Die Gewinner und Verlierer des MXGP of Andalucia 2026

Jeremy Seewer steck in einem Formtief fest

Jeremy Seewer steck in einem Formtief fest. / Foto: Ray Archer

Der zweite Grand Prix der Saison 2026 in Almonte hat das Kräfteverhältnis in der MX2-Weltmeisterschaft spürbar verschoben. Was sich in Argentinien bereits angedeutet hatte, wurde in Spanien zur Gewissheit: Triumph ist endgültig in der Weltspitze angekommen – und diktiert aktuell das Tempo.

Während einige Fahrer diesen Schritt mitgehen konnten, wurden andere bereits früh in der Saison auf den Boden der Realität zurückgeholt.

Gewinner

Triumph – Vom Herausforderer zum Taktgeber

Zwei Grand Prix, mehrere Laufsiege und Platz 2 in der Konstrukteurswertung – die Bilanz von Triumph liest sich nach Almonte wie die eines etablierten Top-Teams. Die britische Marke hat aktuell eines der stärksten Fahrerduos der MX2-Klasse. Entscheidend ist jedoch das Gesamtpaket: Die TF 250-X wirkt 2026 deutlich ausgereifter, vor allem in den Bereichen Starts, Traktion und Rennpace.

In Almonte war das besonders sichtbar. Triumph bestimmte das Geschehen – nicht punktuell, sondern über das gesamte Wochenende hinweg.

Camden McLellan (MX2) – Der Durchbruch ist da

Im Zentrum dieses Triumph-Aufschwungs steht Camden McLellan. Der Südafrikaner hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert – doch in Almonte hat er endgültig den nächsten Schritt gemacht. Mit seinem ersten Grand-Prix-Gesamtsieg ist er in der absoluten Weltspitze angekommen.

Auffällig war dabei seine Reife im Rennen. McLellan wirkte kontrolliert, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und nutzte seine Chancen konsequent. Genau diese Mischung fehlte ihm in der Vergangenheit oft.

Jetzt ist er nicht mehr nur ein Talent – sondern ein ernsthafter Titelkandidat.

Tim Gajser (MXGP) – Zurück in der Spitzengruppe

Auch Tim Gajser gehört zu den klaren Gewinnern des Wochenendes. Nach dem Wechsel und einer Phase der Neuorientierung zeigt der Slowene nun, dass er wieder auf dem Weg zurück in die absolute Spitze ist. Mit Platz 6 im ersten Lauf und Rang 3 im zweiten sicherte sich der 29-Jährige Platz 3 im Gesamtklassement des Grand Prix in Almonte.

Dabei ging es weniger um einzelne Momente als um die Gesamtperformance. Gajser wirkte stabil, kontrolliert und vor allem wieder konkurrenzfähig gegenüber der Spitze. Das Ergebnis: ein verdienter Podiumsplatz – und ein wichtiges Signal in der Meisterschaft.

Janis Reisulis (MX2) – Rookie mit Ansage

Der erst 17-jährige Lette, der in wenigen Tagen volljährig wird, bestätigte in Almonte erneut seine starke Form. Besonders bemerkenswert: Er setzte sich erneut vor seinem Bruder durch und war damit bester Yamaha-Pilot der MX2-Klasse.

Für einen Rookie ist das ein klares Signal. Reisulis fährt nicht nur mit – er etabliert sich bereits im direkten Vergleich mit erfahrenen Fahrern. Seine Entwicklung gehört zu den spannendsten Geschichten dieser frühen Saisonphase.

Lucas Coenen (MXGP) – Die perfekte Antwort

Noch vor einer Woche stand Lucas Coenen im Fokus – allerdings aus kritischer Perspektive. Sein Start in Argentinien trotz Sehproblemen warf berechtigte Fragen auf. In Almonte lieferte der Belgier nun die sportliche Antwort. Mit einem dominanten 1-1-Ergebnis sicherte sich der 19-Jährige den Gesamtsieg und zeigte eindrucksvoll, warum er seine Rookie-Saison 2025 auf Rang drei der Gesamtwertung beendete.

Auf dem sandigen Kurs diktierte Coenen das Renngeschehen nahezu nach Belieben. Seine Linienwahl, seine Kontrolle im Rhythmus und vor allem seine Konstanz über beide Läufe hinweg machten ihn zum klar stärksten Fahrer des Wochenendes.

Nach Argentinien wurde diskutiert – nach Almonte zieht man den Hut.

Calvin Vlaanderen (MXGP) – Ducati zeigt erstmals echtes Potenzial

Auch Calvin Vlaanderen gehört zu den positiven Überraschungen des Wochenendes. Zwar lässt Platz 18 im ersten Lauf zunächst nichts Gutes vermuten, doch der zweite Lauf zeichnete ein komplett anderes Bild. Mit Rang 5 brachte der Niederländer die Desmo450 MX in Schlagdistanz zum Podium.

Genau dieser Kontrast macht seine Leistung so interessant: Trotz eines schwierigen ersten Rennens zeigte Vlaanderen, welches Potenzial im Paket steckt. Seine Performance ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Ducati funktioniert – zumindest unter den Bedingungen, die ihm liegen.

Verlierer

Guillem Farres (MX2) – Zwischen Jubel und Frust

Für Guillem Farres hätte der Heim-Grand-Prix kaum besser beginnen können. Der Spanier gewann den ersten Lauf und hatte die perfekte Ausgangsposition für ein Top-Ergebnis. Die Pace stimmte, das Publikum stand hinter ihm – alles sprach für ein Wochenende in der Kategorie „Gewinner“.

Doch dann folgte der Bruch. Ein technischer Defekt direkt beim Start des zweiten Laufs, der den Besuch der Box notwendig machte, machte alle Hoffnungen zunichte. In einer so engen Meisterschaft ist so etwas schmerzhaft – vor allem, wenn ein Sieg bereits auf dem Konto steht.

Gerade deshalb fällt Farres in die Kategorie der Verlierer. Nicht wegen fehlender Leistung, sondern weil ein starkes Wochenende nicht in ein entsprechendes Ergebnis umgewandelt werden konnte.

Jan Pancar (MXGP) – Vom Nations-Hero zum Statisten

Auch Jan Pancar gehört zu den klaren Verlierern dieses Wochenendes. Der Slowene hatte sich im vergangenen Jahr beim Motocross of Nations mit einer überragenden Leistung ins Rampenlicht gefahren. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an seine Saison 2026.

Doch in Almonte war davon wenig zu sehen. Bereits im Qualifikationsrennen kam Pancar nicht über Rang 21 hinaus. In den Wertungsläufen setzte sich das Bild fort: Ein Ausfall im ersten Lauf und Platz 20 im zweiten sprechen eine deutliche Sprache. Pancar war nicht mittendrin, sondern nur dabei – und das ist für einen Fahrer mit seinem Potenzial zu wenig. Der Abstand zur Spitze wirkt aktuell größer den je.

Jeremy Seewer (MXGP) – Ein Formtief ohne Ende

Auch Jeremy Seewer taucht erneut in der Liste der Verlierer auf – und das ist mittlerweile kein Zufall mehr. Der Schweizer befindet sich seit geraumer Zeit in einem Formtief, das sich nun bereits über fast ein Jahr zieht. In Almonte setzte sich dieser Trend fort. Ein Fahrer, der fünfmal Vizeweltmeister wurde und über Jahre zur absoluten Weltspitze gehörte, findet aktuell keinen Weg zurück in die Top 5.

Und genau das wirft Fragen auf. Denn eines scheint klar: Das Fahren hat Seewer nicht verlernt. Die technische Basis, das Rennverständnis und die Erfahrung sind weiterhin vorhanden. Doch aktuell gelingt es ihm nicht, diese Faktoren in Ergebnisse umzusetzen.

Ob es am Material, am Umfeld oder an mentalen Faktoren liegt, lässt sich von außen nur schwer beurteilen. Fakt ist jedoch: Ein Fahrer seines Kalibers wird an anderen Maßstäben gemessen – und genau diese erfüllt er derzeit nicht.

Almonte verschiebt die Kräfteverhältnisse

Der MXGP of Andalucia hat das Bild der Saison weiter geschärft. Triumph ist plötzlich Taktgeber in der MX2, Lucas Coenen (MXGP) und Camden McLellan (MX2) setzen sportliche Highlights, während Tim Gajser (MXGP) zurück auf dem Podium ist.

Gleichzeitig geraten Fahrer wie Jan Pancar und Jeremy Seewer zunehmend unter Druck. Nach zwei Rennen ist klar: Die Saison 2026 ist offen, dynamisch – und bereits jetzt deutlich intensiver, als viele erwartet hatten.