MXGP Kalenderupdate. Spanien bekommt zweiten Grand Prix

Infront Moto Racing President & CEO David Luongo, Seventy 6 Motion CEO Juan Cabral, FIM:CMS Director Antonio Alia Portela

Infront Moto Racing President & CEO David Luongo, Seventy 6 Motion CEO Juan Cabral, FIM:CMS Director Antonio Alia Portela. / Foto: IMR

Spanien wird ab 2027 zu einem der Länder mit zwei festen MXGP-Terminen. Hinter beiden Rennen steht derselbe Veranstalter – und genau das macht die Bekanntgabe von Mérida interessanter als einen einfachen neuen Punkt im WM-Kalender. Seventy 6 Motion organisiert künftig sowohl den MXGP of Spain als auch den MXGP of Andalucia. Und das nicht nur für eine Saison. Beide Veranstaltungen sind bis Ende 2029 vereinbart.

Am 17. und 18. April 2027 fährt die Motocross-Weltmeisterschaft erstmals in Mérida. Neben MXGP und MX2 gehören EMX250 und EMX125 zum Programm.

Für Infront Moto Racing steckt dahinter eine längerfristige Strategie. Statt zwei spanische Grands Prix mit unterschiedlichen Partnern aufzubauen, liegen beide Veranstaltungen in einer Hand. Seventy 6 Motion soll damit über drei Jahre für Kontinuität sorgen.

Dass Infront diesen Weg einschlägt, kommt nicht aus dem Nichts. Der Veranstalter richtete 2026 bereits den MXGP of Andalucia in Almonte aus. David Luongo bezeichnete diesen Grand Prix als einen der zuschauerstärksten der Saison.

Vor einigen Jahren sah die Situation noch ganz anders aus.

Luongo erinnert an schwierigere Zeiten

„Vor nicht allzu langer Zeit war es schwierig, Rennen in Spanien auszutragen“, sagt Luongo. Dass nun sogar ein zweiter Grand Prix hinzukommt, führt der Infront-Chef auch auf die Arbeit des spanischen Verbandes und der dortigen Motocross-Szene zurück.

Sportlich passt der Zeitpunkt ebenfalls. Guillem Farres wurde 2026 MX2-Weltmeister, Daniela Guillen holte den WMX-Titel und auch in der EMX ging ein Titel nach Spanien.

Luongo macht keinen Hehl daraus, dass Infront diesen Rückenwind nutzen will. „Als Promoter ist es wichtig, den spanischen Markt weiterzuentwickeln. Ich bin mir sicher, dass sich jeder spanische Fahrer über ein zweites Heimrennen freut.“

Zwei Grands Prix bedeuten allerdings auch zweimal die Arbeit, zweimal die Kosten und zweimal die Aufgabe, genügend Zuschauer an die Strecke zu bekommen. Ein erfolgreicher Grand Prix in Almonte ist deshalb noch keine Garantie dafür, dass dasselbe Konzept an zwei Standorten funktioniert.

Seventy 6 Motion bekommt nun drei Jahre Zeit, genau das zu beweisen.

Antonio Alia Portela nimmt es mit Humor

FIM/CMS-Direktor Antonio Alia Portela bringt die Dimension der Aufgabe etwas weniger förmlich auf den Punkt. „Einen MXGP zu organisieren, ist schon verrückt genug – und diese Leute werden zwei davon in Spanien veranstalten.“

Ganz als Scherz ist das nicht gemeint. Alia Portela hat erlebt, was Seventy 6 Motion in Almonte auf die Beine gestellt hat. Der Austragungsort lag in einer ökologisch besonders sensiblen Region, trotzdem spricht er von einer unerwartet erfolgreichen Veranstaltung.

Mit Mérida folgt nun eine völlig andere Aufgabe.

Die Stadt wurde 25 v. Chr. als Augusta Emerita gegründet und gehörte zu den wichtigsten römischen Zentren auf der Iberischen Halbinsel. Römisches Theater, Amphitheater, Circus, Diana-Tempel und die römische Brücke gehören heute zum UNESCO-Welterbe.

Normalerweise besteht die Umgebung eines MXGP aus Fahrerlager, Strecke und vielleicht noch dem nächsten Ort. In Mérida bekommt das Wochenende einen etwas anderen Rahmen. „Für die Besucher gibt es nicht nur Motocross, sondern auch eine spektakuläre Stadt zu entdecken“, sagt Alia Portela.

Portugal liegt praktisch nebenan

Auch die Wahl der Region dürfte kaum zufällig sein. Mérida liegt in der Extremadura und damit deutlich näher an Portugal als viele bisherige spanische MXGP-Schauplätze. Die Stadt befindet sich an den Verkehrsachsen zwischen Madrid und Lissabon sowie zwischen Sevilla und dem Norden Spaniens.

Der Flughafen Badajoz liegt rund 50 Kilometer entfernt, dazu kommen Sevilla und Lissabon als größere internationale Anlaufpunkte. Damit zielt der neue Grand Prix nicht ausschließlich auf spanische Fans. Für portugiesische Zuschauer wird Mérida ebenfalls interessant.

Seventy 6 Motion will das Rennen entsprechend größer denken. Juan Cabral spricht von sportlichen, touristischen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf die gesamte Region. Gleichzeitig soll der Grand Prix eine eigene Identität entwickeln und sich dauerhaft im Kalender festsetzen.

Das übliche Veranstalter-Vokabular könnte man einfach beiseitewischen. Der Dreijahresvertrag macht die Sache allerdings konkreter. Hier wird nicht ausprobiert, ob ein einmaliger Grand Prix vielleicht funktioniert. Mérida und Andalucia sind zunächst bis einschließlich 2029 eingeplant.

Für Spanien ist das ein ziemlich deutlicher Schritt. Noch vor wenigen Jahren beschreibt Luongo die Suche nach geeigneten Veranstaltungen als schwierig. Ab 2027 vertraut Infront demselben Organisator gleich zwei Grands Prix pro Saison an.

Ob der spanische Markt tatsächlich groß genug ist, um beide Rennen dauerhaft zu tragen, wird deshalb mindestens genauso interessant wie die neue Strecke in Mérida. Am 17. und 18. April bekommt Seventy 6 Motion die erste Gelegenheit, darauf eine Antwort zu geben.

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