MXoN 2026: Frankreich setzt das erste Ausrufezeichen – Deutschland sicher dabei
Romain Febvre und seine Teamkollegen setzten beim MXoN Qualifyingrace in Ernée ein Ausrufezeichen. / Foto: Ralph Marzahn
MXoN 2026: Frankreich hat den MXoN-Samstag in Ernée genau so beendet, wie es sich Zehntausende Fans an den Hängen des Circuit Raymond Deny gewünscht haben. Mathis Valin gewann MX2, Romain Febvre wurde Zweiter in MXGP und Tom Vialle Dritter im Open-Rennen. Drei Starts, drei Top-Drei-Ergebnisse – damit geht der Gastgeber als bestes Team der Qualifikation und mit der ersten Startplatzwahl in den Sonntag.
Dabei war Frankreich keineswegs in allen drei Klassen das schnellste Team. Jorge Prado gewann für Spanien das MXGP-Qualifying, Jeffrey Herlings war im Open nicht zu schlagen. Aber genau darin liegt die Stärke der Franzosen nach dem ersten Renntag: Keiner ihrer drei Fahrer leistete sich einen Ausrutscher.
Mit drei Punkten gewann Frankreich die Nationenwertung vor Spanien mit fünf und Belgien mit sieben Punkten. Italien folgt mit acht Zählern, dahinter liegen Lettland, die Niederlande und die USA mit jeweils zehn. Deutschland taucht zwar nicht in den Top Ten auf, löste aber ebenfalls direkt das Ticket für die drei Hauptrennen am Sonntag.
Prado macht aus Startplatz 31 einen Sieg
Spanien hatte nach dem Ballot am Freitag eigentlich allen Grund, etwas länger über seine Ausgangslage zu schimpfen. Erst als vorletzte Mannschaft durften Prado, Guillem Farres und Francisco Garcia ihren Startplatz wählen.
Prado war das ziemlich egal.
Schon im freien Training setzte er die Bestzeit vor Febvre. Beim Start schnappte sich dann allerdings der Franzose den Holeshot, während Prado zunächst hinter Jan Pancar festhing. Nachdem er Pancar überholt hatte, leistete sich Prado einen Fehler und musste noch einmal an dem Slowenen vorbei.
Anschließend holte er Febvre ein und übernahm nach einem Fehler des Franzosen die Führung. Ganz wegfahren konnte Prado allerdings nicht. Drei Runden vor Schluss kam Febvre noch einmal näher, im Ziel trennten beide nur 1,923 Sekunden.
Prado hatte dabei einen ziemlich ungewöhnlichen Start in sein Rennen. „Als die 15-Sekunden-Tafel hochging, saß ich noch nicht einmal auf dem Motorrad. Ich war noch auf dem Weg zu meinem Startplatz“, erklärte der Spanier später. „Trotzdem hatte ich einen ziemlich guten Start.“
Mit den Streckenbedingungen ging er bewusst vorsichtig um. An einigen Stellen sei viel Wasser gewesen, entsprechend rutschig habe sich der Boden angefühlt. Dazu kamen bereits Überrundete, die das Rennen nicht gerade einfacher machten.
Für Spanien war der Sieg wichtig, aber nicht allein entscheidend. Farres kämpfte sich im MX2-Rennen nach einem Fehler noch auf Rang vier zurück, Garcia wurde im Open Sechster. Aus Startplatz 31 wurde damit am Ende Rang zwei der MXoN-Qualifikation.
Valin meldet sich genau zum richtigen Zeitpunkt zurück
Eine der Geschichten des Samstags lieferte Mathis Valin.
Der Franzose bestritt in Ernée sein erstes Rennen seit seinem schweren Sturz in Portugal im Juni. Schon im freien Training war davon wenig zu erkennen: Valin fuhr die schnellste MX2-Zeit, gerade einmal sieben Tausendstelsekunden vor Sacha Coenen.
Im Rennen übernahm zunächst Coenen die Führung. Der Belgier hatte Valin und Janis Reisulis allerdings ständig im Nacken. In Runde fünf ging Coenen am oberen Ende der großen Abfahrt zu Boden und hatte Glück, Valin nicht gleich mit abzuräumen.
Der Franzose war damit vorne und gab die Führung nicht mehr her.
Camden McLellan wurde Zweiter, Levi Kitchen brachte mit Rang drei das beste Einzelergebnis für die USA nach Hause. Farres folgte auf vier. Sacha Coenen versuchte in der letzten Runde noch Reisulis zu überholen, stürzte dabei erneut und fiel schließlich auf Rang sieben zurück.
Für Valin hätte das Comeback kaum besser laufen können. „Die vergangenen Monate waren hart für mich. Deshalb bin ich sehr froh, wieder auf dem Motorrad zu sitzen. Es ist lange her, dass ich ein Rennen gefahren bin, und umso schöner ist es, Frankreich zunächst an die Spitze gebracht zu haben.“
Herlings fährt im Open in einer anderen Liga
Wer nach den ersten beiden Rennen noch Zweifel an Jeffrey Herlings‘ Form hatte, bekam im Open-Qualifying eine ziemlich deutliche Antwort.
Tom Vialle war beim Start vorne dabei, doch bereits aus der zweiten Kurve heraus übernahm Herlings die Führung. Danach wurde aus dem Kampf um Platz eins ziemlich schnell ein Kampf um die Plätze dahinter.
Liam Everts kam schließlich auf Rang zwei ins Ziel. Sein Rückstand: 19,625 Sekunden. Vialle wurde mit bereits 43 Sekunden Rückstand Dritter.
Herlings selbst war mit seiner Fahrt entsprechend zufrieden. „Mein Sprung aus dem Gatter war nicht besonders gut, aber auf der Honda war ich der Schnellste da draußen. Morgen brauche ich dasselbe noch einmal.“
Interessant ist sein Blick auf die niederländische Mannschaft. Individuell sieht sich Herlings in der Lage, mit Prado, Vialle und Febvre um die Laufsiege zu kämpfen. Beim Mannschaftsergebnis bleibt er vorsichtiger und bezeichnete bereits einen Podiumsplatz als schwierige Aufgabe.
Noah Ludwig bringt das MXoN-Team-Germany sicher durch
Für Team Germany ging es am Samstag weniger spektakulär zu. Entscheidend ist allerdings: Deutschland steht am Sonntag in den Hauptrennen.
Tom Koch lag im MXGP-Qualifying zunächst in den Top Ten. Während Lucas Coenen nach seinem Crash in der ersten Kurve von ganz hinten durchs Feld pflügte, verlor Koch später allerdings seine Position innerhalb der ersten Zehn.
Das beste deutsche Resultat lieferte schließlich Noah Ludwig.
Der KTM-Pilot kam im Open-Rennen zunächst innerhalb der Top Ten aus der ersten Runde und brachte Rang acht ins Ziel. Damit sorgte er für das stärkste deutsche Einzelergebnis des Tages und half entscheidend dabei, die direkte Qualifikation abzusichern.
Deutschland musste damit nicht bis zum Ende um den Einzug in die Hauptrennen zittern. Österreich erwischte gerade noch den 19. und letzten direkten Qualifikationsplatz, während Finnland und die Slowakei am Sonntag zunächst ins B-Finale müssen.
Vorne sieht die Sache nach dem Samstag dagegen ziemlich interessant aus.
Frankreich hat mit drei Fahrern unter den ersten Drei das geschlossenste Mannschaftsergebnis geliefert. Spanien hat gezeigt, dass selbst Startplatzwahl 31 Prado, Farres und Garcia nicht besonders beeindruckt. Belgien steht trotz der Stürze der Coenen-Brüder auf Rang drei – und Lucas Coenens Fahrt vom letzten Platz auf Rang fünf dürfte auch die letzten Zweifel an seiner Fitness beseitigt haben.
Am Sonntag werden die Klassen gemischt. Dann hilft Frankreich das perfekte Qualifying nur noch bei der Startplatzwahl. Was die drei Franzosen daraus machen, entscheidet sich dort, wo ein MXoN traditionell erst richtig kompliziert wird: gemeinsam mit den anderen Klassen auf der Strecke.
