Fürstlich Drehna: Ein starkes Finale mit einem kleinen Schönheitsfehler
Noah Ludwig vor der für Drehna typischen und wieder renovierten Mühle. / Foto: Ralph Marzahn
Fürstlich Drehna kann Saisonauftakt. Das wissen die Fans der ADAC MX Masters seit vielen Jahren. 2026 durfte der MSC allerdings das Finale ausrichten – und machte daraus bei bestem Spätsommerwetter ein Wochenende, das auch abseits der Rennstrecke einiges zu bieten hatte.
11.500 Zuschauer kamen nach Angaben des Veranstalters über das Wochenende an die Traditionsstrecke „Rund um den Mühlberg“. Für einen Termin Ende September ist das eine ordentliche Hausnummer, zumal das Wetter zu dieser Jahreszeit durchaus hätte ungemütlicher ausfallen können.
Davon war diesmal wenig zu spüren. Sonne, angenehme Temperaturen und entsprechend volle Zuschauerbereiche sorgten dafür, dass man sich zeitweise eher bei einem Saisonauftakt im Frühjahr als beim letzten Rennwochenende des Jahres fühlte.
Und wer einmal nicht auf die Strecke schaute, fand rundherum ebenfalls genug zu sehen.
Nicht nur Motocross
Fürstlich Drehna gehört zu den Veranstaltungen, bei denen sich ein Rundgang lohnt. Entlang der Strecke zieht sich die bekannte Händler- und Fressmeile, dahinter das Fahrerlager. Dazu kommen die vielen kleinen Stellen, an denen man stehenbleibt, Leute trifft und dann doch länger hängen bleibt als geplant.
Selbst Maximilian Spies hatte an diesem Wochenende genug zu tun, obwohl er nach seiner Nackenverletzung bei seinem Heimrennen nicht fahren konnte. Der Ortrander unterstützte unter anderem das Social-Media-Team des MSC und war für Interviews und weitere Termine unterwegs.
„Ich habe das Social Media Team für Fürstlich Drehna ein bisschen übernommen. Zudem hatte ich viele Interviews und Termine und bin mehr hin und her gelaufen als ich eigentlich wollte. Von daher war es genauso stressig für mich wie sonst, nur anders.“
Natürlich hätte Spies lieber selbst am Startgatter gestanden. Gleichzeitig zeigte sein Wochenende aber auch ganz gut, dass bei einem solchen Event deutlich mehr passiert als das, was später in den Ergebnislisten steht.
DDR-Eis zwischen Teamtrucks und Rennstrecke
Ein bisschen Nostalgie war ebenfalls dabei. Beim Schlendern durch die Zuschauermassen und entlang der Händler- und Fressmeile fiel uns ein Stand besonders auf. Dort gab es zunächst einmal etwas ziemlich Unspektakuläres: Eis.
Interessanter wurde die Sache beim Blick auf die Maschine, aus der es kam. Denn offenbar wurde das Eis tatsächlich mit einer alten DDR-Eismaschine hergestellt. Zwischen modernen Motorrädern, aufwendig ausgebauten Teamtrucks und dem ganzen Drumherum einer heutigen Masters-Veranstaltung stand da plötzlich ein Stück Technik aus einer ganz anderen Zeit.
Leider haben wir es versäumt, selbst zu probieren. An mangelnder Nachfrage scheint es jedenfalls nicht gelegen zu haben. Immer wieder kamen uns Besucher mit der Kombination aus Schoko und Vanille entgegen. Ob das Eis aus der alten Maschine tatsächlich anders schmeckt, können wir also nicht beantworten. Ein Hingucker war sie allemal – und irgendwie passte dieser kleine Hauch Ost-Nostalgie ziemlich gut nach Fürstlich Drehna.
Gottesdienst direkt an der Motocross-Strecke
Noch ungewöhnlicher wurde es am Sonntag. Denn neben Warm-up und Rennprogramm stand tatsächlich ein Gottesdienst auf dem Programm – und zwar direkt an der Strecke.
Für die ADAC MX Masters war das in Fürstlich Drehna eine Premiere. Die Evangelische Kirchengemeinde St. Johannes Gahro-Fürstlich Drehna hatte gemeinsam mit dem MSC Fürstlich Drehna dazu eingeladen. Gehalten wurde der Gottesdienst von Pfarrer Torben Linke aus Bad Liebenwerda.
Und der musste für seine Predigt nicht lange nach einer Verbindung zum Motocross suchen. Linke verglich den Glauben mit einem Motorradfahrer, der durch die Luft fliegt. Für diesen Moment brauche es Mut, Übung, Vertrauen und Ausdauer. Ähnlich sei es mit dem Glauben: Es gebe Momente, in denen man Zweifel loslassen könne und sich getragen fühle.
Doch zum Motocross gehören eben auch die Landungen – und manchmal gehen die daneben. Linke griff deshalb auch die schwierigen Momente auf. Glaube schütze nicht vor Abstürzen oder Zeiten, in denen etwas schiefläuft. Entscheidend sei, danach wieder aufzustehen. Hilfe könne dabei von anderen Menschen kommen oder aus der Erinnerung daran, schwierige Situationen schon einmal überwunden zu haben.
Für die musikalische Begleitung sorgte die Band Confused aus Finsterwalde. Die jungen Musiker gaben vor der für sie sicherlich nicht alltäglichen Kulisse ihr Bestes und sorgten für den passenden Sound.
Motorräder, Teamtrucks und Rennstrecke auf der einen, Gottesdienst und Live-Musik auf der anderen Seite – diese Kombination erlebt man bei den ADAC MX Masters nicht gerade jedes Wochenende. Zum Abschluss gab es einen Segen für Teilnehmer und Gäste.
Gerade weil dieser Programmpunkt so gar nicht zum gewohnten Ablauf eines Motocross-Wochenendes gehörte, blieb er hängen.
Beim Fahrerlager ging der Versuch allerdings daneben
Ganz ohne Kritik kommt das Wochenende trotzdem nicht davon. Wer Fürstlich Drehna kennt, kennt auch die Händler- und Fressmeile entlang der Strecke. Direkt dahinter stehen normalerweise die zahlreichen Trucks der größeren Teams. Eigentlich eine schöne Sache, denn nirgendwo kommt der Fan den Teams, Motorrädern und Fahrern einfacher nahe als im ADAC-MX-Masters-Fahrerlager.
2026 sah man davon zunächst vor allem eines: Rückseiten.
Entlang des Zuschauerbereichs blickte man auf die Rückwände der großen Teamtrucks, Wohnmobile und kleineren Transporter. Die geöffneten Zelte und eigentlichen Arbeitsbereiche der Teams zeigten dagegen in die andere Richtung.
Das darf man durchaus hinterfragen. Einige dieser Trucks kosten deutlich mehr als 100.000 Euro, sind aufwendig gestaltet und dienen schließlich auch der Präsentation von Team und Sponsoren. Bei einer Publikumsveranstaltung wäre es deshalb naheliegend, die offene Seite auch dorthin auszurichten, wo das Publikum vorbeikommt.
Stattdessen hatte man sich offenbar für eine Art Korridor innerhalb des Fahrerlagers entschieden. Wer dort hineinwollte, musste zunächst den Zugang suchen oder sich zwischen den Fahrzeugen seinen Weg in diesen Gang bahnen. Nach unseren Eindrücken vor Ort wurde diese neue Lösung von den Besuchern nicht besonders gut angenommen.
Warum auch kompliziert, wenn es vorher einfacher funktioniert hat? Für 2027 würden wir uns deshalb wünschen, dass dieser Versuch ein einmaliger bleibt. Die alte Anordnung mit einem offeneren Fahrerlager in Richtung der Fans war übersichtlicher und vor allem einladender.
Und dann bleibt noch der Müll
Ein deutlich weniger schönes Bild zeigte sich nach dem Rennwochenende. Und leider ist Fürstlich Drehna damit kein Einzelfall.
Wer häufiger bei Motocross-Veranstaltungen unterwegs ist, kennt die Mengen an Abfall, die nach der Abreise im Fahrerlager zurückbleiben. Auch in Fürstlich Drehna wurde wieder reichlich Müll zurückgelassen, um den sich am Ende der Verein kümmern muss.
Das ist schwer nachvollziehbar.
Die Austragung eines ADAC-MX-Masters-Wochenendes ist für einen Verein ohnehin mit erheblichen Kosten und einem enormen organisatorischen Aufwand verbunden. Dazu kommen unzählige Arbeitsstunden der Helfer vor, während und nach der Veranstaltung. Warum muss man dem Veranstalter anschließend auch noch vermeidbare Arbeit und zusätzliche Entsorgungskosten hinterlassen?
Hier dürfen sich Teams und Fahrer durchaus angesprochen fühlen.
Wer seinen Platz im Fahrerlager am Sonntagabend verlässt, sollte ihn so hinterlassen, dass nicht am Montag Vereinsmitglieder den zurückgelassenen Müll einsammeln müssen. Sind entsprechende Behälter vorhanden, gehört der Abfall dort hinein. Gibt es keine ausreichenden Entsorgungsmöglichkeiten oder sind diese voll, nimmt man seinen Müll eben wieder mit.
Eigentlich sollte das selbstverständlich sein.
Ein Verein, der mit zahlreichen Helfern tagelang dafür sorgt, dass Fahrer und Teams überhaupt eine solche Bühne bekommen, hat nach dem letzten Rennen noch genug Arbeit. Den eigenen Müll ordentlich zu entsorgen, ist da keine besonders große Gegenleistung, sondern schlicht eine Frage des Respekts.
11.500 Zuschauer als Lohn für den Aufwand
Gerade vor diesem Hintergrund bekommt die Arbeit des MSC noch einmal eine andere Bedeutung. 11.500 Zuschauer kommen nicht zufällig zu einer Veranstaltung, und ein Wochenende dieser Größenordnung entsteht auch nicht erst am Freitagmorgen.
Entsprechend zufrieden zeigte sich der Vorsitzende des MSC Fürstlich Drehna, Marcel Rentsch, nach dem Finale. „Einfach mega. Mir fehlen fast die Worte, was wir dieses Wochenende erleben durften und wir als Verein geschafft haben. Es hat wieder viel Spaß gemacht, das vorzubereiten, und die Traumkulisse ist für uns auch Lohn für unsere Arbeit.“
Rentsch verwies dabei auf die zahlreichen Helfer sowie Sponsoren und Partner des Clubs. Gerade für einen Verein dürfte der Blick auf volle Zuschauerbereiche am Ende die angenehmste Bestätigung dafür sein, dass sich die Vorbereitung gelohnt hat.
Fürstlich Drehna hatte 2026 zudem eine ungewohnte Rolle. Seit 2006 war die Veranstaltung, mit Ausnahme von 2022, vor allem als Saisonauftakt der ADAC MX Masters bekannt. Diesmal durfte der MSC den Schlusspunkt setzen.
Dabei soll es allerdings nicht bleiben.
2027 wieder zurück in den April
Im kommenden Jahr möchte der MSC wieder an seinen gewohnten Platz im Kalender zurückkehren und die Saison im April eröffnen.
Für Marcel Rentsch ist der frühe Termin ohnehin die bessere Variante. Der Verein kennt die besonderen Anforderungen eines Saisonauftakts aus vielen Jahren Erfahrung und auch die Bodenverhältnisse seien im Frühjahr günstiger als im Herbst.
Nach diesem Wochenende weiß man zumindest, dass Fürstlich Drehna beides kann.
Das Finale 2026 lebte jedenfalls nicht nur von den letzten Meisterschaftsentscheidungen. 11.500 Zuschauer, die Händler- und Fressmeile, ein bisschen DDR-Eis-Nostalgie und mit dem Gottesdienst sogar eine echte Premiere sorgten dafür, dass auch abseits der Strecke etwas hängen blieb.
Beim Fahrerlager darf man für 2027 gerne wieder zum alten Konzept zurückkehren. Und bei dem Müll, den einige Teilnehmer dem Verein hinterlassen, wäre ein Umdenken ebenfalls angebracht.
Denn ein gutes Motocross-Wochenende entsteht nicht nur durch das, was auf der Strecke passiert. Dazu gehören auch diejenigen, die es organisieren, die vielen Helfer im Hintergrund – und ein bisschen Rücksicht von denen, für die dieser ganze Aufwand betrieben wird..
