ZXMOTO stellt Rider-Line-up und neue Teamstruktur vor
Oriol Oliver ist neben Kevin Horgmo Pilot des neuen ZXMoto Factory Teams
Kann ein bislang in der MXGP völlig unerfahrener Motorradhersteller innerhalb von drei Jahren aufs Podium fahren? Genau dieses Ziel hat sich ZXMOTO gesetzt. Der chinesische Hersteller bestätigte auf der EICMA in Mailand seinen Einstieg in die MXGP-Weltmeisterschaft 2027 und präsentierte mit Jacky Martens einen erfahrenen Teamchef. Auch die Fahrer stehen bereits fest: Oriol Oliver und Kevin Horgmo werden die beiden Werksmaschinen pilotieren.
Damit bleibt es nicht bei einer Absichtserklärung. ZXMOTO hat sich mit JM Racing eine Mannschaft gesichert, die den WM-Betrieb kennt und über die nötigen Strukturen verfügt. Was allerdings noch fehlt, ist der sportliche Nachweis, dass auch das Motorrad mit der etablierten Konkurrenz mithalten kann.
Jacky Martens wechselt erneut den Hersteller
Für Jacky Martens ist es bereits der dritte Hersteller innerhalb von drei Jahren. Nach Honda und Fantic übernimmt der ehemalige Weltmeister nun das MXGP-Projekt von ZXMOTO. Erst in der Saison 2026 war seine Mannschaft für den Werkseinsatz von Fantic verantwortlich.
Dass sich ZXMOTO ausgerechnet für Martens entschieden hat, dürfte kein Zufall sein. Der Belgier kennt die Weltmeisterschaft seit Jahrzehnten, hat mit unterschiedlichen Herstellern gearbeitet und weiß, was eine Mannschaft über eine komplette Saison leisten muss.
Trotzdem beginnt für ihn ein erheblicher Teil der Arbeit praktisch von vorne. Während Honda und Fantic bereits über Erfahrungen im internationalen Motocross verfügten, muss ZXMOTO sein Motorrad erst noch unter den Bedingungen einer MXGP-Saison beweisen.
Dabei wird es nicht allein um Motorleistung gehen. Entscheidend ist, wie gut sich die Maschine auf unterschiedlichen Böden fahren lässt, wie zuverlässig sie über zwei komplette Wertungsläufe funktioniert und wie schnell sich technische Erkenntnisse aus den Rennen in Verbesserungen umsetzen lassen.
Drei Jahre bis zum ersten Podium klingen zunächst nach ausreichend Zeit. Wer allerdings berücksichtigt, auf welchem Niveau die etablierten Werksteams inzwischen arbeiten, dürfte erkennen, wie anspruchsvoll dieses Ziel tatsächlich ist.
Oliver und Horgmo – zwei Fahrer mit unterschiedlichen Voraussetzungen
Auch bei der Fahrerwahl geht ZXMOTO einen nachvollziehbaren Weg. Statt zwei komplette MXGP-Neulinge zu verpflichten, setzt der Hersteller auf Fahrer, die bereits wissen, was sie in der Königsklasse erwartet.
Oriol Oliver absolvierte 2026 seine erste MXGP-Saison für Gabriel SS24 KTM. Der Spanier zeigte mit mehreren Top-Ten-Ergebnissen, dass er auch auf der 450er konkurrenzfähig sein kann. Eine Verletzung beendete sein Rookie-Jahr allerdings vorzeitig. Die letzten sieben WM-Runden musste er auslassen.
Für Oliver bedeutet der Wechsel zu ZXMOTO damit einen Neustart unter besonderen Voraussetzungen. Nach seiner ersten, verletzungsbedingt verkürzten Saison muss er sich nicht nur weiter an die MXGP gewöhnen, sondern gleichzeitig auf ein völlig neues Motorrad einstellen.
Kevin Horgmo bringt dagegen deutlich mehr Erfahrung mit. Der Norweger war in den vergangenen drei Jahren für Motoblouz Honda SR unterwegs und konnte sich regelmäßig innerhalb der Top Ten behaupten. Nach seinem Abschied vom französischen Team war seine Zukunft zunächst offen, nun erhält er bei ZXMOTO einen neuen Platz im WM-Starterfeld.
Gerade Horgmos Erfahrung könnte für die Entwicklung des Motorrads wichtig werden. Er kennt die Anforderungen der MXGP und kann die neue Maschine mit einem Motorrad vergleichen, auf dem er bereits regelmäßig konkurrenzfähige Ergebnisse erzielt hat.
Wie weit ist ZXMOTO tatsächlich?
Mit der Präsentation auf der EICMA hat ZXMOTO zunächst die personellen Voraussetzungen für den WM-Einstieg geschaffen. Über den tatsächlichen Entwicklungsstand des Motorrads ist dagegen noch wenig bekannt.
Und genau hier liegt die entscheidende Frage. Denn ein erfahrenes Team und zwei ordentliche Fahrer sind eine Sache. Ein Motorrad zu bauen, das sich gegen die etablierten Werksteams behaupten kann, eine ganz andere.
Gerade in der MXGP reicht es nicht, auf einer einzelnen Strecke schnell zu sein. Das Bike muss auf tiefem Sand ebenso funktionieren wie auf hartem, ausgefahrenem Boden. Es muss dem Fahrer Vertrauen vermitteln, wenn die Strecke im zweiten Lauf immer schwieriger wird, und gleichzeitig über die gesamte Renndistanz zuverlässig bleiben.
Für Oliver und Horgmo dürfte deshalb zunächst die Fahrbarkeit eine große Rolle spielen. Können sie ihre gewohnten Linien fahren? Wie verhält sich die Front beim Anbremsen? Wie viel Kraft kostet es, die Maschine über ein komplettes Moto zu bewegen? Solche Fragen werden vermutlich wesentlich früher beantwortet als die nach einem möglichen Podestplatz.
Drei Jahre bis zum Podium – ein ehrgeiziger Zeitplan
ZXMOTO hat mit der Verpflichtung von Jacky Martens, Oriol Oliver und Kevin Horgmo zumindest vermieden, beim WM-Einstieg gleichzeitig eine komplett neue Mannschaft aufbauen zu müssen. Die Abläufe im Fahrerlager sind bekannt, die Fahrer verfügen über MXGP-Erfahrung und der Teamchef weiß, welche Anforderungen auf einen Hersteller zukommen.
Wie groß der Rückstand zur etablierten Konkurrenz tatsächlich ist, lässt sich derzeit allerdings nicht beurteilen. Dafür fehlen belastbare Informationen über das Motorrad und vor allem Vergleichswerte unter Rennbedingungen.
Der angekündigte Podestplatz innerhalb von drei Jahren ist deshalb zunächst ein Ziel des Herstellers, keine realistische Prognose, die sich schon heute überprüfen ließe.
Für die MXGP ist der Einstieg dennoch eine bemerkenswerte Entwicklung. Während sich einige etablierte Hersteller mit ihren Rennsportprogrammen schwertun, investiert mit ZXMOTO ein neuer Anbieter in die Königsklasse.
Ob daraus ein dauerhaft konkurrenzfähiges Werksteam wird, hängt letztlich davon ab, wie konsequent der Hersteller sein Projekt technisch und finanziell weiterentwickelt. Jacky Martens und seine beiden Fahrer werden ab 2027 zeigen müssen, wie viel Substanz hinter den Plänen aus Mailand steckt.
