Keine Pause für Herlings: Während MXGP stillsteht, sammelt er weiter Siege
Jeffrey Herlings kennt keine Ruhepause und war auch am vergangenen Wochenende wieder Rennen fahren
Fünf Wochen Pause im MXGP-Kalender. Für viele Fahrer ist das die Phase, in der der Rhythmus bewusst runtergefahren wird. Regeneration, Training, vielleicht ein gezielter Test – aber vor allem: Abstand vom Rennmodus. Nicht für Jeffrey Herlings.
Der Niederländer nutzt die freie Zeit anders. Kein Stillstand, kein Zurücklehnen. Stattdessen steht er plötzlich in Frankreich am Start – beim 24MX Tour in Romagné. Kein WM-Lauf, kein Pflichttermin. Und trotzdem genau das Umfeld, in dem sich zeigt, wie ein Fahrer tickt, der seit Jahren am Limit operiert.
Ein Gaststarter, der das Tempo vorgibt
Schon im ersten Lauf wird schnell klar, wie sich Herlings diesem Wochenende nähert. Kein vorsichtiges Abtasten, kein „reinkommen“. Vom Start weg übernimmt er die Kontrolle, setzt sich an die Spitze und beginnt früh, das Rennen zu strukturieren.
Die Anfangsphase bleibt noch eng. Maxime Desprey hält dagegen, bleibt in Schlagdistanz, versucht, das Tempo mitzugehen. Doch ab Rennmitte verschiebt sich das Bild. Herlings erhöht das Niveau, zieht das Tempo an – und löst sich.
Der Vorsprung wächst konstant. Am Ende sind es klare Verhältnisse. Was auffällt: Es wirkt nicht wie ein Fahrer, der gerade aus einer Rennpause kommt. Es wirkt wie jemand, der im Rhythmus bleibt, egal was der Kalender vorgibt.
Rennen zwei: Kontrolle statt Risiko
Im zweiten Lauf wiederholt sich das Muster – mit noch klareren Linien. Herlings kommt erneut gut aus dem Gatter, übernimmt früh die Führung und setzt ein Tempo, das sich eher an MXGP als an nationale Rennen anlehnt. Dahinter entwickelt sich das Rennen. Kevin Horgmo und Thibault Bénistant liefern sich ein internes Duell um Platz zwei, während Brice Maylin lange dagegenhält. Positionskämpfe, kleine Fehler, Tempo-Wechsel – alles da.
Nur vorne passiert wenig.
Herlings fährt sein Rennen. Sauber, kontrolliert, ohne unnötiges Risiko. Genau das ist vielleicht der größte Unterschied: Er muss nichts beweisen, aber er nutzt jede Runde. Am Ende steht ein souveränes 1-1 – und damit der Gesamtsieg.
Warum fährt Herlings überhaupt?
Die eigentliche Frage stellt sich danach. Warum stellt sich ein mehrfacher Weltmeister in eine nationale Serie, mitten in einer WM-Pause? Die Antwort liegt weniger im Ergebnis als im Ansatz.
Für Herlings ist Rennpraxis kein Risiko, sondern ein Werkzeug. Während andere versuchen, Form im Training zu konservieren, hält er sie im Wettbewerb stabil. Starts, Zweikämpfe, Rennfluss – Dinge, die sich im Training nur bedingt simulieren lassen.
Gerade in einer Phase ohne MXGP-Rennen entsteht so ein Vorteil: Der Körper bleibt im Modus, der Kopf im Wettkampf.
Rhythmus statt Reset
Viele Fahrer nutzen Pausen, um neu anzusetzen. Herlings dagegen wirkt eher wie jemand, der den Faden gar nicht erst loslässt. Das birgt natürlich auch Risiken. Zusätzliche Rennen bedeuten zusätzliche Belastung, zusätzliche Sturzgefahr, weniger echte Erholung. Gerade bei einem Fahrer mit seiner Verletzungshistorie ist das kein nebensächlicher Punkt.
Aber gleichzeitig passt es zu seinem Profil.
Herlings war nie ein Fahrer, der über Kontrolle allein funktioniert. Sein Stil basiert auf Volumen, auf Intensität, auf Wiederholung. Rennen sind für ihn nicht der Ausnahmezustand – sie sind der Normalzustand.
Ein Signal Richtung MXGP
Der Auftritt in Romagné ist deshalb mehr als nur ein Gaststart. Er ist ein Hinweis darauf, in welchem Zustand sich Herlings aktuell befindet. Fit genug, um ohne Vorbereitung auf höchstem Niveau zu fahren. Schnell genug, um ein Feld zu kontrollieren. Und vor allem: bereit, den Rhythmus hochzuhalten, während andere pausieren.
Was das für die zweite Saisonhälfte bedeutet, lässt sich jetzt noch nicht abschließend sagen. Aber eines wird klar: Wenn die MXGP-Serie wieder startet, kommt Herlings nicht aus einer Pause zurück. Er kommt aus dem Rennbetrieb.
Stillstand ist keine Option
Während viele Fahrer die fünf Wochen nutzen, um Abstand zu gewinnen, macht Herlings das Gegenteil. Er bleibt drin, hält das Tempo hoch und sammelt weiter Rennkilometer.
Das ist nicht spektakulär im klassischen Sinne. Keine große Ankündigung, kein strategisches Statement. Aber es ist konsequent. Und genau das macht den Unterschied.
