McLellan holt auf Triumph ersten Grand-Prix-Sieg

Camden McLellan und das Triumph Team feiern in Almonte ihrern ersten Grand Prix Sieg

Camden McLellan und das Triumph Team feiern in Almonte ihrern ersten Grand Prix Sieg. / Foto: Ray Archer

Der MXGP of Andalucía in Almonte war für Triumph mehr als nur ein starkes Wochenende. Er war ein Durchbruch. Mit Camden McLellan feierte die britische Marke ihren ersten Grand-Prix-Sieg in der MX2-Klasse – und das nicht über Zufall, Chaos oder ein spätes Geschenk, sondern über zwei kontrollierte, starke Läufe auf einer Strecke, die Fehler sofort bestraft hat.

Almonte war rau, tief, selektiv. Genau die Art Grand Prix, bei der sich schnell zeigt, ob ein Paket wirklich funktioniert. Triumph hat diese Antwort geliefert.

McLellan bringt es diesmal zu Ende

Dass McLellan das Tempo für ganz vorne hat, war keine neue Erkenntnis. Neu war diesmal, dass alles zusammenpasste.

Schon nach dem Rennen machte der Südafrikaner klar, wie viel ihm dieser Erfolg bedeutet: „Es fühlt sich natürlich richtig gut an. Das Red Plate ist da noch ein Bonus. Es war ein besonderes Wochenende für mich. Darauf habe ich lange hingearbeitet.“

Genau so wirkte sein Auftritt auch auf der Strecke. Im ersten Lauf musste er bis zur letzten Kurve pushen, im zweiten fuhr er deutlich kontrollierter. Gerade das macht diesen Sieg interessant. McLellan war nicht nur schnell, sondern auch in der Lage, das Rennen zu lesen.

„Der zweite Lauf war deutlich kontrollierter als der erste“, erklärte er. „Im ersten Lauf war es etwas chaotischer. Im zweiten war ich hinter Valerio und Sacha, und ich war ziemlich entspannt dort. Auf der Strecke und bei den Bedingungen musstest du auf den richtigen Moment warten.“

Das war in Almonte entscheidend. Die Strecke bot nicht überall Überholmöglichkeiten. Vieles lief über Geduld, Timing und das Verständnis dafür, wo man überhaupt noch etwas erzwingen konnte.

McLellan wartete – und schlug dann zu.

„Ich habe auf den richtigen Moment gewartet, Valerio aggressiv, aber gut überholt und dann Sacha gejagt. In den Wellen konnte ich den Unterschied machen. Dort war eine der wenigen Stellen, an denen du wirklich etwas anders machen konntest.“

Kein Overall ohne Laufsieg

Auffällig war auch, wie klar McLellan die Situation selbst eingeordnet hat. Der Gesamtsieg allein hätte ihm nicht gereicht.

„Ich habe darüber nachgedacht, weil Guillem den ersten Lauf gewonnen hatte. Da dachte ich mir: Mit 2-2 kannst du den Overall holen. Aber ich wollte meinen ersten Grand-Prix-Sieg nicht ohne Laufsieg holen.“

Auch das passt zum Eindruck des Wochenendes. McLellan wirkte nicht wie ein Fahrer, der bloß Schadensbegrenzung betreibt oder Punkte verwaltet. Er wollte das Ding komplett gewinnen. Und genau das hat er getan.

Dass dabei fast bis zum Ende alles kalkuliert wirkte, sprach er selbst an: „Ich habe alles durchdacht, es war kein Risiko dabei. Alles war ziemlich berechnet.“ Nur auf der letzten Runde wurde es kurz eng, als er fast mit einem Überrundeten kollidierte. Ansonsten lief das Rennen „nicht leicht, aber nach Plan“.

Triumph bekommt die Bestätigung

Für Triumph ist dieser Erfolg von besonderer Bedeutung, weil er auf einer Grand-Prix-Strecke unter echten Rennbedingungen entstanden ist. Kein Einzelmoment, keine Ausnahmesituation – sondern ein Wochenende, an dem das Gesamtpaket funktioniert hat.

McLellan hatte bereits im Winter das Gefühl, dass die Basis stimmt. Viel Testarbeit, ein klares Programm, dazu intensive Vorbereitung abseits des Motorrads. Und obwohl das Team vor Saisonbeginn kein Vorbereitungsrennen absolvieren konnte, fehlte ihm das Vertrauen nicht.

Das zahlte sich nun aus.

Der erste GP-Sieg für McLellan ist deshalb auch der erste echte Triumph-Moment dieser Größenordnung in der MX2-Weltmeisterschaft. Und er kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Marke sichtbar beginnt, sich im vorderen Bereich festzusetzen.

Längenfelder bleibt realistisch

Hinter McLellan zeigte Simon Längenfelder das er im Titelkampf weiter ein zentraler Faktor bleibt. Der Deutsche fuhr ein ruhiges, diszipliniertes Wochenende und machte sehr deutlich, dass in Almonte nicht mehr drin war.

„Ich habe mich gut gefühlt, aber nicht perfekt. Gegen Camden zu gewinnen, war heute keine Chance. Er war stärker, schneller, und ich bin kein großes Risiko eingegangen.“

Das ist eine ehrliche und gleichzeitig wichtige Aussage. Längenfelder wusste, dass es an diesem Wochenende nicht um heroische Angriffe, sondern um Schadensbegrenzung auf hohem Niveau ging. Platz zwei overall mit 3-3 ist auf so einer Strecke ein Ergebnis, das in einer Meisterschaft enorm wertvoll sein kann.

„3-3 ist nicht so schlecht, gute Meisterschaftspunkte auf jeden Fall“, sagte er. Und genau an diesem Punkt zeigt sich seine Erfahrung: „Manchmal musst du die Situation akzeptieren.“

Längenfelder fuhr nicht das Wochenende eines Siegers – aber das eines Titelkandidaten.

Coenen schnell, aber nicht komplett genug

Sacha Coenen wiederum erlebte ein Wochenende mit zwei Gesichtern. Im ersten Lauf lief früh vieles gegen ihn, im zweiten sah das deutlich besser aus. Tempo war da, Starts auch, aber die letzte Konstanz fehlte erneut.

„Ich hatte im ersten Lauf von der ersten Runde an viele Dinge, die nicht geplant waren, und es hat sich überhaupt nicht gut angefühlt“, erklärte Coenen. Nach einem Fehler und Problemen, wieder in den Rhythmus zu kommen, war das Ergebnis früh beschädigt.

Im zweiten Lauf konnte er dagegen wieder das zeigen, was ihn so gefährlich macht. Guter Start, lange Führung, solides Rennen. Dass es am Ende nur Platz zwei im Lauf wurde, führte er auch auf seine körperlichen Voraussetzungen auf dieser speziellen Strecke zurück: „In den Wellen war es schwierig für mich, weil ich ziemlich klein bin. Ich konnte nicht viel Druck aufs Motorrad bringen und habe beim Reinfahren einen Fehler gemacht.“

Auch seine Kernaussage danach war klar: „Ich muss auf jeden Fall konstanter werden. Und versuchen, in den Rennen weniger Fehler zu machen.“

Genau das ist derzeit das Thema bei Coenen. Die Geschwindigkeit für ganz vorne steht außer Frage. Aber auf Grand-Prix-Niveau reicht Speed allein nicht.

Almonte als Fingerzeig

Der MXGP of Andalucía war damit in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich. Vorne holte sich McLellan nicht nur seinen ersten GP-Sieg, sondern bescherte auch Triumph einen Sieg, der über das reine Resultat hinausgeht. Dahinter sammelte Längenfelder wichtige Punkte, ohne sich in etwas zu verrennen. Und Coenen zeigte einmal mehr, wie hoch sein Potenzial ist – aber auch, wo die offene Baustelle liegt.

Für McLellan bleibt vor allem eines hängen: ein Sieg, auf den er lange gewartet hat.

Und für Triumph? Der Beweis, dass man in der MX2 nicht mehr nur mitfährt, sondern angekommen ist.