MXoN Team Frankreich: Zu viel gewollt?
Trotz Laufsieg von Romain Febvre landete das MXoN Team France nur auf Rang 10
Wie wird aus einem Siegkandidaten innerhalb weniger Stunden die zehntbeste Mannschaft? Frankreich hatte in Ernée das Tempo, die Unterstützung der Zuschauer und nach der Qualifikation die erste Wahl am Startgatter. Am Sonntag stürzten trotzdem alle drei Fahrer. Die Grande Nation erlebte ihr schlechtestes MXoN-Ergebnis seit 2000.
Wer auf das Endergebnis schaut, bekommt einen falschen Eindruck von diesem Wochenende. Die Franzosen waren keineswegs zu langsam. Mathis Valin gewann am Samstag die MX2-Qualifikation, Romain Febvre wurde Zweiter in MXGP. Auch Tom Vialle ging mit einem guten Gefühl in den Sonntag.
„Nach dem Samstag hatte die ganze Mannschaft ein richtig gutes Gefühl. Vor so vielen französischen Fans zu fahren, war großartig.“
Dann reichte eine einzige Runde, um die Ausgangslage erheblich zu verschlechtern.
Valin gerät zu weit nach rechts
Valin war im ersten Lauf ordentlich zwischen den 450ern weggekommen. In der langen Abfahrt reagierte er auf einen Linienwechsel des Fahrers vor ihm, wich nach rechts aus und traf einen gelben Begrenzungsblock. Der anschließende Sturz beendete sein Rennen.
„Ich hatte gegen die 450er einen ziemlich guten Start, aber dann habe ich einen Fehler gemacht. Ich bin etwas nach rechts ausgewichen, allerdings zu weit.“
Er schob den Unfall weder auf einen Gegner noch auf sein Motorrad. Gleichzeitig machte er deutlich, wie wenig Platz für eine Korrektur blieb: „Wenn du hier auch nur einen Millimeter von der Linie abgekommen bist, hattest du ein Problem.“
Für Valin war Ernée das erste Rennen nach drei Monaten Verletzungspause. Am Samstag hatte er sofort wieder das Tempo für einen Sieg. Am Sonntag musste er nach dem heftigen Einschlag überhaupt erst einmal zurück aufs Motorrad kommen.
Das tat er. Im MX2/Open-Lauf hielt er zunächst Platz acht, bevor ihm die Schmerzen zunehmend zusetzten. Am Ende wurde er Elfter.
„Es war ein ziemlich heftiger Sturz, und im zweiten Rennen hatte ich Schmerzen. Deshalb war es schwierig, aber ich habe alles gegeben.“
Damit hatte der erste Unfall gleich zwei Ergebnisse beschädigt. Febvres Sieg im Auftaktrennen hielt Frankreich zwar im Rennen, doch die Reserve war praktisch verbraucht.
Dann fliegt auch Vialle ab
Vialle holte im zweiten Rennen den Holeshot. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als könnte Frankreich den Sonntag wieder in den Griff bekommen. Dann folgte sein schwerer Sprungsturz.
Laut FIM-Rennbericht blieb seine Fußraste am Absprung hängen. Vialle ging über den Lenker, seine Honda war danach zu stark beschädigt, um weiterzufahren. „Ich hatte den Holeshot und führte zu Beginn. Dann musste ich mich bei einem Sprung vom Motorrad lösen.“
Vialle sprach hinterher von einem Tag, an dem das ganze Pech zusammengekommen sei. Sein letzter Einsatz machte die Folgen des Unfalls deutlich. „Zum Glück war ich weitgehend okay. Ich habe versucht, das letzte Rennen zu fahren, aber ich fühlte mich nicht richtig und musste aufgeben.“
Frankreich hatte damit drei vorzeitig beendete Einsätze in seiner Bilanz. Streichen ließ sich nur einer. Da half auch kein Laufsieg mehr.
Febvre liefert – und stürzt ebenfalls
Febvre war der einzige Franzose, der beide Rennen zu Ende brachte. Nach seinem Sieg im ersten Lauf kämpfte er auch im letzten Rennen vorne mit, stürzte auf Platz zwei und fiel auf Rang fünf zurück. Anschließend fuhr er noch auf Platz drei.
„Ich glaube, dass ich heute auf meinem allerbesten Niveau gefahren bin. Auch im letzten Rennen war ich stark und bin nach meinem Sturz wieder auf Platz drei gekommen.“
Seinen ersten Laufsieg hatte er besonders genossen. Dass Valin ausgefallen war, erfuhr er erst danach.
„Diesen Moment im ersten Lauf habe ich richtig ausgekostet – besonders hier in Ernée vor diesem fantastischen Publikum.“
Es war zugleich sein letzter Rennauftritt für Kawasaki. Febvre lieferte zum Abschied zwei starke Ergebnisse, doch für die Mannschaft blieb nur Rang zehn mit 90 Punkten.
Drei Fahrer, drei Stürze – da liegt der Gedanke nahe, dass Frankreich vor eigenem Publikum zu viel wollte. Nach Valins Ausfall durfte sich die Mannschaft kaum noch etwas erlauben. Ausgerechnet dann folgte Vialles Abflug.
Aber Febvre zeigte vor derselben Kulisse auch, wie gut dieser Sonntag hätte werden können. Die Zuschauer allein taugen deshalb kaum als Erklärung. Valin räumte seinen Fehler ein, Vialle verwies auf Pech. Ob der Wunsch nach dem Heimsieg an der einen oder anderen Stelle die letzte Reserve kostete, bleibt offen.
Bitter genug ist die Bilanz auch ohne diese Antwort: Frankreich konnte in Ernée Rennen gewinnen. Die Mannschaft brachte den Sonntag trotzdem nicht zusammen.
