MXoN 2026: Ernée ist bereit für das größte Rennen des Jahres

Pressekonferenz des Motocross of Nations (MXON) in Ernée 2026

Pressekonferenz des Motocross of Nations (MXON) in Ernée 2026

Noch ist Ernée nicht das Tollhaus, das viele vom Motocross of Nations 2023 in Erinnerung haben. Die Strecke ist vorbereitet, auf den Zuschauerhängen ist noch reichlich Platz und im Fahrerlager laufen die letzten Vorbereitungen. Das dürfte sich ziemlich schnell ändern. 32 Nationen sind angereist, 1.300 freiwillige Helfer stehen bereit und David Luongo macht schon vor dem ersten Training klar, warum das MXoN für ihn mit einem normalen Grand Prix nur wenig gemeinsam hat.

19 Grands Prix liegen hinter dem MXGP-Tross. Die Saison begann in Argentinien, endete vor zwei Wochen in Australien und führte zwischendurch auch zurück nach Foxhill und Montevarchi. Nun kommt das Rennen, bei dem die Ergebnisse der vergangenen Monate plötzlich kaum noch eine Rolle spielen. 

„Das Motocross of Nations ist immer ein Fest für die gesamte Motocross-Gemeinschaft“, sagt Luongo.

Für den Infront-Chef ist Ernée dabei kein beliebiger Austragungsort. Er erinnert an 2005, als das MXoN mit einem stark besetzten US-Team nach Frankreich kam. Gleichzeitig bildet die diesjährige Veranstaltung den Abschluss der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen der Zusammenarbeit mit der FIM bei der Promotion der Motocross-Weltmeisterschaft.

Die Historie ist das eine. Interessanter ist allerdings, was Luongo über das Rennen selbst sagt.

Luongo: Planen kann man beim Nations viel

Favoriten gibt es auch 2026 reichlich. Auf dem Papier lassen sich Fahrergebnisse vergleichen, Klassen gegeneinander aufrechnen und mögliche Sieger bestimmen. Luongo hält davon zumindest für dieses Wochenende nicht besonders viel. „Man kann vorher so viele Pläne machen, wie man will. Dieses Rennen bleibt bis zum letzten Lauf offen.“

Wer das Nations regelmäßig verfolgt, weiß, was er meint. Ein schlechter Start kann plötzlich wichtiger werden als die Form der vergangenen Wochen. Dazu kommen Stürze, Defekte und das Streichergebnis. Drei starke Namen auf einer Meldeliste sind deshalb noch lange keine Garantie für die Chamberlain Trophy.

Sportlich fehlt es Ernée jedenfalls nicht an Qualität. Luongo verweist auf die amtierenden Weltmeister aus MXGP und MX2 sowie die frisch gekürten Champions aus der US-Szene. Verletzungen haben zwar auch diesmal einige Mannschaften getroffen, am grundsätzlichen Niveau des Feldes ändert das aus seiner Sicht wenig.

Für ihn ist das MXoN deshalb der passende letzte Tanz einer langen Saison.

Antonio Alia Portela bekommt schon beim leeren Ernée Gänsehaut

FIM-Vertreter Antonio Alia Portela braucht dafür noch nicht einmal volle Zuschauerhänge. Er hatte sich die Strecke bereits am Mittwoch von oberhalb der Tribüne angesehen. Zu diesem Zeitpunkt war von der späteren Kulisse naturgemäß noch nicht viel zu sehen. Gerade dieser Kontrast scheint bei ihm einiges ausgelöst zu haben.

Alia Portela beschreibt, wie er auf die noch leeren Bereiche blickte und sich bereits vorstellen konnte, wie die Fans dort stehen werden und die Stimmen der Streckensprecher über das Gelände hallen.

„Die Erinnerungen an frühere Veranstaltungen hier in Ernée kommen sofort zurück. Allein wenn ich daran denke, bekomme ich schon Gänsehaut.“

Auch aus Sicht der FIM ist die Zahl der Teilnehmer ein wichtiger Punkt. 32 Nationen sind vertreten. Für Alia Portela zeigt das, welchen Stellenwert das MXoN noch immer besitzt. Fahrer und Verbände arbeiten über die Saison darauf hin, am Ende des Jahres mit ihren stärksten Mannschaften beim Nations zu stehen.

Die Strecke selbst ist aus seiner Sicht bereit. Über Monate konnte man verfolgen, wie der Moto Club Ernée das Gelände vorbereitet hat. Nun fehlt eigentlich nur noch das, wofür die ganze Arbeit gemacht wurde: Motorräder, Starts und Rennen.

Ohne 1.300 Helfer geht hier gar nichts

Während Luongo über die Bedeutung des Rennens spricht und Alia Portela bereits die Atmosphäre des Wochenendes vor Augen hat, liefert Moto-Club-Präsident Philippe Lecomte eine Zahl, die einen anderen Blick auf Ernée ermöglicht.

1.300 freiwillige Helfer sind für die Veranstaltung im Einsatz. Das ist schon eine kleine Stadt, die hier mithilft.

Lecomte bedankt sich entsprechend nicht nur bei FIM, FFM und Infront, sondern auch bei den lokalen Behörden, der Stadt und dem Département Mayenne. Denn ein MXoN dieser Größenordnung endet wirtschaftlich nicht am Eingang des Fahrerlagers.

Hotels, Gastronomie und die gesamte Umgebung bekommen den Besucheransturm zu spüren. Lecomte spricht deshalb von einem wichtigen wirtschaftlichen Effekt für die Region.

Für den Club selbst hängt die Messlatte allerdings nicht nur an Zahlen. 2023 sitzt noch tief. „2023 ist noch immer in unseren Erinnerungen. Wir hoffen, dieselben Emotionen noch einmal erleben zu können.“  Zumindest das Wetter spielt offenbar mit. Luongo weist darauf hin, dass Ernée bei seinen bisherigen MXoN-Ausgaben erstaunlich oft Glück mit der Sonne hatte. Auch für dieses Wochenende sehen die Bedingungen gut aus. 

Ob daraus wieder ein Wochenende wie 2023 wird, lässt sich am Donnerstag noch nicht sagen. Genau genommen passt das aber ziemlich gut zu Luongos Beschreibung dieses Rennens.

Beim Motocross of Nations kann vorher jeder rechnen, vergleichen und Favoriten bestimmen. Entscheidend wird erst, was passiert, wenn am Sonntag in Ernée das Gatter fällt.