Supercross Stuttgart: 2026 ist gesichert – aber was kommt danach?

Maxime Desprey beim ADAC Supercross Stuttgart im Jahr 2022

Maxime Desprey beim ADAC Supercross Stuttgart im Jahr 2022. / Foto: Ralph Marzahn

Wie lange wird das ADAC Supercross Stuttgart noch in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle stattfinden? Diese Frage haben wir bereits im Oktober 2023 gestellt. Damals standen die Pläne für einen Abriss und anschließenden Neubau der traditionsreichen Veranstaltungshalle im Raum. Drei Jahre später beschäftigt uns diese Frage erneut. Während die 42. Ausgabe des Stuttgarter Supercross unmittelbar bevorsteht, diskutieren die Verantwortlichen in der Landeshauptstadt weiterhin über die Zukunft der Halle.

Am 6. und 7. November werden die internationalen Supercross-Piloten erneut in der Schleyer-Halle antreten. Rund 3.800 Tonnen Lehmerde verwandeln den Innenraum dafür in eine Rennstrecke. Was für die Fans seit Jahrzehnten zum festen Novemberprogramm gehört, könnte in den kommenden Jahren allerdings vor einer ungewissen Zukunft stehen.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Frage, wann die Halle abgerissen wird. Inzwischen wird sogar darüber diskutiert, ob ein vollständiger Neubau überhaupt die richtige Lösung ist.

Schon 2023 war die Zukunft des Supercross ein Thema

Am 30. Oktober 2023 berichteten wir unter der Überschrift „Supercross Stuttgart – Wie lange noch?“ erstmals ausführlicher über die möglichen Folgen der damaligen Neubaupläne für die Motorsportveranstaltung.

Auf unsere Nachfrage erklärte der Veranstalter seinerzeit, dass man aufgrund der bestehenden Vereinbarungen und Abstimmungen davon ausgehe, das ADAC Supercross Stuttgart bis einschließlich 2026 sicher in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle durchführen zu können.

Gleichzeitig machte man deutlich, dass die Veranstaltung auch während einer möglichen Bauphase fortgeführt werden sollte.

„Unser Ziel ist es, das ADAC Supercross Stuttgart auch während der Bauphasen nicht zu pausieren“, lautete die damalige Aussage des Veranstalters gegenüber MXNEWS-Online.

Drei Jahre später ist die Situation bemerkenswert. Die für 2026 zugesicherte Veranstaltung steht unmittelbar bevor, während ein konkreter Zeitplan für den Hallenneubau weiterhin fehlt. Auch die Frage nach einem möglichen Ausweichstandort ist öffentlich nicht abschließend beantwortet.

Die ursprünglich diskutierten Planungen sahen zeitweise eine neue Arena mit Platz für bis zu 20.000 Zuschauer vor. Eine Fertigstellung um das Jahr 2028 wurde damals ins Auge gefasst. Von diesem Zeitplan ist Stuttgart inzwischen weit entfernt.

Aus 250 Millionen wurden 500 Millionen Euro

Die Hanns-Martin-Schleyer-Halle wurde 1983 eröffnet und ist inzwischen mehr als vier Jahrzehnte alt. Nach Einschätzung der Stadtverwaltung hat das Gebäude erhebliche technische und funktionale Defizite.

Vor allem für große internationale Konzertproduktionen gelten die Deckenhöhe, die vorhandene Technik und die räumlichen Voraussetzungen hinter den Kulissen als problematisch. Die Betreibergesellschaft in.Stuttgart verweist darauf, dass bestimmte Produktionen den Standort deshalb bereits meiden.

Eine Sanierung wäre allerdings ebenfalls kostspielig. Nach den im Sommer 2026 veröffentlichten Berechnungen müsste Stuttgart für notwendige Erhaltungsmaßnahmen rund 150 Millionen Euro aufbringen. Eine umfassende Modernisierung einschließlich einer Anhebung des Hallendachs würde mehr als 300 Millionen Euro kosten.

Für einen Neubau stehen inzwischen sogar rund 500 Millionen Euro im Raum.

Das ist eine andere Größenordnung als noch zu Beginn der Diskussion, als von ungefähr 250 Millionen Euro die Rede war. Gleichzeitig ist die geplante Zuschauerkapazität geschrumpft. Statt der ursprünglich angedachten 20.000 Plätze sieht das neuere Konzept etwa 16.000 vor. Die bestehende Halle bietet Platz für rund 15.500 Besucher.

Die Stadt argumentiert deshalb weniger mit zusätzlichen Sitzplätzen als mit besseren technischen Möglichkeiten und einer langfristig konkurrenzfähigen Veranstaltungsarena.

Abriss oder Sanierung? Stuttgart ist sich nicht einig

Anfang Juli 2026 zeigte sich, dass der geplante Neubau politisch keineswegs unumstritten ist. In den zuständigen Ausschüssen des Stuttgarter Gemeinderats kam zunächst keine Mehrheit für das Vorhaben zustande. Selbst die grundsätzliche Frage, ob die bestehende Halle abgerissen oder saniert werden sollte, blieb offen.

Neben den hohen Kosten spielt dabei auch die Umweltbilanz eine Rolle. Kritiker stellen infrage, ob es sinnvoll ist, ein gut 40 Jahre altes Gebäude vollständig abzureißen, anstatt vorhandene Bausubstanz weiterzuverwenden.

Die Kontext Wochenzeitung beschäftigte sich im Juli ausführlich mit dieser Problematik. Unter anderem wurde kritisiert, dass die wirtschaftlichen Grundlagen und Machbarkeitsstudien für die politischen Entscheidungsträger nicht ausreichend transparent seien.

Die Stadt hält dagegen, dass auch eine umfangreiche Sanierung nicht sämtliche funktionalen Einschränkungen beseitigen würde. Insbesondere die Anforderungen großer Konzertveranstalter seien mit der vorhandenen Gebäudestruktur nur schwer zu erfüllen.

Beide Seiten führen damit Argumente an, die sich nicht einfach beiseitewischen lassen. Ein Neubau könnte Stuttgart als Veranstaltungsstandort stärken, würde aber erhebliche Investitionen erfordern. Eine Sanierung könnte Teile des Gebäudes erhalten, ohne zwangsläufig alle Probleme zu lösen.

Ein Investor soll die Finanzierung ermöglichen

Am 24. Juli 2026 beschloss der Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen schließlich eine ergebnisoffene Markterkundung. Dabei soll untersucht werden, ob sich private Investoren für das Vorhaben gewinnen lassen und welche Finanzierungs- und Betreibermodelle infrage kommen.

Die Stadt möchte damit ihre eigene finanzielle Belastung begrenzen. Gleichzeitig soll geprüft werden, wie die Schleyer-Halle und die benachbarte Porsche-Arena künftig gemeinsam betrieben werden könnten.

Nach dem im Sommer veröffentlichten Zeitplan sollten die Ergebnisse der Markterkundung im Herbst 2026 vorgestellt werden. Für das erste Quartal 2027 wird ein weiterer Planungsschritt angestrebt.

Ein verbindlicher Abriss- oder Baubeginn ergibt sich daraus noch nicht. Die diskutierten Perspektiven reichen inzwischen bis in die 2030er-Jahre.

Für das Supercross bedeutet diese Verzögerung zunächst, dass ein kurzfristiger Abriss weniger wahrscheinlich erscheint als noch bei den ursprünglichen Planungen. Eine Garantie für die kommenden Jahre ist das allerdings nicht. Denn auch bei einer Sanierung könnten umfangreiche Arbeiten die Nutzung der Halle zeitweise unmöglich machen.

Wohin mit 3.800 Tonnen Erde?

Genau hier beginnt das eigentliche Problem für den ADAC Württemberg als Veranstalter des Stuttgarter Supercross.

Eine Supercross-Veranstaltung lässt sich nicht ohne Weiteres in eine beliebige Mehrzweckhalle verlegen. Neben ausreichender Zuschauerzahl braucht es vor allem einen geeigneten Innenraum, die nötige Höhe für Sprünge und Freestyle-Shows sowie die logistischen Voraussetzungen für den Aufbau und den späteren Abtransport der Strecke.

Bereits 2023 hatten wir uns deshalb mit möglichen Alternativen beschäftigt. Die unmittelbar benachbarte Porsche-Arena wäre aufgrund ihrer Lage zunächst naheliegend. Ihr Innenraum ist jedoch wesentlich kleiner als der der Schleyer-Halle. Für eine Supercross-Strecke in der bisherigen Größenordnung wäre das eine erhebliche Einschränkung.

Auch die heutige MHP Arena, das Fußballstadion des VfB Stuttgart, hatten wir damals als theoretische Alternative betrachtet. Dort wäre zwar deutlich mehr Platz vorhanden, die wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen dürften jedoch erheblich höher liegen.

Damit bleibt die Frage nach einem geeigneten Ersatzstandort bestehen.

Dass dieses Problem nicht allein das Supercross betrifft, zeigen aktuelle Berichte über das Stuttgarter Reitturnier German Masters. Auch dort wird bereits über mögliche Übergangslösungen im Zusammenhang mit einem Hallenneubau gesprochen.

Für das Supercross ist bislang keine vergleichbare konkrete Lösung öffentlich bekannt.

Und was passiert nach 2026?

Die Aussagen des Veranstalters aus dem Jahr 2023 bekommen damit eine neue Bedeutung. Damals war die Durchführung bis einschließlich 2026 abgesichert. Genau dieser Zeitraum endet mit der bevorstehenden 42. Ausgabe.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass das ADAC Supercross Stuttgart 2027 ausfallen wird. Es bedeutet lediglich, dass die damalige Zusicherung keine Aussage über die Zeit danach enthält.

Die weitere Entwicklung hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidet sich Stuttgart tatsächlich für einen Neubau? Wann würde die bestehende Halle dafür geschlossen? Und wäre eine neue Arena überhaupt so ausgelegt, dass Veranstaltungen wie das Supercross dort weiterhin stattfinden können?

Letzteres sollte man nicht als selbstverständlich voraussetzen. Schließlich orientiert sich die öffentliche Diskussion bislang überwiegend an den Anforderungen großer Konzertproduktionen. Ob auch der Motorsport bei den technischen und wirtschaftlichen Überlegungen ausreichend berücksichtigt wird, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Unterlagen nicht eindeutig erkennen.

Am kommenden Wochenende werden die Fahrer jedenfalls wieder unter dem Dach der Schleyer-Halle antreten. Die Fans dürfen sich auf zwei Abende Supercross freuen, während hinter den Kulissen eine Frage offenbleibt, die wir schon vor drei Jahren gestellt haben.

Wie lange noch?