Belgien gewinnt das MXoN – für die Coenen-Brüder endet Europa mit Gold
Belgien gewinnt das MXoN 2026. / Foto: Ralph Marzahn
Lucas und Sacha Coenen haben 2026 beide erlebt, wie ihnen ein möglicher WM-Titel entglitt. Ausgerechnet beim letzten großen Rennen vor ihrem Wechsel in die USA bekommen die belgischen Zwillinge nun doch noch ihr goldenes Plate. Gemeinsam mit Liam Everts gewinnen sie in Ernée das Motocross of Nations (MXoN) – und Lucas Coenen bringt anschließend ziemlich genau auf den Punkt, was dieser Erfolg für ihn bedeutet: „Ich verlasse Europa nicht ohne einen Titel.“
Vor der Rekordkulisse von 105.000 Zuschauern holt Belgien den ersten Nations-Sieg seit 2013. Spanien schreibt als Zweiter ebenfalls Geschichte und steht erstmals überhaupt beim MXoN auf dem Podium, die Niederlande werden Dritte. Dahinter folgen Lettland, die USA und Italien.
Für Belgien ist es ein großer Erfolg. Für die Coenen-Brüder steckt allerdings noch etwas mehr dahinter.
Beide gehörten 2026 zu den prägenden Fahrern ihrer WM-Klassen. Lucas kämpfte in der MXGP um den Titel, Sacha in der MX2. Am Ende gingen beide Weltmeisterschaften an andere Fahrer. Jeffrey Herlings wurde MXGP-Weltmeister, Guillem Farres holte den MX2-Titel.
Dass Lucas und Sacha nun ausgerechnet gemeinsam beim Nations ganz oben stehen, ist deshalb ein ziemlich passender Schlusspunkt unter ihre Zeit in Europa. 2027 wechseln beide in die USA. Lucas geht in die 450SX- und 450MX-Klasse, Sacha tritt in 250SX und 250MX an.
Lucas Coenen musste sich bis Ernée zurückkämpfen
Bei Lucas war vor dem Wochenende nicht einmal selbstverständlich, dass er körperlich über die komplette Distanz kommen würde. Schon am Samstag zeigte sich allerdings, dass sein Speed da war. Nach einem Crash in der ersten Kurve des MXGP-Qualifyings musste er praktisch vom Ende des Feldes beginnen und arbeitete sich noch bis auf Rang fünf nach vorne.
Am Sonntag wurde die Aufgabe nicht einfacher.
In seinem ersten Rennen fuhr Lucas auf Rang drei. Später folgte Platz fünf. Das brachte ihm Rang drei in der MXGP-Einzelwertung hinter Jorge Prado und Romain Febvre.
Erst nach dem Sieg erzählte Coenen, wie knapp seine Vorbereitung tatsächlich gewesen war. Noch eine Woche zuvor habe er kaum zehn Minuten am Stück fahren können. Erst am Dienstag vor dem Nations sei ihm wieder ein komplettes Moto gelungen. „Ich weiß selbst nicht, wie ich das heute geschafft habe“, sagte er.
Seine Ergebnisse wirken mit diesem Hintergrund etwas anders. Ein 3-5 liest sich vielleicht nicht spektakulär, war für Belgien aber genau das, was an diesem Sonntag gebraucht wurde. Lucas musste nicht unbedingt jedes Rennen gewinnen. Er durfte vor allem kein großes Ergebnis anschreiben.
Und er musste durchhalten.
Dass ihm dabei im zweiten Einsatz unter anderem Cooper Webb im Nacken hing, machte die Sache nicht angenehmer. Coenen gab anschließend sogar zu, vor dem zweiten Start nervös gewesen zu sein.
Am Ende hielt der Körper. Und dann fiel jener Satz, der weit über dieses eine Rennen hinausgeht: „Ich verlasse Europa nicht ohne einen Titel.“ Viel besser lässt sich sein Saisonende kaum zusammenfassen.
Sacha bekommt noch eine zweite Auszeichnung
Bei Sacha lief das Wochenende ebenfalls nicht ohne Umwege. Schon im MX2-Qualifying am Samstag führte er das Rennen zunächst an, bevor ihn ein Sturz zurückwarf. Am Sonntag musste er in seinem ersten Einsatz mit der 250er gegen die 450er antreten. Nach einem weiteren Sturz kämpfte er sich noch auf Rang zwölf zurück.
Im zweiten Moto lief es deutlich besser. Platz sieben brachte Belgien weitere wichtige Punkte und Sacha am Ende Rang drei in der MX2-Einzelwertung.
Dass die Brüder diesen Erfolg gemeinsam feiern konnten, war ihm anzumerken. „Ich bin wirklich stolz auf meinen Bruder und auf mich. Wir sind noch sehr jung“, sagte Sacha nach dem Rennen. Sein erstes Moto sei nicht besonders gut gewesen, mit dem zweiten sei er dagegen sehr zufrieden gewesen. „Ich kann den Jungs neben mir gar nicht genug danken. Es ist unglaublich.“
Für Sacha gab es in Ernée außerdem noch eine persönliche Auszeichnung. Er wurde als bester Nachwuchsfahrer der Veranstaltung geehrt.
Auch bei ihm schließt sich damit ein kleiner Kreis. Den MX2-WM-Titel hat er 2026 nicht bekommen. Das goldene Plate beim letzten großen Rennen der Saison dagegen schon.
Ohne Liam Everts funktioniert diese Geschichte nicht
Bei aller Aufmerksamkeit für die Coenen-Brüder sollte einer nicht zur Randfigur werden: Liam Everts.
Denn ausgerechnet der dritte Belgier lieferte die konstantesten Ergebnisse des Teams.
Everts fuhr zweimal auf Rang vier und wurde damit Zweiter der Open-Wertung. Nur Jeffrey Herlings war dort besser.
Lucas: 3-5.
Sacha: 12-7.
Everts: 4-4.
Keiner der drei Belgier gewann seine jeweilige Klassenwertung. Trotzdem gewann Belgien das Motocross of Nations. Das ist keine Kuriosität, sondern ziemlich genau das Prinzip dieses Rennens. Fünf der sechs Ergebnisse zählen. Wer einen schlechten Lauf abfangen kann und ansonsten möglichst wenig Punkte sammelt, steht am Ende häufig besser da als eine Mannschaft mit einem überragenden Einzelstarter.
Teammanager Joël Roelants hob nach dem Rennen deshalb gerade die Zusammenarbeit seiner drei Fahrer hervor. Alle drei wollten gewinnen, was seine Aufgabe nach eigener Aussage sogar einfacher gemacht habe. Hinter den Kulissen sei viel Arbeit nötig gewesen, aber am Ende habe genau diese Mannschaft funktioniert.
Prado und Farres führen Spanien erstmals aufs Podium
Während Belgien nach 13 Jahren wieder ganz oben steht, feiert Spanien einen Erfolg, den es beim Nations zuvor noch nie gegeben hatte. Jorge Prado, Guillem Farres und Francisco Garcia werden Zweite.
Prado hatte bereits am Samstag das MXGP-Qualifying gewonnen. Am Sonntag folgten zwei zweite Plätze, womit der amtierende SMX-Champion auch die MXGP-Einzelwertung für sich entschied. Farres steuerte mit den Plätzen vier und fünf ebenfalls wenig Punkte bei und gewann die MX2-Wertung vor Camden McLellan und Sacha Coenen.
Damit standen zwei der Fahrer, die den Coenen-Brüdern 2026 die großen Einzel-Titel vor der Nase weggeschnappt hatten, auch in Ernée wieder ganz vorne in ihren Klassen: Herlings gewann die Open mit 1-1, Farres die MX2 mit 4-5.
Beim Nations zählte diesmal allerdings eine andere Rechnung.
Herlings gewinnt alles – Belgien gewinnt das Nations
Jeffrey Herlings war individuell kaum etwas vorzuwerfen. Schon am Samstag gewann er das Open-Qualifying deutlich. Am Sonntag legte er zweimal nach und holte beide Laufsiege. Drei Starts, drei Siege – mehr konnte er für die Niederlande kaum machen. Gemeinsam mit Glenn Coldenhoff und Roan van de Moosdijk reichte es zu Rang drei.
Team USA kam mit Julien Beaumer, Levi Kitchen und Cooper Webb auf Platz fünf. Beaumer bestritt in Ernée seinen ersten Einsatz auf der KTM 450 SX-F und kam auf die Plätze zehn und 17.
Italien wurde Sechster. Andrea Adamo hatte mit Rang zwei in seinem ersten Rennen zunächst stark vorgelegt. Im letzten Moto lag er erneut innerhalb der Top Ten, stürzte dann aber und beschädigte dabei seinen Kühler. Er versuchte weiterzufahren, ehe ihn sein Team schließlich aus dem Rennen nahm.
Deutschland musste sich mit Tom Koch, Valentin Kees und Noah Ludwig mit Rang 16 begnügen. Damit ging es für die Mannschaft um Marcel Dornhöfer und Karsten Schneider noch einen Platz weiter nach hinten, als beim Auftritt im vergangenen Jahr in den USA.
Das letzte goldene Plate geht mit nach Amerika
Für Lucas und Sacha Coenen wird Ernée damit zu mehr als einem weiteren Eintrag in der Ergebnisliste.
Beide verlassen Europa nach einer Saison, die ihnen wahrscheinlich noch eine Weile im Kopf herumgehen wird. Sie haben Rennen gewonnen, um Weltmeisterschaften gekämpft und am Ende dabei zugesehen, wie andere die großen Plates ihrer jeweiligen Klassen in Empfang nahmen.
Beim letzten gemeinsamen Auftritt vor ihrem Wechsel in die USA drehten sie die Geschichte noch einmal um.
Nicht allein. Das wäre beim Nations ohnehin die falsche Erzählung. Liam Everts hatte mit seinen beiden vierten Plätzen erheblichen Anteil daran, dass Belgien nach 13 Jahren wieder die Chamberlain Trophy gewinnen konnte.
Aber für die beiden Zwillinge könnte das Timing kaum besser sein.
Sacha steht gemeinsam mit seinem Bruder ganz oben und wird zusätzlich als bester Nachwuchsfahrer des Wochenendes ausgezeichnet. Lucas kämpft sich rechtzeitig zurück, hält zwei Rennen durch und bekommt am Ende genau den Titel, mit dem er Europa verlassen wollte.
Den MXGP- und MX2-WM-Titel haben Lucas und Sacha Coenen 2026 verpasst. Ihr letztes goldenes Plate auf europäischem Boden nehmen sie trotzdem gemeinsam in Empfang. Und Lucas hatte dafür nach dem Rennen ohnehin den besseren Satz: „Ich verlasse Europa nicht ohne einen Titel.“
