Warum musste ausgerechnet Prado KTM retten?
Nach dem Titelgewinn - Jorge Prado mit seiner Familie. / Foto: Align Media
Wer vor der Saison auf einen KTM-Titel gesetzt hätte, wäre wohl zuerst bei Simon Längenfelder, Lucas Coenen oder Eli Tomac gelandet. Jorge Prado stand nach seinem schwierigen Jahr bei Kawasaki bei deutlich weniger Leuten auf dem Zettel. Am Ende war er der Einzige, der für KTM 2026 einen der großen Titel holte. Wie kam es dazu?
In der Motocross-WM sah es zunächst nicht nach einer leeren KTM-Bilanz aus. Simon Längenfelder ging als amtierender MX2-Weltmeister an den Start. Sacha Coenen übernahm in derselben Klasse das Red Plate, sein Bruder Lucas führte die MXGP an. KTM hatte damit gleich in beiden WM-Klassen Fahrer ganz vorne.
Dann kippte die Lage. Lucas verletzte sich beim britischen Grand Prix, verlor dort einen großen Teil seines Vorsprungs auf Jeffrey Herlings und musste anschließend weitere Rennen auslassen. Sacha war nach einem Schlüsselbeinbruch zwar schnell wieder auf dem Motorrad, fuhr aber nicht beschwerdefrei. In Foxhills verlor er die MX2-Führung an Guillem Farrés.
Längenfelder blieb als weiterer KTM-Kandidat. Drei Grand-Prix-Siege holte der Deutsche 2026, für die Titelverteidigung reichte es dennoch nicht. Beim Finale in Australien konnte er wegen einer Erkrankung nicht starten und schloss die WM auf Platz fünf ab. Sacha wurde Dritter, Lucas Sechster. Die Titel gingen an Herlings auf Honda und Farrés auf Triumph.
In den USA traf es die nächsten Kandidaten
Eli Tomac begann seine erste KTM-Saison mit einem Sieg beim Supercross-Auftakt und gewann weitere Rennen. Er war im 450SX-Titelkampf, bevor er im Qualifying von Cleveland stürzte und eine Runde aussetzen musste. Beim Pro-Motocross-Auftakt verletzte er sich erneut; auch dort fehlte er anschließend mehrere Rennen.
Julien Beaumer kam wegen einer schweren Rückenverletzung gar nicht erst zur Supercross-Saison. Sein Sommer zeigte, was KTM dadurch entgangen sein könnte: Er kehrte im Pro Motocross zurück und gewann in Spring Creek erstmals eine 250MX-Gesamtwertung. Einen SX-Titel konnte er da längst nicht mehr angreifen.
Damit waren die regulären Meisterschaften durch. KTM hatte weder MXGP noch MX2 gewonnen, weder AMA Supercross noch Pro Motocross.
Dass diese Aufzählung für die Marke ungewohnt klingt, hat einen Grund: 2007 war KTM zuletzt in diesen großen MX- und SX-Meisterschaften ohne Fahrertitel geblieben. Schon 2008 holte Tyla Rattray die MX2-WM, danach kam jedes Jahr mindestens ein weiterer Titel hinzu.
Was hatte Prado damit zu tun?
Zunächst schien er der unwahrscheinlichste Retter dieser Bilanz. Prado hatte 2025 auf Kawasaki in den USA nur durchwachsene Ergebnisse erzielt und wegen einer Verletzung einen Teil der Saison verpasst. Zurück bei KTM brauchte er Zeit. Die 450SX-Meisterschaft gewann er nicht, im Pro Motocross wurde er Vierter. Doch zum Ende der Outdoors gewann er in Ironman beide Läufe. Spätestens da war zu sehen, dass mit ihm in den SMX-Playoffs zu rechnen war.
Prado übernahm dort die Führung und reiste mit dem Red Plate zum Finale nach Ridgedale. Nach Platz fünf im ersten Moto war der Titel noch nicht sicher. Im zweiten zog er den Holeshot, gewann den Lauf und damit die 450SMX-Meisterschaft – seinen ersten Titel in den USA.
Man sollte die Bilanz also genau benennen: KTM blieb 2026 in MXGP, MX2, AMA Supercross und Pro Motocross ohne Fahrertitel. Titellos blieb die Marke insgesamt nicht. Längenfelder und die Coenens konnten ihre WM-Chancen nicht nutzen, Tomac und Beaumer wurden in den USA durch Verletzungen zurückgeworfen. Prado machte aus einer Saison, die für KTM bis zuletzt nach einer historischen Nullnummer aussah, doch noch eine mit Champion.
