steht.

Gewinner

Tom Vialle – Ein Sieg, der Fragen beantwortet

Der Wechsel von Tom Vialle zurück nach Europa wurde im Winter durchaus kritisch gesehen. Statt den Weg in die USA weiterzugehen, entschied sich der Franzose für den Einstieg in die MXGP-Klasse. In Frauenfeld lieferte er nun die passende Antwort. Mit seinem ersten Grand-Prix-Sieg in der MXGP-Klasse katapultiert sich Vialle direkt in den erweiterten Titelkreis der Saison 2026. Auffällig dabei: die Konstellation seiner Ergebnisse.

Ein Laufsieg und ein sechster Platz reichen normalerweise nicht für den Gesamtsieg – doch genau das macht diesen Erfolg so besonders. Vialle profitierte von den Umständen, aber genau das gehört im Motocross dazu: zur richtigen Zeit fehlerfrei bleiben. Und genau das hat er getan.

Honda HRC PETRONAS – Das aktuell kompletteste Paket

Was sich bereits in den ersten Rennen angedeutet hat, setzt sich in Frauenfeld fort: Honda HRC PETRONAS wirkt aktuell wie das kompletteste Team im Fahrerlager. Unter der Leitung von Giacomo Gariboldi scheint bei Honda vieles ineinanderzugreifen. Die Fahrer liefern konstant, das Material funktioniert (sehen wir mal vom Zwischenfall kit Herlings ab) – und die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache.

Nach dem Rennen in Frauenfeld führt das Team die Konstrukteurswertung mit 22 Punkten Vorsprung an. Besonders bemerkenswert: Dieser Vorsprung kommt gegen eine Marke zustande, die über Jahre hinweg als Maßstab galt.

Das ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern ein struktureller Vorteil.

Simon Längenfelder – Antwort zur richtigen Zeit

Noch vor einer Woche stand Simon Längenfelder kurz davor, in der Kategorie „Verlierer“ zu landen. Der Verlust des Red Plate hatte Spuren hinterlassen. In Frauenfeld folgte die direkte Antwort.

Der Deutsche holte sich die Führung in der Meisterschaft zurück und zeigte, dass er im Titelkampf weiterhin eine zentrale Rolle spielt. Dabei profitierte er auch vom Ausfall von Camden McLellan, doch auch das gehört zur Realität dieser Meisterschaft.

Entscheidend ist: Längenfelder hat das Momentum wieder auf seine Seite gezogen.

Maxime Renaux – Endlich wieder auf dem Podium

Für Maxime Renaux ist Platz zwei in Frauenfeld mehr als nur ein gutes Ergebnis. Der Franzose hatte in den vergangenen Monaten immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Umso wichtiger ist dieses Podium – sein erstes seit über einem Jahr.

Sein letzter Sieg datiert auf den MXGP of Argentina im März 2025. Seitdem war der Weg zurück lang. Frauenfeld zeigte: Renaux ist wieder konkurrenzfähig. Die Frage wird sein, ob er dieses Niveau halten kann.

Verlierer

Camden McLellan – Rückschlag im falschen Moment

Für Camden McLellan kam der Rückschlag genau zum falschen Zeitpunkt. Mit dem Red Plate angereist, verlief das Wochenende alles andere als nach Plan. Im ersten Lauf blieb nach einem schwachen Start nur Platz 8 – Schadensbegrenzung statt Angriff. Im zweiten Lauf folgte dann der Knackpunkt: heftiger Sturz in Runde zwei, Rennen beendet.

Immerhin: keine schwere Verletzung. Sportlich aber klar – kein Podium, Red Plate verloren.

Die Kette – Der unerwartete Hauptdarsteller

Selten hat ein technisches Bauteil ein Rennwochenende so geprägt wie die Kette in Frauenfeld. Mehrfach sprang sie in Kurve zwei vom Kettenrad – mit teils dramatischen Folgen. Fahrer wie Jeffrey HerlingsLucas CoenenAndrea Adamo oder Mathis Valin wurden dadurch schlagartig aus dem Rennen genommen. Ein Detail, das normalerweise im Hintergrund bleibt, wurde plötzlich zum entscheidenden Faktor. Und genau das wirft Fragen auf: War es die Strecke? Die Linienwahl? Oder schlicht Pech?

Fakt ist: Die Kette war der heimliche Hauptdarsteller dieses Grand Prix.

Der MXGP of Switzerland – Ein Standort mit Fragezeichen

Auch der gesamte Grand Prix in Frauenfeld gehört in dieser Woche zur Verliererliste – und das hat nichts mit dem Einsatz der Organisation rund um Willy Läderach zu tun. Im Gegenteil: Der Aufwand ist enorm.

Doch trotz jahrelanger Bemühungen gelingt es weiterhin nicht, den Standort nachhaltig im Kalender zu etablieren. Teilweise leere Ränge sprechen eine deutliche Sprache. Ein Grand Prix lebt von Atmosphäre – und genau die fehlt in Frauenfeld immer wieder. Das Problem liegt damit nicht auf der Strecke, sondern im Gesamtpaket.

Beta – Der Fortschritt bleibt aus

Auch Beta bleibt weiterhin hinter den Erwartungen zurück. Trotz neuer Fahrer gelingt es dem Team weiterhin nicht, sich im vorderen Feld zu etablieren. Der erhoffte Aufschwung bleibt aus – im Gegenteil: Der Vergleich mit der Vergangenheit fällt sogar ernüchternd aus.

Ein Blick zurück zeigt: Ben Watson schaffte es 2023 bei seinem Beta-Einstieg nach drei Rennen bereits in die Top 10 – ausgerechnet in Frauenfeld. 2026 ist man davon entfernt. Auch Jago Geerts findet bislang keinen Zugang zur Spitze. Das Problem ist dabei nicht nur die Platzierung, sondern die fehlende Entwicklung.

Frauenfeld liefert mehr Fragen als Antworten

Der MXGP in Frauenfeld hat einmal mehr gezeigt, wie viele Faktoren ein Rennwochenende beeinflussen können.

Tom Vialle nutzt seine Chance und gewinnt auf ungewöhnliche Weise. Honda HRC PETRONAS festigt seine Rolle als aktuell stärkstes Team. Längenfelder und Renaux melden sich zurück. Gleichzeitig sorgt ein technisches Detail für Chaos, ein Standort kämpft weiter um Akzeptanz – und einige Projekte bleiben hinter ihren Möglichkeiten.

Frauenfeld war damit kein klassisches Rennwochenende. Sondern eines, das vor allem eines hinterlässt: offene Fragen.

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