Austin Forkner beendet seine Karriere: Ein außergewöhnliches Talent sagt Goodbye
Austin Forkner beendet seine Profi Karriere. / Foto: CONVRG Media
Austin Forkner hat seine aktive Motocross- und Supercross-Karriere beendet. Der US-Amerikaner gab seine Entscheidung in einem ausführlichen Video auf seinen sozialen Kanälen bekannt. Bereits beim AMA Pro Motocross in RedBud war der ehemalige Triumph-Werksfahrer nicht mehr an den Start gegangen.
Mit gerade einmal 27 Jahren endet die Laufbahn eines Fahrers, der über Jahre zu den schnellsten Piloten der 250er-Klasse gehörte – und dessen Karriere immer wieder von schweren Verletzungen überschattet wurde.
Schnell genug für ganz große Titel
Schon als Amateur galt Forkner als Ausnahmetalent. Bei den Profis bestätigte er diesen Ruf eindrucksvoll. Für Monster Energy/Pro Circuit Kawasaki gewann er 13 Supercross-Main-Events in der 250SX-Klasse und gehörte regelmäßig zu den heißesten Titelkandidaten.
Doch immer dann, wenn der große Durchbruch greifbar schien, folgte der nächste Rückschlag.
2019 riss er sich nach drei Siegen in Folge das Kreuzband. Ein Jahr später kämpfte er bis zum Saisonfinale um den Titel, ehe ein schwerer Sturz alle Hoffnungen beendete. Auch danach wechselten sich beeindruckende Comebacks und neue Verletzungen beinahe im Jahresrhythmus ab.
Der Körper setzte die Grenzen
Der Hauptgrund für sein Karriereende ist jedoch nicht eine einzelne Verletzung. Forkner berichtete, dass er seit mehreren Jahren unter massiven Nervenproblemen im Arm leidet. Die Muskulatur habe sich immer weiter zurückgebildet, mehrere Operationen und Untersuchungen bei führenden Spezialisten blieben ohne Erfolg. Bis heute kenne niemand die genaue Ursache.
Die Folgen bekam er immer häufiger auf dem Motorrad zu spüren.
Nach seinen Angaben fehlte ihm inzwischen die Kraft, den Lenker in kritischen Situationen sicher festzuhalten. Gerade schnelle Richtungswechsel oder harte Landungen führten dazu, dass ihm die Hand regelrecht vom Lenker rutschte. Mehrere Stürze der vergangenen Jahre führt er heute auf genau dieses Problem zurück.
Dallas wurde zum Wendepunkt
Besonders emotional sprach Forkner über die Saison 2024. Nach mehreren schwierigen Jahren hatte er nahezu sein komplettes Trainingsprogramm umgestellt. Neue Trainer, neue Methoden und ein neuer Ansatz zahlten sich aus. Er gewann den Saisonauftakt in Detroit und fühlte sich nach eigener Aussage so stark wie selten zuvor.
Auch in Dallas lief alles nach Plan – bis zum folgenschweren Sturz.
Forkner beschreibt diesen Moment heute als den Punkt, an dem ihn die vielen Rückschläge endgültig eingeholt hätten. Er habe das Gefühl gehabt, alles richtig gemacht zu haben, nur um erneut durch einen schweren Unfall ausgebremst zu werden. Von diesem Erlebnis habe er sich nie vollständig erholt.
Ein Zufallsbefund veränderte sein Leben
Der Unfall in Dallas brachte allerdings noch etwas ganz anderes ans Licht. Bei den Untersuchungen nach dem Sturz entdeckten Ärzte eine angeborene Gefäßfehlbildung im Gehirn, eine sogenannte arteriovenöse Malformation (AVM). Kurz darauf musste sich Forkner einer Gehirnoperation unterziehen.
Für ihn war dieser Zufallsbefund weit mehr als nur eine medizinische Diagnose.
Forkner ist überzeugt, dass der Sturz ihm letztlich das Leben gerettet hat. Nach Aussage der Ärzte war die Gefäßfehlbildung bereits so weit fortgeschritten, dass sie jederzeit hätte reißen können. Er glaubt deshalb, seinen Sohn möglicherweise nie kennengelernt zu haben, wenn dieser Unfall nicht passiert wäre.
Neue Prioritäten
Mit der Geburt seines Sohnes Atlas änderte sich schließlich auch seine Sicht auf den Sport. Forkner erklärte, dass Motocross viele Jahre lang der Mittelpunkt seines Lebens gewesen sei. Heute sehe er das anders. Er wolle vor allem ein guter Vater, Ehemann und Sohn sein.
Hinzu komme, dass ihm das Rennfahren zuletzt keinen Spaß mehr gemacht habe. Die körperlichen Einschränkungen hätten ihn ständig beschäftigt. Er sei nie mehr unbeschwert gefahren und habe gemerkt, dass ihm die nötige Überzeugung fehlte, um auf höchstem Niveau Risiken einzugehen.
„Was wäre wenn?“
Austin Forkner weiß selbst, wie viele Menschen seine Karriere betrachten. Er spricht offen darüber, dass sein Name wohl immer mit der Frage verbunden bleiben wird, was ohne die vielen Verletzungen möglich gewesen wäre. Diese Einschätzung kann er nachvollziehen. Gleichzeitig blickt er mit Stolz auf das zurück, was er erreicht hat.
Nicht jeder Traum habe sich erfüllt, sagte er sinngemäß. Dennoch habe ihn der Sport zu dem Menschen gemacht, der er heute ist.
Bewegende Worte seiner Frau
Auch seine Ehefrau Rylee verabschiedete die Rennkarriere mit einer emotionalen Botschaft.
Sie erinnerte daran, dass beide einst als zwei junge Menschen gemeinsam von einer Karriere im Motocross träumten. Acht Jahre später könnten sie auf diesen Weg mit Stolz zurückblicken.
Für sie sei es eine Ehre gewesen, Austin während all der Höhen und Tiefen begleitet zu haben. Gleichzeitig freue sie sich darauf, dass ihr Mann seine ganze Energie nun ihrer wachsenden Familie widmen werde.
„Du hast diesem Sport alles gegeben.“
Vielleicht beschreibt genau dieser Satz Austin Forkners Karriere am besten. An Talent hat es ihm nie gefehlt. Was ihm immer wieder im Weg stand, waren Verletzungen und gesundheitliche Rückschläge. Nun beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt – einer, in dem nicht mehr Motocross an erster Stelle steht, sondern seine Familie.
