Jett Lawrence: „Im Moment fahre ich fast nur mit einem Bein“

Jett Lawrence kämpft immer noch mit seiner Fußverletzung

Jett Lawrence kämpft immer noch mit seiner Fußverletzung. / Foto: Align Media

Platz drei in RedBud, die Red Plate verloren und plötzlich drei Punkte Rückstand auf Bruder Hunter – sportlich war das Wochenende für Jett Lawrence noch immer ordentlich. Doch hinter den Kulissen kämpft der Honda-Pilot aktuell gegen einen Gegner, der ihn deutlich mehr beschäftigt als die Konkurrenz: seinen verletzten Fuß.

Nach dem Rennen sprach der Australier ungewöhnlich offen darüber, wie sehr ihn die Verletzung inzwischen einschränkt – auf dem Motorrad, beim Training und auch mental.

RedBud wurde zur echten Herausforderung

Eigentlich sind genau solche Strecken Lawrences Revier. Tiefe Spurrillen, wechselnder Untergrund und schwierige Bedingungen liegen ihm normalerweise.

In RedBud funktionierte das diesmal allerdings nur bedingt. „Normalerweise mag ich solche Bedingungen richtig gern. Diesmal hatte ich aber große Probleme mit meinem Fuß.“ Vor allem die tiefen Rillen machten ihm zu schaffen. „Ich habe praktisch das ganze Gewicht auf dem linken Bein. Dadurch fehlt mir einfach die Balance.“

Nach dem Rennen sei der Fuß entsprechend steif und schmerzhaft gewesen.

Beim Bremsen fehlt die Kontrolle

Besonders deutlich macht sich die Verletzung beim Anbremsen bemerkbar. Jett Lawrence erklärt, dass er das Motorrad normalerweise stark über die Beine kontrolliert und beim Bremsen viel Druck auf das Hinterrad bringt. Genau das sei momentan kaum möglich. „Ich bekomme mein Gewicht nicht richtig nach hinten. Dadurch kann ich das Motorrad nicht so fahren, wie ich es gewohnt bin.“

Das Team arbeite zwar ständig an kleinen Anpassungen, um ihm das Leben etwas leichter zu machen. „Wir versuchen, das Motorrad entsprechend anzupassen. Aber am Ende fahre ich im Moment fast nur mit einem Bein.“

Auch unter der Woche läuft längst nicht alles normal

Nicht nur auf der Strecke sorgt der verletzte Fuß für Probleme. Beim Training muss Jett Lawrence viele Kompromisse eingehen. Radfahren funktioniert zwar grundsätzlich, schmerzfrei ist aber auch das nicht. „Nach dem Radfahren schwillt der Fuß immer noch an. Manchmal tut sogar das Ausklicken aus den Pedalen weh.“

Laufen ist derzeit gar keine Option. „Joggen geht überhaupt nicht.“ Selbst Schwimmen hilft nur bedingt. „Auch dabei belastest du den Fuß ständig. Ganz ohne Probleme geht es also dort auch nicht.“

Der Kopf fährt immer mit

Neben den Schmerzen spielt auch der mentale Faktor eine große Rolle. „Man kann zwar einen guten Rhythmus finden, aber im Hinterkopf denkst du ständig daran, wie viel einfacher alles mit einem gesunden Fuß wäre.“

Er habe das Gefühl, für dieselbe Geschwindigkeit deutlich mehr investieren zu müssen als sonst. „Im Moment muss ich fast doppelt so hart arbeiten.“

Hunter war an diesem Tag einfach schneller

Auch den Rennverlauf ordnete Lawrence ehrlich ein. Im ersten Lauf konnte Hunter den Rückstand schließen und Druck aufbauen. Zwar verlor Jett den Sieg letztlich auch durch Sand, der sich im Bereich der Kettenführung festsetzte und das Motorrad zum Stillstand brachte.

Trotzdem machte er kein Geheimnis daraus, dass sein Bruder an diesem Tag das bessere Tempo hatte. „Hunter ist richtig stark gefahren. Als er bei mir war, wusste ich eigentlich schon, dass es schwer werden würde.“ Mit Platz drei verlor Lawrence außerdem die Führung in der Meisterschaft. Vor Southwick liegt er nun drei Punkte hinter seinem Bruder.

Aufgeben ist keine Option

Trotz aller Probleme denkt der Australier keine Sekunde daran, kürzerzutreten. „Ich bin jetzt so weit gekommen. Jetzt höre ich sicher nicht auf.“

Schon am kommenden Wochenende wartet mit Southwick das nächste Rennen. Dort will Lawrence versuchen, die verlorenen Punkte zurückzuholen. Klar ist aber auch: Solange der Fuß nicht vollständig belastbar ist, fährt einer der schnellsten Motocross-Piloten der Welt weiter mit angezogener Handbremse.

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