Romain Febvre fordert Reformen: „Etwas muss sich ändern“
Romain Febvre beim MXGP of Latvia 2026. / Foto: Ralph Marzahn
Romain Febvre hat im Gypsy Tales Podcast deutliche Worte zur aktuellen Situation in der Motocross-Weltmeisterschaft gefunden. Der Franzose kritisierte dabei weniger einzelne Entscheidungen als vielmehr die Art und Weise, wie Fahrer und Verantwortliche miteinander umgehen.
Nach Ansicht des Kawasaki-Piloten fehlt es häufig an Austausch und Verständnis für die Sichtweise der Fahrer.
„Man hört den Fahrern nicht zu“
Febvre erklärte, dass viele Fahrer den Eindruck hätten, mit ihren Anliegen nicht ernst genommen zu werden. „Egal ob ein Fahrer zehnmal Weltmeister war oder regelmäßig in den Top Ten fährt – wenn wir etwas ansprechen, wird oft nicht zugehört.“
Aus seiner Sicht stehen Fahrer und Funktionäre eigentlich auf derselben Seite. Beide wollten die Meisterschaft weiterentwickeln und den Sport voranbringen. Trotzdem entstehe immer wieder das Gefühl, dass Kritik oder Verbesserungsvorschläge als Angriff verstanden würden. „Wir wollen alle, dass die Meisterschaft wächst. Wenn Fahrer etwas ansprechen, dann nicht, weil sie Probleme machen wollen.“
Gelbflaggen und Strafen bleiben ein Dauerthema
Besonders häufig kommt Febvre auf Situationen rund um Gelbflaggen und Rennstrafen zu sprechen.
Der 33-Jährige bemängelt, dass Entscheidungen oft getroffen würden, ohne die gesamte Situation zu betrachten. Statt die Ursache eines Vorfalls zu analysieren, werde häufig nur das Ergebnis bewertet. „Niemand möchte eine Strafe bekommen. Wenn mehrere Fahrer denselben Fehler machen, sollte man sich vielleicht fragen, warum das passiert.“
Nach seiner Auffassung haben sich Motorräder, Geschwindigkeiten und Strecken in den vergangenen Jahren verändert, während manche Regelungen nahezu unverändert geblieben seien.
Mehr Personen bei Entscheidungen
Eine Lösung sieht Febvre in einer breiteren Bewertung von Rennsituationen. Da mittlerweile praktisch jede Session gefilmt werde, könnten nach seiner Meinung deutlich mehr Informationen in Entscheidungen einfließen. Er regte an, zusätzliche Personen in die Analyse von Rennvorfällen einzubinden.
„Der Rennleiter steht an einer Stelle der Strecke und kann nicht alles sehen. Wenn mehrere Personen die Bilder auswerten, bekommt man ein vollständigeres Bild.“ Dabei verwies er auf die Formel 1 und die MotoGP, wo Zwischenfälle von mehreren Offiziellen überprüft werden.
Kritik an den Streckenposten
Ein weiteres Thema waren die Streckenposten bei den Grand Prix. Febvre hält es für problematisch, dass deren Erfahrung und Ausbildung von Veranstaltung zu Veranstaltung stark variieren können. „Für mich ist das einer der wichtigsten Punkte.“
Als Beispiel nannte er Situationen, in denen falsche Flaggen gezeigt würden oder Signale nicht eindeutig erkennbar seien. Die Folgen hätten dann häufig die Fahrer zu tragen. „Manchmal hängt eine Meisterschaftsentscheidung davon ab, ob eine Flagge richtig gezeigt wurde oder nicht.“
Der Franzose sprach sich dafür aus, einen festen Kern erfahrener Streckenposten von Grand Prix zu Grand Prix mitzunehmen.
Mehr Zusammenarbeit statt Frontenbildung
Trotz der Kritik betonte Febvre mehrfach, dass es ihm nicht darum gehe, gegen die FIM zu arbeiten. Vielmehr wünsche er sich einen offenen Austausch zwischen Fahrern, Teams und Verantwortlichen. Entscheidungen würden leichter akzeptiert, wenn ihre Hintergründe nachvollziehbar erklärt würden.
„Es sollte mehr Zusammenarbeit geben. Momentan fühlt es sich oft wie Fahrer gegen Offizielle an.“
Für Febvre steht fest, dass die Weltmeisterschaft von den Erfahrungen ihrer Fahrer profitieren kann. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass deren Stimmen auch gehört werden.
