Fahrerkarussell 2027: Fernández wechselt zu Yamaha, Honda HRC mit neuem MX2-Duo
Ruben Fernandez wechselt zu Yamaha und hält das Fahrerkarusselll am laufen
Das Fahrerkarussell für die Motocross-Weltmeisterschaft 2027 dreht sich weiter. Yamaha hat mit Rubén Fernández einen weiteren Werksfahrer für die MXGP verpflichtet. Der Spanier verlässt Honda HRC und wird künftig an der Seite von Tim Gajser antreten. Gleichzeitig stellt Honda seine MX2-Abteilung komplett neu auf. Mit Maxime Grau und Julius Mikula wechseln zwei 20-jährige Fahrer in das Werksteam, die sich in der vergangenen Saison mit unterschiedlichen Leistungen für diese Chance empfohlen haben.
Rubén Fernández wechselt von Honda zu Yamaha
Nach mehreren Jahren im Honda-Lager schlägt Rubén Fernández ein neues Kapitel seiner Karriere auf. Der 27-jährige Spanier aus Vigo hat bei Monster Energy Yamaha Factory MXGP unterschrieben und wird 2027 auf einer werksseitig vorbereiteten YZ450FM antreten. Sein neuer Teamkollege ist der fünffache Weltmeister Tim Gajser, der bereits 2026 von Honda zu Yamaha gewechselt war.
Fernández bringt reichlich Erfahrung aus der MXGP mit. Seinen ersten Grand-Prix-Sieg feierte er 2023, als er die Weltmeisterschaft auf dem fünften Gesamtrang beendete. Zwei Jahre später gelang ihm mit Platz vier seine bislang beste WM-Endplatzierung. An der notwendigen Geschwindigkeit mangelt es dem Spanier also nicht. Die Herausforderung wird vielmehr darin bestehen, seine Spitzenleistungen über eine komplette Saison hinweg konstant abzurufen.
Nach vielen Jahren mit denselben Menschen und demselben Motorrad freut sich Fernández vor allem auf die Veränderung.
„Ich freue mich auf das nächste Kapitel meiner Karriere und das neue Umfeld. Nach so vielen Jahren mit demselben Team, denselben Leuten und demselben Motorrad bin ich wirklich gespannt auf diesen Wechsel. Alles ist neu: die Menschen, das Motorrad und das Team. Genau das motiviert mich“, erklärt Fernández.
Dass er bereits früher für Yamaha gefahren ist, könnte ihm die Umstellung zumindest etwas erleichtern. Allerdings liegt diese Zeit einige Jahre zurück und seine damalige YZ250F lässt sich nur bedingt mit der aktuellen 450er-Werksmaschine vergleichen.
„Ich erinnere mich, dass mir damals besonders das Fahrwerk und das Handling gefallen haben. Natürlich ist die YZ450F ein anderes Motorrad und die Entwicklung ist inzwischen weitergegangen. Aber ich bin überzeugt, dass ich diese Gelegenheit nutzen kann“, so Fernández, der zum Zeitpunkt der Bekanntgabe noch keine Gelegenheit hatte, seine neue Maschine zu testen.
Yamaha stellt sein MXGP-Werksteam neu auf
Mit der Verpflichtung von Fernández verändert Yamaha nicht nur seine Fahreraufstellung. Auch hinter den Kulissen wird die MXGP-Abteilung für 2027 neu organisiert. Künftig arbeitet das Werksteam in einer zentralisierten Struktur direkt am Yamaha-Rennsportstandort in Gerno di Lesmo in Italien.
Dort sollen die MXGP-Aktivitäten von der technischen Infrastruktur und dem Know-how profitieren, das Yamaha bereits in seinen MotoGP- und Superbike-WM-Projekten nutzt. Für den Hersteller bedeutet das eine stärkere Einbindung des Motocross-Programms in die eigenen Werksstrukturen.
Alexandre Kowalski, Off-Road Racing Manager bei Yamaha Motor Europe, sieht darin einen wichtigen Schritt.
„Wir freuen uns sehr, Rubén wieder in der Yamaha-Familie begrüßen zu dürfen. Als Grand-Prix-Sieger hat er bereits bewiesen, dass er an der Spitze mitfahren kann. Seine Geschwindigkeit und Professionalität sind eine große Bereicherung für unser Werksprogramm.“
Gleichzeitig verweist Kowalski auf die neue technische Ausrichtung. Durch die Zusammenführung der verschiedenen Rennsportaktivitäten an einem Standort könne das MXGP-Team künftig auf zusätzliche Entwicklungsressourcen zurückgreifen.
Mit Gajser und Fernández verfügt Yamaha damit über zwei erfahrene Grand-Prix-Sieger. Während der Slowene bereits fünf Weltmeistertitel gewonnen hat, möchte Fernández nun den nächsten Schritt machen und sich dauerhaft als Titelkandidat etablieren.
Honda HRC verpflichtet Maxime Grau und Julius Mikula
Auch Honda HRC hat seine Fahrerplanung für 2027 vorangetrieben. Allerdings betrifft die jüngste Bekanntgabe nicht die MXGP-, sondern die MX2-Abteilung. Dort werden mit Maxime Grau und Julius Mikula zwei neue Fahrer auf der CRF250R antreten.
Beide sind 20 Jahre alt, haben jedoch unterschiedliche Wege in das Werksteam genommen. Während Grau bereits Erfahrungen mit Honda sammeln konnte, steht Mikula vor einem vollständigen Markenwechsel.
Für Grau ist die Verpflichtung durch Honda HRC der nächste Schritt nach einer Saison, in der er sich beim Maddii Racing Team wieder für höhere Aufgaben empfehlen konnte.
Der Franzose hatte bereits in der EMX250 mit vier Podiumsplätzen auf sich aufmerksam gemacht und zwischenzeitlich Erfahrungen in einem Werksumfeld gesammelt. Mehrere Verletzungen verhinderten allerdings eine kontinuierliche Entwicklung. Erst zu Beginn der Saison 2026 erhielt er bei Maddii Racing eine neue Chance.
Auf der Honda CRF250R zeigte Grau regelmäßig konkurrenzfähige Leistungen und beendete die MX2-Weltmeisterschaft auf dem elften Gesamtrang. Seine Geschwindigkeit und die Entwicklung während der Saison überzeugten schließlich auch die Verantwortlichen von Honda HRC.
„Für Honda HRC zu fahren, ist eine unglaubliche Gelegenheit, auf die ich wirklich stolz bin. Ich habe hart dafür gearbeitet und möchte jetzt das Beste daraus machen“, erklärt Grau.
Besonders bedankt sich der Franzose bei seiner bisherigen Mannschaft. „Ohne das Vertrauen von Maddii Racing zu Beginn dieses Jahres wäre ich heute nicht dort, wo ich bin.“
Ein Vorteil für Grau dürfte sein, dass er das Motorrad und einige Mitglieder der HRC-Mannschaft bereits kennt. Anders als sein neuer Teamkollege muss er sich nicht erst mit den grundsätzlichen Eigenschaften der CRF250R vertraut machen.
Julius Mikula nach starker Saison ins Werksteam
Mit Julius Mikula holt Honda HRC einen Fahrer ins Team, der sich 2026 durch konstante Leistungen in der MX2-Weltmeisterschaft empfohlen hat. Der Tscheche beendete die Saison auf dem neunten Gesamtrang und erreichte beim Grand Prix im italienischen Trentino mit Platz vier sein bestes Wochenendergebnis.
Neben seinen Resultaten waren es vor allem seine guten Starts und sein Fahrstil, die bei Honda Eindruck hinterließen. Allerdings steht Mikula vor einer größeren Umstellung als Grau. Der 20-Jährige ist bislang noch keine Honda CRF250R im Rennbetrieb gefahren und muss sich deshalb sowohl an das Motorrad als auch an die Abläufe innerhalb eines Werksteams gewöhnen.
„Es ist eine große Ehre, für Honda HRC fahren zu dürfen. Wenn man das Team im Fahrerlager sieht, erkennt man sofort, wie professionell dort gearbeitet wird. Dass sie mir jetzt ihr Vertrauen schenken, bedeutet mir sehr viel“, erklärt Mikula.
Der Tscheche weiß allerdings auch, dass seine bisherigen Ergebnisse noch keine Garantie für weitere Erfolge sind.
„Ich weiß, dass mich meine Leistungen in diesem Jahr in diese Position gebracht haben. Gleichzeitig beginnt die eigentliche Arbeit erst jetzt. Die Honda CRF250R ist für mich ein komplett neues Motorrad und auch an das neue Teamumfeld muss ich mich erst gewöhnen.“
Entsprechend möchte Mikula die Winterpause intensiv nutzen, ohne sich bereits konkrete Platzierungsziele aufzuerlegen.
Honda setzt auf zwei junge Fahrer mit Entwicklungspotenzial
Mit Grau und Mikula entscheidet sich Honda HRC bewusst für zwei Fahrer, die sich in der MX2-Weltmeisterschaft bereits bewiesen haben, aber noch keinen Grand-Prix-Sieg vorweisen können. Beide sollen innerhalb der Werksstruktur den nächsten Entwicklungsschritt machen.
Teammanager Marcus Pereira de Freitas sieht dabei unterschiedliche Voraussetzungen. Grau kennt das Honda-Umfeld bereits durch seine Zeit bei Maddii Racing und dürfte sich deshalb vergleichsweise schnell integrieren können. Für Mikula wird die Umstellung dagegen deutlich umfangreicher ausfallen.
„Für Maxime ist es schön, dass er von Maddii Racing zu uns aufsteigt. Er war in diesem Jahr bereits häufiger in unserem Umfeld unterwegs, kennt viele Teammitglieder und natürlich auch die CRF250R“, erklärt Pereira de Freitas. „Für Julius wird es eine größere Veränderung. Deshalb werden wir alles dafür tun, ihm den Übergang so einfach wie möglich zu machen.“
Beide Fahrer seien jung, ehrgeizig und würden genügend Potenzial mitbringen, um erfolgreiche Saisons zu absolvieren.
Bevor am 27. und 28. Februar 2027 der erste Grand Prix der neuen Saison auf dem Programm steht, sollen Grau und Mikula bei mehreren Vorbereitungsrennen zum Einsatz kommen. Dort werden sie auch gemeinsam mit den beiden MXGP-Werksfahrern Tom Vialle und dem frisch gekrönten MXGP-Weltmeister Jeffrey Herlings auftreten.
Während Yamaha mit Gajser und Fernández auf zwei etablierte Fahrer in der MXGP setzt und gleichzeitig seine Werksstrukturen verändert, geht Honda in der MX2 mit einer vollständig neuen Fahrerpaarung an den Start. Für Grau und Mikula bietet sich damit die Gelegenheit, sich erstmals dauerhaft in einem der größten Werksteams der Welt zu beweisen. Fernández wiederum muss zeigen, ob ihm der Wechsel zu Yamaha tatsächlich den erhofften nächsten Schritt ermöglicht.
