Supercross Stuttgart 2026: Fritz Siegele (11) träumt vom ersten Podestplatz
Fritz Siegle versucht am kommenden Wochenende das ersehnte Podium beim Supercross in Stuttgart zu holen. / Foto: privat
Für Fritz Siegele wird das ADAC Supercross Stuttgart 2026 ein besonderer Auftritt. Der Elfjährige aus Rudersberg im Rems-Murr-Kreis steht bereits zum fünften Mal in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle am Start. Gleichzeitig dürfte es vorerst sein letzter sein. Denn 2027 steigt Fritz in die 85ccm-Klasse auf, für die es beim Stuttgarter Supercross derzeit keine eigene Rennklasse gibt. Umso größer ist sein Wunsch, sich mit einem Podestplatz aus der Halle zu verabschieden.
An Erfahrung mangelt es dem Nachwuchsfahrer inzwischen nicht mehr. Viermal hat er die besondere Atmosphäre des Stuttgarter Supercross bereits erlebt. Dass die Nervosität trotzdem geblieben ist, gibt er offen zu.
„Über die Jahre hat sich schon ein Stück weit Routine eingestellt“, erzählt Fritz im Gespräch mit MXNEWS-Online. „Aufgeregt bin ich aber natürlich angesichts der vielen Zuschauer und der Kulisse in der Schleyer-Halle trotzdem immer wieder aufs Neue.“
An seinen ersten Auftritt erinnert er sich noch gut. Damals war es vor allem der Umgang mit den jüngsten Teilnehmern, der ihn beeindruckte. „Ich wusste noch gar nicht, was auf mich zukommt. Aber selbst als junger Teilnehmer wird man genauso behandelt wie die großen Fahrer.“ Zu seinen Vorbildern gehörten damals bereits Paul Bloy und Kevin Winkle.
Ein guter Start als Grundlage für den ersten Podestplatz
Sportlich hat Fritz für seinen voraussichtlich letzten Stuttgarter Auftritt ein klares Ziel. Noch fehlt ihm ein Podestplatz in der Schleyer-Halle. Dass es diesmal klappen könnte, hält er angesichts seiner aktuellen Form für durchaus möglich.
„Um aufs Podium zu fahren, braucht es vor allem einen guten Start. Wenn ich anschließend meine momentan starke Form umsetzen kann und nicht stürze, müsste es klappen.“
Entsprechend intensiv hat er sich auf die Starts vorbereitet. Gemeinsam mit seinem Vater trainierte er auf einer Supercross-Strecke immer wieder den Ablauf vom Startsignal bis zum Losfahren. Dabei kommt nicht zwangsläufig ein richtiges Startgatter zum Einsatz.
„Meine Starts funktionieren mittlerweile richtig gut. Die habe ich intensiv mit meinem Papa auf der Supercross-Strecke trainiert“, berichtet Fritz. Normalerweise orientieren sich die beiden am gewohnten Rennablauf mit der 15- und der Fünf-Sekunden-Anzeige. Fehlt allerdings ein Startgatter, wird improvisiert.
„Wenn mal kein Startgatter zur Verfügung steht, lässt mein Papa einen Stein aus seiner Hand fallen. Und dann geht’s los!“
Für Fritz zählt dabei vor allem, möglichst schnell auf das Signal zu reagieren. Denn gerade beim Supercross kann die Position nach der ersten Kurve bereits einen erheblichen Einfluss auf den weiteren Rennverlauf haben.
Wenig Trainingszeit und anspruchsvolle Sprungkombinationen
Neben einem guten Start verlangt das Supercross den jungen Fahrern vor allem die Fähigkeit ab, sich innerhalb kürzester Zeit auf eine neue Strecke einzustellen. Während beim klassischen Motocross häufig mehr Zeit bleibt, um Linien auszuprobieren, müssen die Sprungkombinationen in der Halle schnell funktionieren.
„Es gibt nur zwei kurze Trainings, nach denen man die Strecke draufhaben muss. Da kann man nicht viel ausprobieren“, erklärt Fritz. „Die Sprünge und Sprungkombinationen erfordern ein gewisses Maß an Überwindung. Das muss man innerhalb kürzester Zeit umsetzen können.“
Dass er davor Respekt hat, verschweigt der Elfjährige nicht. Auf die Frage nach einem bestimmten Hindernis, das ihm besonders viel abverlangt, macht er allerdings keinen Unterschied. Für ihn verdient grundsätzlich jedes Hindernis den nötigen Respekt.
Auf die besonderen Anforderungen hat er sich gezielt vorbereitet. „Wir haben das trainiert und ich hoffe, dass ich es in der Schleyer-Halle gut umsetzen kann.“
Unterstützung erhält Fritz inzwischen auch durch das Förderprogramm MSJ MX Futures, dem er seit diesem Jahr angehört. Dort arbeitet er mit Dennis Ulrich, Dennis Baudrexl und Sascha Baier zusammen.
„Ich habe das große Privileg, die drei als Coaches zu haben. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt er. Einen einzelnen Ratschlag hervorzuheben, fällt ihm schwer. Vielmehr profitiert er nach eigener Aussage von der umfassenden Unterstützung in den verschiedenen Bereichen des Motocross- und Supercross-Sports.
Von Ken Roczen würde Fritz gerne eine Fähigkeit übernehmen
Wenn es um seine sportlichen Vorbilder geht, fällt ein Name besonders häufig: Ken Roczen. Den deutschen Supercross-Star würde Fritz am liebsten einmal persönlich im Fahrerlager treffen. Dass Roczen in diesem Jahr nicht in Stuttgart startet, ist ihm allerdings bewusst. Auch ein Besuch beim Supercross in Paris ist für ihn diesmal nicht möglich.
Noch konkreter wird Fritz, als wir ihn fragen, welche Fähigkeit er sich von einem internationalen Supercross-Profi aussuchen würde. Seine Antwort kommt ohne langes Überlegen.
„Ganz klar! Die Waschbretter so zu nehmen wie Ken Roczen.“ Gerade in diesen eng aufeinanderfolgenden Bodenwellen zeigt Roczen regelmäßig, wie viel Geschwindigkeit sich mit der richtigen Technik herausholen lässt. Fritz würde diese Passagen eines Tages gerne genauso beherrschen.
Seine Begeisterung für den Sport beschränkt sich dabei längst nicht mehr auf einzelne Rennen oder Vorbilder. Der Elfjährige hat bereits eine Vorstellung davon, wohin ihn sein Weg führen soll: Er möchte Motocross-Profi werden.
Ein letztes Mal Stuttgart – und Lenni soll als Erster davon erfahren
Bevor Fritz im kommenden Jahr in die 85ccm-Klasse wechselt, steht nun noch einmal das Supercross Stuttgart auf dem Programm. Der Klassenwechsel bedeutet für ihn zugleich, dass er bei der Veranstaltung vorerst nicht mehr an den Start gehen kann. Eine 85ccm-Supercross-Klasse wird dort derzeit nicht angeboten.
Ein erster Podestplatz wäre deshalb ein besonders schöner Abschluss seiner bisherigen Stuttgarter Auftritte. Und auch wenn er sich intensiv mit Starts, Sprüngen und seiner sportlichen Zukunft beschäftigt, bleibt Fritz bei einer Frage ganz der Elfjährige, der er ist.
Wem würde er als Erstes davon erzählen, wenn er am Freitagabend tatsächlich auf dem Podium steht?
„Ganz klar: meinem besten Freund Lenni!“
Fünf Starts in der Schleyer-Halle, der bevorstehende Wechsel auf die 85er und der Traum von einer Karriere als Motocross-Profi: Für Fritz beginnt im kommenden Jahr ein neuer Abschnitt. Zuvor möchte er in Stuttgart noch einmal zeigen, was er in den vergangenen Monaten gelernt hat.
Ob es zum Abschied tatsächlich für den erhofften Podestplatz reicht, wird sich auf der Strecke entscheiden. Wer als Erster davon erfahren würde, steht dagegen schon fest.
