Maximilian Spies und die #55: „Neues Jahr, neue Nummer, neue Ambitionen“
Maximilian Spies stellte sich kurz vor dem MXGPÜ of Sardegna unseren Fragen
Für Maximilian Spies beginnt in Riola Sardo die MXGP-Saison 2026 – und das gleich mit mehreren Besonderheiten. Der Brandenburger tritt auf Sardinien nicht nur erstmals in diesem Jahr in der Motocross-Weltmeisterschaft an, sondern auch mit neuer Startnummer. Kurz vor dem MXGP of Sardegna hat Spies mit uns über die Hintergründe seines verspäteten Saisonstarts, seine Ziele in Riola und die wirtschaftliche Realität eines Grand-Prix-Einsatzes gesprochen.
Neue Nummer, vertraute Geschichte
Am Startgatter wird Spies in Riola erstmals mit der Nummer 55 stehen. Hinter dem Wechsel steckt keine spontane Entscheidung, sondern eine sehr persönliche Verbindung.
„Neues Jahr, neue Nummer, neue Ambitionen“, sagt Spies. Die 55 sei in seiner Familie eng verwurzelt: „Mein Vater hatte damals in seiner Rennkarriere die 55, und ich selbst habe eigentlich mit der Nummer 5 angefangen.“ Für ihn steht die neue Nummer deshalb auch symbolisch für einen frischen Abschnitt in seiner MXGP-Laufbahn. Nach mehreren Top-Ergebnissen in den vergangenen Jahren wolle er dem Grand-Prix-Kapitel „ein bisschen neuen Schwung und ein neues Gesicht“ geben.
Allein unter deutscher Flagge
Dass er in Sardinien der einzige deutsche Fahrer in der MXGP-Klasse ist, war Spies nach eigener Aussage zunächst gar nicht bewusst. Viel Bedeutung misst er diesem Umstand ohnehin nicht bei.
„Ich habe da ehrlich gesagt gar nicht so drauf geachtet“, erklärt er. „Mir ist relativ egal, wer am Start ist. Ich bin hier, um gute Ergebnisse einzufahren und zu lernen.“ Der Fokus liege klar auf der eigenen Leistung – nicht auf nationalen Konstellationen im Feld.
Warum der MXGP-Einstieg erst jetzt kommt
Viele hatten erwartet, Spies bereits früher in der Saison in der Weltmeisterschaft zu sehen, etwa beim Grand Prix in der Schweiz. Dass sein erster Einsatz nun erst in Riola erfolgt, hat mehrere Gründe – vor allem organisatorische und finanzielle.
Das Überseerennen in Argentinien und danach Spanien seien für ihn schlicht nicht realisierbar gewesen: „Das ist finanziell überhaupt nicht machbar.“ Auch Frauenfeld passte nicht in seinen Kalender, da direkt danach bereits der ADAC MX Masters-Auftakt in Grevenbroich anstand. Dieser habe für ihn Priorität gehabt. Hinzu kam der unterschiedliche Charakter der Strecken: Der Wechsel von der Schweizer Hartbodenstrecke direkt in den tiefen Sand von Grevenbroich wäre sportlich wenig sinnvoll gewesen.
Rückblickend sieht Spies die Entscheidung bestätigt: Die winterlichen Bedingungen in der Schweiz hätten seine Vorbereitung zusätzlich erschwert.
Riola als Standortbestimmung
Riola ist für Spies kein unbekanntes Terrain. 2025 gelangen ihm dort solide Ergebnisse, und genau darin liegt für ihn ein gewisses Maß an Sicherheit. Auch wenn er selbst seine Vorjahresleistungen nüchtern einordnet.
„Letztes Jahr war okay – ich habe hier schon bessere Ergebnisse gezeigt“, sagt er. Dennoch sei klar: Die Strecke liegt ihm grundsätzlich. Für dieses Wochenende formuliert er seine Zielsetzung vorsichtig optimistisch: Top-15-Platzierungen sind das Minimalziel, unter günstigen Umständen hält er auch Top-10-Ergebnisse für realistisch.
„Wir müssen erst einmal schauen, wie wir in die Saison reinkommen“, sagt Spies. Gerade zum Saisonbeginn sei vieles offen: neue Fahrer, veränderte Leistungsstände im Feld und die Frage, wo man selbst materialtechnisch stehe.
Kein Respekt vor großen Namen
Das Sardinien-Wochenende bringt traditionell ein starkes Feld an Sandspezialisten an den Start – darunter Namen wie Jeffrey Herlings oder Kay de Wolf. Beeindrucken lässt sich Spies davon nicht.
„Die Jungs fahren ihr Rennen, ich fahre mein Rennen“, sagt er trocken. In den vergangenen Jahren sei er in dieser Hinsicht abgeklärter geworden: „Ich achte nicht mehr auf Namen. Wir sind alle Rennfahrer und auf derselben Strecke.“
Gerade dieser direkte Vergleich sei für ihn ein zentraler Anreiz: Er wolle wissen, wie nah er an die Spitze herankommen könne – und wo im internationalen Vergleich noch Abstand bestehe.
Wenig Rennen, später Rhythmus
Ein idealer Saisonaufbau sieht anders aus. Durch seine Einsätze im SuperEnduro und Supercross hat sich Spies’ Motocross-Vorbereitung in diesem Jahr nach hinten verschoben. Entsprechend überschaubar ist bislang seine Rennpraxis auf MX-Material.
Auch der Auftakt im ADAC MX Masters in Grevenbroich verlief aus seiner Sicht nur bedingt zufriedenstellend. „Es lief ein bisschen schwer, es gab ein paar Probleme“, sagt er. Dennoch bewertet er Riola genau deshalb als wertvoll: als hochklassiges Trainingsrennen unter Rennbedingungen.
„Wir schauen, wo wir stehen, wie weit wir nach vorne kommen und woran wir noch arbeiten müssen.“
Riola bleibt vorerst ein Einzelstart
Wer gehofft hatte, Spies in den kommenden Wochen regelmäßig im MXGP-Paddock zu sehen, muss sich vorerst gedulden. Nach aktuellem Stand bleibt Riola sein einziger Grand-Prix-Einsatz in nächster Zeit.
Trentino steht nicht auf seinem Programm – bewusst. Die Hartbodenstrecke passe nicht in seinen Saisonplan, außerdem bewertet er den Kurs als riskant. Stattdessen will Spies die Zeit nutzen, um gezielt an Motorrad und Setup zu arbeiten.
Hinzu kommt ein pragmatischer Faktor: Materialschonung. Besonders Pietramurata gilt als materialintensiv. „Die Steine dort machen das Motorrad schnell kaputt. Danach sieht das Bike aus, als wäre die Saison schon gelaufen“, sagt Spies. Sein Material und Personal wolle er deshalb gezielt und sinnvoll einsetzen.
MXGP bleibt finanziell ein Minusgeschäft
Besonders offen spricht Spies über einen Punkt, den viele Fahrer nur ungern thematisieren: die wirtschaftliche Realität eines Grand-Prix-Starts.
„Ob ich Erster werde oder Letzter – es kostet mich gleich viel Geld“, sagt er. Der finanzielle Aufwand bleibe hoch, der direkte Ertrag gering. MXGP sei für Privatfahrer in erster Linie eine Investition in Erfahrung und sportliche Einordnung, nicht in wirtschaftlichen Gewinn.
Selbst starke Resultate garantierten längst keine finanzielle Sicherheit. „Wir sehen bei anderen Fahrern, dass der Markt im Grand Prix ziemlich tot ist.“ Der Satz bringt die Lage auf den Punkt. Warum also der Aufwand? Spies antwortet klar: „Wir fahren das Ganze, weil es uns Spaß macht – nicht, weil wir damit Geld verdienen.“
Zwischen Lernen und Angriff
Riola ist für Maximilian Spies damit vieles zugleich: Saisonauftakt, Standortbestimmung, Lernfeld und Gradmesser. Die Erwartungen sind realistisch, der Blick nüchtern. Doch zwischen allen wirtschaftlichen Einschränkungen und planerischen Zwängen bleibt vor allem eines spürbar: der sportliche Ehrgeiz, sich mit den Besten messen zu wollen.
Und genau darum geht es ihm in Sardinien. Nicht um große Worte – sondern um die ehrliche Antwort auf die Frage: Wo stehe ich im MXGP-Feld 2026?
