Jean Visser – Kove Factory Team: „Ich bin bereit, Zweifler vom Gegenteil zu überzeugen“

Jean Visser bei ersten Testfahrten auf der Kove MX250 R des neuen Kove Factory Team

Jean Visser bei ersten Testfahrten auf der Kove MX250 R des neuen Kove Factory Team. / Foto: Tom Steensels

Der Einstieg von Kove in den Motocross-Rennsport nimmt langsam Form an. Während im Hintergrund Strukturen aufgebaut und erste Schritte vorbereitet werden, hat mit Jean Visser einer der beiden Fahrer bereits die ersten Testkilometer absolviert. Im Gespräch gibt der Südafrikaner Einblicke in die Anfangsphase – und macht deutlich, worauf es jetzt ankommt.

„Vom ersten Moment an ein gutes Gefühl“

Warum er sich für ein Projekt entschieden hat, das noch ganz am Anfang steht, beantwortet Visser ohne Zögern. „Kove hat den Motorsport stark geprägt und bei der Rallye Dakar mit allen Fahrern ein hervorragendes Ergebnis erzielt“, erklärt er. Für ihn sei genau das der Reiz: „Ich habe eine Leidenschaft für solche Projekte und bin bereit, meine gesamte Zeit darin zu investieren.“

Entscheidend sei aber auch das Umfeld gewesen. „Das Team hat mich vom ersten Moment an, als ich die Werkstatt betreten habe, willkommen geheißen – das macht dieses Projekt schon jetzt besonders.“ Visser sieht seine Rolle dabei klar: „Ich bin bereit, hart zu arbeiten, Zweifler vom Gegenteil zu überzeugen und zu zeigen, was in der Kove steckt.“

Erste Tests liefern wichtige Grundlagen

Die ersten Eindrücke auf dem Motorrad sammelte Visser am vergangenen Wochenende. Viel Zeit war es noch nicht – aber ausreichend, um ein erstes Gefühl zu entwickeln. „Unser erster Test am Sonntag lief sehr gut. Wir haben die Informationen bekommen, die wir gebraucht haben, und gesehen, welches Potenzial im Motorrad steckt.“

Auffällig ist dabei, wie schnell er sich auf das neue Umfeld einstellen konnte. „Vom ersten Moment auf dem Bike habe ich mich wohlgefühlt. Es fährt sich sehr gut und bringt viele positive Eigenschaften mit, die ich gesucht habe.“ Gleichzeitig bleibt klar: Es geht jetzt vor allem darum, Zeit zu sammeln. „Ich freue mich darauf, noch mehr Stunden auf dem Bike zu verbringen.“

Aufbauarbeit statt fertiger Strukturen

Dass sich das Projekt noch in einer sehr frühen Phase befindet, wird im Gespräch immer wieder deutlich. Vieles ist bereits angelegt, aber längst nicht abgeschlossen. „Wir hatten bisher erst einen Tag auf dem Motorrad, also noch nicht viel Zeit. Aber Tom (Tom Steensels) hat bereits eine sehr gute Struktur aufgebaut und hat das im Griff“, sagt Visser. „Er arbeitet intensiv daran, gemeinsam mit dem Team alles weiter aufzubauen.“

Der Alltag spiegelt genau diese Phase wider. „Im Moment geht es vor allem darum, Runden zu drehen und Zeit auf dem Bike zu sammeln“, beschreibt er die aktuellen Testtage. Gleichzeitig geht es auch darum, sich als Team zu finden: „Ich arbeite dabei mit der Crew und den Leuten im Team zusammen.“

Direkter Draht zum Werk – aber noch nicht für jeden

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die enge Anbindung an das Werk in China. Für Visser selbst spielt das aktuell aber noch eine untergeordnete Rolle. „Persönlich habe ich bisher noch keinen direkten Kontakt mit den Leuten aus China gehabt, aber Tom kümmert sich darum und steht mit ihnen im Austausch.“

Im Vordergrund steht für ihn zunächst die Arbeit auf und neben der Strecke – und das Verständnis für das Gesamtpaket.

Potenzial bestätigt – Entwicklung im Fokus

Die ersten Tests haben vor allem eines geliefert: Bestätigung. „Das Bike hat viel Potenzial und passt gut zu meinem Fahrstil“, so Visser. „Die Basis ist gut und ich freue mich darauf, was wir daraus machen können.“

Genau darauf liegt auch der Fokus für die kommenden Monate. „Es geht darum, eine gute Grundlage zu schaffen, ein Setup zu finden, das auf verschiedenen Strecken und Bedingungen funktioniert, und Schritt für Schritt in Richtung unserer Ziele zu arbeiten.“

Teamgefühl als Schlüssel

Was ihm aus den ersten Tagen besonders in Erinnerung geblieben ist, hat weniger mit Technik zu tun als mit dem Umfeld. „Vor allem die Zusammenarbeit mit den tollen Leuten im Team und dass sie mir helfen, mich wie zu Hause zu fühlen“, sagt Visser.

Gerade in einem Projekt, das bei null startet, ist das kein unwichtiger Faktor. „Dass wir dieses Projekt von Anfang an gemeinsam aufbauen und die Entwicklung miterleben, macht das Ganze besonders.“

Kein Schnellschuss im Rennbetrieb

Nachdem Visser beim Auftakt der ADAC MX Masters noch auf einer Husqvarna ausrückte, keimte Hoffnung für einen baldigen Renneinsatz der Kove auf. Doch wer auf einen schnellen Renneinsatz hofft, wird sich noch gedulden müssen. Beim ADAC MX Masters in Dreetz wird Visser nicht auf der Kove an den Start gehen.

Die Priorität liegt aktuell eindeutig auf der Entwicklung. „Im Moment liegt der Fokus darauf, das Motorrad auf das Niveau zu bringen, das wir uns vorstellen, bevor wir damit Rennen fahren.“ Einen festen Termin für das Debüt gibt es deshalb noch nicht. „Wir werden an den Start gehen, wenn wir das Gefühl haben, dass wir bereit sind.“

Was bleibt, ist ein Projekt, das bewusst Schritt für Schritt aufgebaut wird. Ohne Abkürzungen – aber mit einer klaren Richtung.