Coenen dominiert Almonte – Herlings angeschlagen, Gajser mit Aufwärtstrend

Lucas Coenen dominierte den MXGP of Andalucia in Almonte

Lucas Coenen dominierte den MXGP of Andalucia in Almonte. / Foto: Ray Archer

Der MXGP of Andalucía in Almonte hatte einen klaren Namen: Lucas Coenen. Der Belgier lieferte ein perfektes Wochenende ab, holte sich den Gesamtsieg – und übernimmt damit auch die Red Plate. Doch hinter der Dominanz des KTM-Piloten spielte sich eine ganz eigene Geschichte ab: ein angeschlagener Jeffrey Herlings, der sich durchkämpft, und ein Tim Gajser, der Schritt für Schritt näherkommt.

Coenen: Wenn alles klickt

Drei Läufe, drei Siege – Coenen war an diesem Wochenende schlicht nicht zu schlagen. Dabei lag der Schlüssel weniger im puren Risiko, sondern vielmehr in Kontrolle und Flow.

„Die Strecke hat mir einfach gelegen. Ich habe gute Linien gefunden und konnte richtig flüssig fahren“, erklärte Coenen nach dem Rennen. Besonders auffällig: seine Starts. Nach den Problemen in Argentinien nun deutlich stabiler – auch wenn er selbst die Bedingungen relativiert: „In Argentinien war wegen der Höhe alles ein bisschen schwierig einzuschätzen.“

In Almonte hingegen passte alles. Gute Starts, schnelle Überholmanöver – und dann sein eigenes Tempo. „Ich habe schnell überholt und bin dann einfach mein eigenes Rennen gefahren.“

Selbst körperliche Probleme konnten ihn nicht stoppen. Eine Blase an der Hand machte sich im zweiten Lauf bemerkbar: „Nach dem ersten Lauf war alles schon komplett rot. Ich hatte Angst, dass es gleich am Anfang aufreißt.“ Doch im Rennmodus spielte das keine Rolle mehr: „Mit Adrenalin spürt man es kaum – und für den Sieg lohnt es sich.“

Die Red Plate ist für Coenen ein besonderer Moment: „Das ist meine erste überhaupt. Es fühlt sich unglaublich an.“ Gleichzeitig bleibt er nüchtern: „Es ist erst der Anfang der Saison. Wir müssen konstant vorne dabei sein.“

Herlings: Kampf gegen Schmerzen und Rückstand

Für Jeffrey Herlings verlief das Wochenende deutlich komplizierter. Ein heftiger Sturz am Samstag kostete nicht nur Punkte, sondern auch körperliche Substanz.

„Ich wurde wie ein Katapult über das Bike geschleudert“, schilderte Herlings die Szene. „Ich habe mir vor allem den Nacken und den Rücken ordentlich wehgetan.“ Zwar war nichts gebrochen, doch die Auswirkungen waren spürbar: „Ich war ziemlich steif.“

Trotzdem lieferte der Niederländer am Sonntag ab – zweimal Platz zwei. Ein solides Ergebnis, das aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass er Punkte auf Coenen verlor.

„Er war dieses Wochenende einfach besser. Ich hatte nichts entgegenzusetzen“, gab Herlings offen zu. Der Rückstand sei selbst ohne Sturz schwer aufzuholen gewesen: „Vielleicht wäre ich etwas näher dran gewesen, aber das hätte nichts am Ergebnis geändert.“

Dennoch bleibt der Blick nach vorne gerichtet. Die Saison ist lang, das Feld breit aufgestellt: „Es sind noch 17 Rennen, also 51 Läufe. Da kann viel passieren.“ Und klar ist auch: Der Hunger ist weiterhin da. „Ich mag es nicht, wenn ich geschlagen werde.“

Gajser: Fortschritt statt Perfektion

Tim Gajser komplettierte das Podium – und zeigte vor allem eines: Entwicklung. Nach einem schwierigen Start ins Wochenende steigerte sich der Slowene im Verlauf deutlich.

„Wir haben große Änderungen vorgenommen, vor allem am Fahrwerk“, erklärte Gajser. Gerade auf der anspruchsvollen Strecke in Almonte war das entscheidend: „Die Strecke war extrem schwierig – große harte Schläge, aber auch Sandwellen. Du musstest Kompromisse finden.“

Vor allem die Starts blieben ein Problem. In beiden Läufen außerhalb der Top Ten aus der ersten Runde heraus – ein Handicap, das Zeit kostet: „Wenn du hinten bist, schließen sie dich sofort. Im Sand ist es dann schwer, nach vorne zu kommen.“

Dennoch kämpfte sich Gajser zurück und belohnte sich mit dem Podium. „Ich bin zufrieden. Wir haben Schritte in die richtige Richtung gemacht.“

Ein Wochenende, drei Geschichten

Almonte hat gezeigt, wie eng die MXGP aktuell ist – und wie unterschiedlich die Wege zum Ergebnis sein können.

Coenen dominiert und setzt die Messlatte. Herlings kämpft sich trotz Schmerzen aufs Podium. Gajser arbeitet sich Stück für Stück nach vorne. Oder, um es mit Coenens Worten zu sagen: „Alle sind ungefähr gleich schnell. Du musst einfach den kleinen Vorteil nutzen, wenn du ihn hast.“

In Almonte hatte ihn nur einer.