Toby Martyn: Zwischen Euphorie und Lehrgeld

Toby Martyn (#212) erhielt nach Lauf 1 Glückwünsche von Teamkollegen Eddie Karlsson.

Toby Martyn (#212) erhielt nach Lauf 1 Glückwünsche von Teamkollegen Eddie Karlsson. / Foto: Future7Media

Frühmorgens um vier Uhr klingelt der Wecker – ein Satz, der für viele nach Albtraum klingt, für SuperEnduro-Fahrer aber der Startschuss in einen ganz besonderen Renntag ist. Für Toby Martyn begann so das vierte Saisonkapitel der SuperEnduro World Championship in Budapest. Und was folgte, war ein Abend, der sinnbildlich für den Reifeprozess eines jungen Fahrers steht: schnell, mutig, emotional – und lehrreich.

Starker Auftakt auf anspruchsvollem Kurs

Schon im ersten Training setzte Martyn auf seiner Stark Varg ein Ausrufezeichen. Die Strecke präsentierte sich früh im Abendprogramm technisch anspruchsvoll, mit tiefen Spurrillen, kniffligen On-Off-Passagen und einer Rock-Section, die sich schnell als Schlüsselstelle herauskristallisierte. Während viele Fahrer noch mit der Linienwahl kämpften, fand Martyn früh Rhythmus – Bestzeit im ersten Training.

Im zweiten Zeittraining relativierte sich das Ergebnis zwar, doch der Ton war gesetzt: Die Pace war da. In der SuperPole-Session bestätigte Martyn diesen Eindruck mit einem fünften Platz – sein bestes SuperPole-Resultat bislang. Kontrolliert, ohne unnötiges Risiko, aber schnell genug, um sich mitten unter den Etablierten zu positionieren.

Rennen eins: Führung, Euphorie – und Drama

Der erste Wertungslauf entwickelte sich zum emotionalen Höhepunkt des Abends. Nach einem misslungenen Start musste Martyn zunächst improvisieren, nutzte dann jedoch genau jene Rock-Section, die viele ausbremste. Während sich das Feld staute, fand er den Weg nach vorne – bis an die Spitze.

Was folgte, war Neuland: Martyn führte erstmals einen SuperEnduro-Lauf an. Der Druck war enorm, die körperliche Belastung spürbar. Zwei Minuten vor Schluss begann der Kampf mit sich selbst – doch die Führung hielt. Bis zwei Runden vor Ende ein Fehler in der Rock-Section alles veränderte. Ein verbogener Bremshebel blockierte die Vorderradbremse, der Rhythmus war dahin. Martyn musste Billy Bolt passieren lassen und rettete den zweiten Platz mit letzter Kraft ins Ziel.

Der Jubel danach war trotzdem ehrlich – Zittern, Adrenalin, ein breites Grinsen. Für einen Moment wurde aus einem „normalen“ Rennabend ein Karriere-Moment.

Konstanz und Grenzen in Lauf zwei und drei

Im zweiten Lauf zeigte Martyn eine weitere wichtige Facette: Konstanz. Trotz erneut schwachem Start arbeitete er sich nach vorne, hielt sich aus heiklen Situationen heraus und beendete das Rennen auf Platz fünf – ein Ergebnis, das im SuperEnduro-Alltag Gold wert ist.

Im dritten und letzten Lauf ging es dann um das Gesamtresultat des Abends. Als Zwischenrang-Dritter gestartet, war der Druck hoch. Ein guter Start brachte Hoffnung, doch eine Kollision und ein anschließender Sturz warfen Toby Martyn zurück. Platz zehn im finalen Lauf bedeutete am Ende Gesamtrang fünf – dennoch das beste Gesamtergebnis seiner bisherigen SuperEnduro-Auftritte.

Ein Abend, der mehr war als Zahlen

Zwei Top-5-Resultate, eine Lauf-Führung, erstmals echtes Spitzen-Feeling – Budapest markiert für Toby Martyn einen Wendepunkt. Nicht alles lief perfekt, und genau das macht diesen Abend so wertvoll. Die Geschwindigkeit ist da, das Selbstvertrauen wächst, und die Erkenntnis reift, dass im SuperEnduro nicht nur Mut, sondern auch Erfahrung entscheidet.

Oder anders gesagt: Budapest war kein perfekter Abend – aber ein verdammt wichtiger.

Mit zwei verbleibenden Runden in der Saison nimmt Martyn nicht nur Punkte mit, sondern etwas viel Wertvolleres: die Gewissheit, dass er auf diesem Niveau nicht nur mithalten, sondern zeitweise sogar den Ton angeben kann.