Yamaha YE-01: Townley begeistert, Ernée reagiert mit Buhrufen

Die Yamaha YE o1 wurde von Ben Townley bei der Promofahrt beim MXoN in Ernee vorgeführt

Die Yamaha YE-01 wurde von Ben Townley bei der Promofahrt beim MXoN in Ernee vorgeführt. / Foto: AI

Yamaha hat die YE-01 beim Motocross of Nations in Ernée erstmals vor großem Publikum auf einer Motocross-Strecke präsentiert. Während Ben Townley vom Entwicklungsstand des Elektro-Crossers überrascht war, fiel die Reaktion von Teilen der rund 50.000 Zuschauer deutlich kritischer aus.

Nach ihrer Vorstellung auf der EICMA 2025 durfte die YE-01 in Ernée erstmals öffentlich etwas mehr zeigen. Yamaha schickte Ben Townley und Milko Potisek auf die Strecke. Wir haben bei Townley nachgefragt, wie sich die Yamaha tatsächlich anfühlt. Der MX2-Weltmeister von 2004 zeigte sich dabei deutlich beeindruckter, als er es vor seiner ersten Fahrt offenbar selbst erwartet hatte.

Townley: „Ich war wirklich völlig überrascht“

„Es ist ein unglaubliches Motorrad für eine erste Version“, sagte Townley gegenüber MXNEWS-Online. „Es ist noch ein kompletter Prototyp. Dass sie damit bereits auf diesem Niveau sind, ist wirklich beeindruckend.“

Das Grundkonzept ist interessant. Yamaha nutzt ein Chassis der aktuellen YZ450F-Generation und kombiniert eigene Komponenten mit dem elektrischen Antrieb und den Batterien von Electric Motion. Die Franzosen bringen dabei Erfahrung aus dem Elektro-Trial mit. Ein Detail der YE-01 dürfte gerade für Motocross-Fahrer interessant sein: Yamaha hat eine Kupplung verbaut.

Die Kupplung wird zum Leistungsregler

Ein Elektromotor benötigt eigentlich keine klassische Kupplung. Townley nutzt sie auf der YE-01 trotzdem intensiv. „Beim Beschleunigen benutzt man die Kupplung hauptsächlich, um die Leistung zu dosieren“, erklärte er uns.

Dabei geht es vor allem um das unmittelbar verfügbare Drehmoment des Elektromotors. „Ein elektrisches Dirtbike hat sehr viel Drehmoment und richtig viel Leistung. Am großen Bergaufstück war ich beispielsweise sehr hart am Gas und konnte dabei mit der Kupplung die Leistungsabgabe kontrollieren.“

Yamaha versucht damit offenbar, dem Fahrer trotz des völlig anderen Antriebskonzepts ein vertrautes Werkzeug zu erhalten. Gerade auf einer Motocross-Strecke könnte das wichtiger sein, als es auf dem Papier zunächst klingt.

Ernée reagiert deutlich weniger begeistert

Während Townley von der YE-01 angetan war, bekam Yamaha von Teilen des Publikums eine ziemlich andere Rückmeldung. Bei den Promorunden standen rund 50.000 Fans an der Strecke. Als der Moderator versuchte, die Zuschauer für die Elektro-Demonstration anzuheizen, waren lautstarke Buhrufe zu hören.

Das bedeutet nicht, dass die gesamte Zuschauermenge gegen Elektro-Motocross war. Die ablehnende Reaktion eines Teils der Fans war vor Ort aber kaum zu überhören.

Ernée ist dafür vermutlich auch kein besonders einfacher Ort. Das Motocross of Nations lebt wie kaum ein anderes Rennen von seiner Geräuschkulisse und den Fans. Motoren, Drucklufthörner und Kettensägen ohne Kette gehören dort seit Jahren zur Atmosphäre.

Ein fast geräuschloser Crosser trifft hier auf ein Publikum, das mit dem Verbrennungsmotor groß geworden ist.

Wie weit ist Yamaha wirklich?

Townleys Aussagen lassen zumindest vermuten, dass Yamaha technisch schon weiter ist, als der Begriff „Prototyp“ erwarten lässt. Wie nah die YE-01 tatsächlich an einer möglichen Serienmaschine liegt, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Yamaha hat bislang weder einen Verkaufsstart noch endgültige Leistungsdaten, Gewicht, Batteriekapazität oder Preis genannt. Auch die entscheidende Frage nach der Renndistanz unter voller Belastung bleibt offen.

Genau dort wird sich irgendwann zeigen müssen, ob aus einer eindrucksvollen Demonstration ein konkurrenzfähiger Crosser werden kann. Ein komplettes Rennwochenende stellt andere Anforderungen als einige Promorunden.

Auch über eine mögliche Enduro-Version lässt sich derzeit nur spekulieren. Electric Motion bringt dafür zwar einiges an Erfahrung mit, konkrete Hinweise auf eine entsprechende Yamaha gibt es bislang aber nicht.

Ernée hat damit zwei ziemlich unterschiedliche Eindrücke hinterlassen. Ben Townley stieg von der YE-01 und zeigte sich vom Entwicklungsstand überrascht. Ein Teil der Zuschauer machte gleichzeitig lautstark klar, dass Yamaha bei einem Elektro-Crosser nicht nur technische Hürden überwinden muss.

Die Ingenieure scheinen mit der YE-01 bereits einiges geschafft zu haben. Die Fans zu überzeugen, könnte die schwierigere Aufgabe werden.