Pierce Brown nutzt das Chaos beim 250SX-East-Auftakt in Arlington
Pierce Brown (#163) vor seinen Verfolgern im 250SX-Main-Event des Arlington Supercross. / Foto: Feld Entertainment
Der Start der Eastern Divisional 250SX Championship beim siebten Lauf der Monster Energy AMA Supercross Championship im AT&T Stadium hatte alles, was einen echten Supercross-Auftakt ausmacht: starke Comebacks, ein entscheidender Rennmoment – und einen Fahrer, der endlich seinen lange ersehnten ersten Sieg feiern konnte.
Im Mittelpunkt des Rennens stand zunächst Jo Shimoda. Der 23-Jährige erwischte den perfekten Start und sicherte sich den Holeshot. Für den amtierenden 250SMX-Champion war es der erste Renneinsatz seit einer Operation im November, bei der zwei gebrochene und verschobene Wirbel im Nacken- und oberen Rückenbereich stabilisiert werden mussten.
Trotz dieser Vorgeschichte legte Shimoda einen nahezu perfekten Auftakt hin. Bereits in den ersten Runden setzte er sich leicht ab und baute einen Vorsprung von mehr als drei Sekunden auf. Hinter ihm lauerten Pierce Brown auf der Star Racing Monster Energy Yamaha sowie Daxton Bennick auf der Rockstar Energy Husqvarna Factory Maschine.
Während vorne zunächst Ruhe einkehrte, nahm das Rennen für einen der Titelkandidaten sofort eine ganz andere Richtung. Cole Davies kam bereits in der ersten Kurve zu Fall und riss mehrere Fahrer mit sich. Statt im Spitzenfeld fand sich der Yamaha-Pilot plötzlich tief im Feld wieder und musste das Rennen komplett neu aufrollen.
Der entscheidende Moment
Bis zur Rennmitte schien alles auf einen kontrollierten Start-Ziel-Sieg von Shimoda hinauszulaufen. Doch genau in dieser Phase änderte sich das Rennen.
Als Shimoda die Ziellinie ansteuerte, wurden rote medizinische Warnlichter aktiviert. Nach Reglement dürfen Fahrer in diesem Moment keine Hindernisse springen. Shimoda reagierte korrekt und rollte über die Sprungkombinationen.
Hinter ihm jedoch schienen Brown und Bennick keine entsprechenden Signale zu sehen und setzten ihr Rennen im normalen Rhythmus fort. Der Vorsprung des Honda-Piloten schrumpfte in Sekundenbruchteilen – und Brown nutzte den Moment. Der Yamaha-Pilot zog vorbei und übernahm die Führung.
Shimoda nahm die Verfolgung sofort wieder auf, doch die Dynamik des Rennens hatte sich verändert.
Druck bis zur letzten Runde
Im weiteren Verlauf entwickelte sich ein klassisches Supercross-Duell. Shimoda blieb dicht am Hinterrad von Brown, wirkte phasenweise sogar schneller, fand aber keine saubere Möglichkeit zum Angriff.
Kurz vor Rennende setzte der Japaner noch einmal alles auf eine Karte. Weniger als eine Minute vor Schluss tauchte er mit einer aggressiven Innenlinie neben Brown auf. Doch der Angriff verlor sofort wieder an Schwung – Brown konterte und setzte sich entscheidend ab.
Nach 15 Minuten plus einer Runde sah Pierce Brown schließlich mit 2,4 Sekunden Vorsprung die Zielflagge.
Hinter ihm belegte Shimoda Rang zwei, während Bennick das Podium komplettierte. Seth Hammaker wurde Vierter, während Davies nach seinem Startcrash noch eine starke Aufholjagd auf Platz fünf zeigte.
Ein Sieg mit besonderer Bedeutung
Für Pierce Brown war dieser Moment mehr als nur ein Rennsieg. Nach 33 Supercross-Starts gelang ihm endlich der erste Triumph in der Serie – ausgerechnet ein Jahr nach einem schweren Rückschlag. Beim East-Coast-Auftakt 2025 war Brown in Führung liegend gestürzt und hatte sich dabei selbst einen Wirbelbruch zugezogen. Die Saison war damit beendet, bevor sie richtig begonnen hatte.
Entsprechend emotional fiel seine Reaktion nach dem Rennen aus: „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Es gab viele Abende, an denen ich nicht dachte, dass das möglich ist. Ein ganzes Jahr zu verpassen – besonders mit so einer Verletzung – ist mental brutal. Aber ich habe nie aufgehört zu kämpfen.“
Shimoda: Starkes Comeback trotz Fragezeichen
Auch wenn der Sieg ausblieb, setzte Shimoda ein starkes Zeichen. Nach Monaten ohne Rennen holte er sofort den Holeshot, führte mehrere Runden und kämpfte bis zum Ende um den Sieg.
Die Situation mit den Warnlichtern blieb für ihn allerdings ein Thema. „Ich habe das rote medizinische Licht gesehen und man darf dann nicht springen. Deshalb habe ich die Sprünge gerollt. Ich weiß nicht genau, was danach passiert ist – wir werden uns das noch anschauen“, erklärte Shimoda.
Bennick rettet schwierigen Tag
Für Daxton Bennick fühlte sich der dritte Platz fast wie ein kleiner Sieg an. Der Husqvarna-Pilot hatte im Tagesverlauf zu kämpfen, fand im Finale jedoch den nötigen Rhythmus. „Ich habe aus einem ziemlich schwierigen Tag noch etwas Gutes gemacht. Top fünf wäre schon okay gewesen. Dass es am Ende ein Podium geworden ist, freut mich riesig.“
Brown startet als Tabellenführer
Mit seinem Sieg übernimmt Pierce Brown sofort das Red Plate der Eastern Division. Drei Punkte trennen ihn von Shimoda, fünf von Bennick. Der Auftakt hat damit bereits gezeigt, wie eng diese Meisterschaft werden kann. Arlington war erst der Anfang – aber der Titelkampf hat sofort Tempo aufgenommen.
