Seattle ruft – Statistik, Serien und ein Stadion mit Geschichte
Das Lumen Field bietet eine unglaubliche Kulisse für das Supercross Seattle. / Foto: Feld Entertainment
Am kommenden Samstag macht die AMA Supercross Station im Lumen Field, dem Heimstadion der Seattle Seahawks – frisch gekrönter Super-Bowl-Champion 2026. Football-Metropole trifft Supercross-Tradition. Und Seattle ist alles – nur kein gewöhnlicher Tourstopp.
Mit 50 ausgetragenen Premier-Class-Rennen gehört die Stadt inzwischen zu den ganz großen Supercross-Standorten. Nur Anaheim, Houston und Daytona haben mehr Runden gesehen. 2026 markiert die 51. 450SX-Ausgabe in Seattle – die 18. im Lumen Field.
450SX
Ken Roczen reist mit Rückenwind in den Nordwesten. Sein 24. 450SX-Sieg bringt ihn bis auf drei Erfolge an Bob Hannah und die ewigen Top Ten heran. Gleichzeitig steht er bei 52 SMX-Gesamtsiegen (Platz elf All-Time) und 80 Podien in der 450SX-Klasse – eine Marke, die vor ihm nur sechs Fahrer erreicht haben.
Bemerkenswert: Es war seine siebte Saison in Folge mit mindestens einem 450SX-Sieg, vier davon auf Suzuki. Mehr aufeinanderfolgende Saisons mit Siegen schafften nur absolute Ikonen wie Eli Tomac, James Stewart oder Jeremy McGrath. Roczen bleibt damit nicht nur statistisch relevant – er ist sportlich voll im Titelrennen angekommen.
Lawrence übernimmt das Kommando
Hunter Lawrence hingegen kommt mit dem Red Plate nach Seattle. Vier zweite Plätze in Folge sind historisch – die viertlängste Runner-up-Serie der 450SX-Geschichte. Nur Chad Reed, Jeff Ward und andere Legenden waren über einen längeren Zeitraum konstant Zweiter.
Sein sechstes 450SX-Podium und 71. SMX-Podium insgesamt untermauern die Entwicklung. Mit fünf Punkten Vorsprung auf Roczen reist er zu seinem 25. 450SX-Start – und wirkt reifer denn je.
Webb bleibt im Schatten gefährlich
Cooper Webb mag aktuell nicht die Schlagzeilen dominieren, doch mit seinem 122. Karriere-Podium (bei 275 SMX-Starts) steht er weiter in Schlagdistanz. In der 450SX-Klasse war es sein 78. Podest in 144 Starts. Der Rückstand in der Meisterschaft beträgt nur 15 Punkte – Seattle könnte ein Schlüsselrennen werden.
Dahinter bleibt das Feld dicht: Justin Cooper holte in Glendale sein erstes Top-5-Ergebnis der Saison, Jorge Prado zeigte seinen Aufwärtstrend, und Joey Savatgy sammelte weiter starke Resultate gegen die Factory-Elite. Chase Sexton absolviert bereits seinen 61. Start in Folge – eine beeindruckende Konstanz in einer verletzungsanfälligen Serie.
Seattle: Historie mit Gewicht
Der erste Seattle-Supercross fand 1978 im legendären Kingdome statt. Jimmy Ellis gewann damals das Saisonauftaktrennen. Zwischen 1978 und 1989 wurden dort sogar Double-Header-Wochenenden ausgetragen – insgesamt 33 Premier-Class-Rennen, bevor das Stadion im Jahr 2000 abgerissen wurde.
Seit 2005 trägt das Lumen Field die Tradition weiter. James Stewart gewann die ersten drei Ausgaben dort, inklusive seines zweiten 450SX-Siegs überhaupt.
Doch Seattle ist kein verlässlicher Titel-Indikator: Nur 15 von 50 Premier-Class-Siegern (30 %) wurden am Ende Champion – im Lumen Field sogar nur 24 %. Erst Cooper Webb durchbrach dieses Muster 2025 mit Sieg und Titel in derselben Saison.
250SX
Haiden Deegan kommt mit vier Siegen in Folge nach Seattle. Sein elfter 250SX-Erfolg bringt ihn auf Augenhöhe mit Ricky Carmichael in der ewigen Bestenliste. Insgesamt steht er bei 29 SMX-Siegen – einer fehlt zur 30.
Auf Yamaha rückt er weiter nach vorne: Mit 29 Siegen auf der Marke ist er bereits Fünfter der Allzeitliste. Ein weiterer Sieg würde ihn mit Ernesto Fonseca an der Spitze der Yamaha-250SX-Historie gleichziehen lassen. Seattle bietet also gleich mehrere historische Möglichkeiten.
Die Verfolger
Levi Kitchen hat sich mit zwei Podien in Folge stabilisiert, was die Ausbeute angeht. Er steht nun bei 14 Karriere-Podien in der 250SX-Klasse. Cameron McAdoo zog mit seinem 26. Podium mit Hampshire und McElrath gleich – nur noch fünf fehlen zum Allzeitrekord. Auch Michael Mosiman, Ryder DiFrancesco und Max Vohland sammeln konstant Punkte – das Feld bleibt eng.
Seattle-Quote: Titel oder Überraschung?
In der 250SX-Klasse wurden 17 von 37 Seattle-Siegern später Western Champion (46 %). Im Lumen Field liegt die Quote bei 41 %. Ein Wert, der zeigt: Seattle kann Wegweiser sein – muss es aber nicht. Genau das macht dieses Rennen so spannend. Historie ist präsent, aber nicht zwingend. Serien können hier wachsen – oder reißen.
Der Track

Zeitplan des Supercross Seattle 2026
Qualifying (MEZ – Angaben ohne Gewähr)
- 18:30 – 18:42 250SX Gruppe C Qualifying 1
- 18:47 – 18:59 250SX Gruppe B Qualifying 1
- 19:04 – 19:16 250SX Gruppe A Qualifying 1
- 19:21 – 19:33 450SX Gruppe A Qualifying 1
- 19:38 – 19:50 450SX Gruppe B Qualifying 1
- 19:55 – 20:07 450SX Gruppe C Qualifying 1
- 20:55 – 21:07 250SX Gruppe C Qualifying 2
- 21:12 – 21:24 250SX Gruppe B Qualifying 2
- 21:29 – 21:41 250SX Gruppe A Qualifying 2
- 21:46 – 21:58 450SX Gruppe A Qualifying 2
- 22:03 – 22:15 450SX Gruppe B Qualifying 2
- 22:20 – 22:32 450SX Gruppe C Qualifying 2
Abendprogramm & Rennen (MEZ – Angaben ohne Gewähr)
(Nacht von Samstag auf Sonntag)
- 01:06 – 01:14 250SX Heat #1
- 01:20 – 01:28 250SX Heat #2
- 01:34 – 01:42 450SX Heat #1
- 01:48 – 01:56 450SX Heat #2
- 02:21 – 02:28 250SX LCQ
- 02:33 – 02:40 450SX LCQ
- 02:56 – 03:13 250SX Main Event
- 03:29 – 03:51 450SX Main Event
Seattle steht für Tradition, für große Namen – und für Unberechenbarkeit. Roczen jagt die Top Ten der Ewigkeit, Lawrence verteidigt das Red Plate mit historischer Konstanz, Webb lauert im Hintergrund. In der 250SX-Klasse könnte Deegan weiter Geschichte schreiben.
Lumen Field wird am Samstag entscheiden, ob Statistiken bestätigt werden – oder ob Seattle einmal mehr sein eigenes Drehbuch schreibt.
