Infront setzt auf seine Klassiker: Lommel bis 2031, Uddevalla bis 2029

Lommelwood gehört auch weiterhin zum MXGP Kalender von Infront

Lommelwood gehört auch weiterhin zum MXGP Kalender von Infront. / Foto: Ralph Marzahn

Während der MXGP-Kalender in den kommenden Jahren weiter wachsen soll und neue Märkte hinzukommen, sichert sich Infront Moto Racing gleichzeitig zwei seiner europäischen Klassiker. Lommel bleibt für weitere fünf Jahre Teil der Weltmeisterschaft, Uddevalla für drei. Beide Vertragsverlängerungen wurden beim Motocross of Nations in Ernée bekanntgegeben.

Gerade diese Kombination ist interessant. Viel unterschiedlicher könnten zwei Grand-Prix-Strecken kaum sein. In Uddevalla wartet harter Boden zwischen den charakteristischen Felsen, in Lommel wird der tiefe Sand spätestens am Sonntag zur körperlichen Prüfung. Genau diese Unterschiede gehören zu einer Weltmeisterschaft.

Und beide Veranstaltungen scheinen derzeit zu funktionieren. Infront spricht sowohl für Lommel als auch für Uddevalla von neuen Zuschauerrekorden in der Saison 2026.

Lommel bekommt gleich fünf weitere Jahre

Beim MXGP of Flanders geht Infront deutlich über eine kurzfristige Verlängerung hinaus. Der neue Vertrag läuft bis Ende 2031.

Lommel gehört seit 1990 zur Geschichte der Motocross-WM, seine Bedeutung geht inzwischen aber weit über das eigentliche Rennwochenende hinaus. Zahlreiche Teams und Fahrer sind in der Region zu Hause oder verbringen dort einen großen Teil ihrer Trainingszeit. Wenn im Sommer der Grand Prix ansteht, ist deshalb gefühlt ein erheblicher Teil des Fahrerlagers ohnehin schon vor Ort.

David Luongo greift bei seiner Einschätzung ziemlich hoch ins Regal. „Für mich ist es wie der Monaco Grand Prix der Formel 1“, sagt der Präsident und CEO von Infront Moto Racing. „Es ist eine ganz besondere Veranstaltung, bei der sich die gesamte Industrie rund um die Strecke versammelt und bei der jeder Fahrer seinen Namen in die Siegerliste eintragen möchte.“

Der Vergleich ist natürlich groß. Der Gedanke dahinter lässt sich aber nachvollziehen. Lommel ist eben nicht irgendein Sandrennen im Kalender. Wer dort gewinnt, hat einen Sonntag hinter sich, an dem Fitness, Technik und Konzentration ziemlich gnadenlos geprüft werden.

Stillstand gibt es dabei trotz der langen Geschichte nicht. Nach Angaben von Luongo wird das Layout alle zwei oder drei Jahre stärker verändert. Auch 2026 wurden neue Zuschauerbereiche geschaffen, um bessere Sicht auf die Strecke zu ermöglichen.

Für die Organisatoren Johan Boonen, Ann Plas und Jo de Munck bringt der Fünfjahresvertrag vor allem Planungssicherheit. Diese soll genutzt werden, um weiter in Organisation und Infrastruktur zu investieren.

Ein Thema wird dabei ausdrücklich angesprochen: die Verkehrssituation rund um den Grand Prix. Gemeinsam mit der Stadt Lommel sollen in den kommenden Jahren nachhaltige Lösungen für die An- und Abreise sowie die Mobilität rund um das Gelände gefunden werden.

Der Anspruch der Veranstalter ist klar: Lommel soll nicht einfach nur im Kalender bleiben, sondern seinen Ruf als „Lommelwood“ weiter ausbauen.

Uddevalla bleibt der skandinavische Fixpunkt

In Schweden läuft der neue Vertrag bis Ende 2029. Uddevalla kann dabei auf eine noch längere WM-Geschichte zurückblicken. Bereits 1958 gastierte die Weltmeisterschaft dort. Seit Anfang der 2000er-Jahre gehört das Glimminge Motorstadium regelmäßig zum Kalender.

Stefan Everts, Joël Smets, Antonio Cairoli, Jeffrey Herlings und Tim Gajser sind nur einige der großen Namen, die auf den Hardpack-Hängen von Uddevalla gefahren sind.

Trotz dieser Vergangenheit versucht BMK Uddevalla offenbar nicht, ausschließlich von alten Geschichten zu leben. Luongo hebt ausdrücklich die Entwicklung unter Club-Präsident Tobias Revelj hervor. „Uddevalla ist seit Jahrzehnten eine Kultstrecke im GP-Kalender und hat es immer geschafft, sich zu modernisieren“, sagt Luongo. Seit Revelj gemeinsam mit seinem Team die Leitung übernommen habe, sei eine neue Dynamik entstanden.

Dass die Veranstaltung Zuschauer anzieht, beschränkt sich längst nicht mehr auf Schweden. 2026 war der Campingplatz nach Angaben des Promoters ausgebucht. Fans reisten unter anderem aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Mitteleuropa an.

Für Revelj ist der Grand Prix ohnehin größer als eine rein schwedische Angelegenheit. „Natürlich ist er sehr wichtig für Uddevalla, aber auch für ganz Skandinavien, denn wir haben viele Fahrer aus Norwegen und Dänemark.“

Dabei hängt die Durchführung nicht allein am BMK Uddevalla. Revelj verweist auf die eigenen Clubmitglieder und zahlreiche Vereine aus der Umgebung, die bei der Organisation helfen.

Gifting zeigte, was ein Schwede dort auslösen kann

Wie schnell die ohnehin gute Stimmung in Uddevalla noch einmal eine andere Stufe erreicht, zeigte Isak Gifting 2024.

Der Schwede kämpfte im zweiten MXGP-Lauf vor heimischem Publikum weit vorne, ging an Jeffrey Herlings vorbei und nahm anschließend sogar die Verfolgung von Romain Febvre auf. Wenige Kurven vor dem Ziel kam der Sturz. Seine Maschine sprang danach nicht mehr an und die mögliche Sensation war vorbei.

Wer die Bilder und vor allem die Geräuschkulisse dieses Rennens noch im Kopf hat, weiß allerdings, weshalb Infront diese Geschichte bei der Vertragsverlängerung wieder hervorholt. Ein Schwede, der in Uddevalla um den Sieg kämpft, verändert die Atmosphäre auf dem Gelände sofort.

Antonio Alia Portela blickt deshalb auch auf die nächste Generation. Der FIM/CMS-Direktor verweist auf junge Schweden, die derzeit in den europäischen Nachwuchsklassen nach oben kommen. Die Hoffnung ist klar: Irgendwann soll wieder einer von ihnen beim Heim-GP ganz vorne stehen.

Für den MXGP-Kalender bedeuten die beiden neuen Verträge vor allem eines: Bei aller Expansion bleiben zwei Strecken erhalten, die ihren eigenen Charakter nicht erst künstlich erfinden müssen.

Uddevalla steht für skandinavischen Hardpack und seine Naturtribünen zwischen den Felsen. Lommel für tiefen Sand, ausgefahrene Wellen und einen Sonntag, an dem selbst die Besten irgendwann anfangen zu arbeiten. Genau solche Gegensätze braucht eine Motocross-Weltmeisterschaft.