Lukas Platt: Vom Motocross-Profi zum Sportleiter in Bielstein

Lukas Platt übernimmt die Position des Sportleiter beim MSC Drabenderhöhe Bielstein

Lukas Platt übernimmt die Position des Sportleiter beim MSC Drabenderhöhe Bielstein. / Foto: Kai Brake

Nach seinem verletzungsbedingten Karriereende 2025 übernimmt Lukas Platt eine neue Aufgabe. Der 30-Jährige gehört künftig zur Führung des MSC Bielstein. Dabei hätte er sich noch vor einem Jahr kaum vorstellen können, einmal Verantwortung im Vereinsvorstand zu übernehmen.

Beim MSC Bielstein soll ein Generationswechsel für neuen Schwung sorgen. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 23. September wählte der 1951 gegründete Traditionsverein einen neuen Vorstand. An der Spitze steht künftig Sebastian Klein, unterstützt von Mario Stangier als Stellvertreter. Für Medien und Marketing ist Lea Steinhausen verantwortlich, Martin Benninghaus übernimmt die Finanzen.

Und mittendrin findet sich ein Name, den viele Motocross-Fans vor allem von der Rennstrecke kennen: Lukas Platt.

Der ehemalige MX-Profi aus Gummersbach übernimmt den Posten des Sportleiters. Eine Aufgabe, die er ursprünglich überhaupt nicht auf dem Zettel hatte.

Denn nach seinem verletzungsbedingten Karriereende 2025 wollte Platt zunächst vor allem eines: Abstand vom Motocross.

Als plötzlich die Zukunft des Vereins auf dem Spiel stand

Der Anstoß für sein neues Engagement kam ausgerechnet in einer schwierigen Phase des MSC Bielstein.

Die für den 2. August geplante Deutsche Motocross-Meisterschaft war zunächst abgesagt worden. Erst später wurde den Beteiligten offenbar bewusst, welche Folgen ein Jahr ohne eigene Rennveranstaltung für den Verein haben könnte.

„Uns war eigentlich gar nicht bewusst, dass es sein könnte, dass es den Verein im nächsten Jahr einfach nicht mehr gibt, wenn wir ein Jahr lang keine Veranstaltung durchführen“, erzählt Platt.

Eine bemerkenswerte Aussage über einen Verein, der seit 1951 besteht und dessen Waldkurs weit über die Region hinaus bekannt ist. Was genau den Fortbestand des MSC gefährdet hätte, erläutert Platt nicht näher. Seine Schilderung zeigt allerdings, wie ernst die Situation innerhalb des Vereins wahrgenommen wurde.

Die Verantwortlichen setzten sich erneut zusammen, suchten nach Lösungen und schafften es schließlich doch noch, die DM-Veranstaltung auszurichten. „Wir haben dann eine echt gute DM-Veranstaltung auf die Beine gestellt und fast nur positive Resonanz bekommen. Das hat uns natürlich alle sehr gefreut.“

Auch der Crosscountry-Mountainbike-Wettbewerb um den NRW-Cup am 6. September verlief nach Angaben des Vereins erfolgreich.

Damit standen am Ende des Jubiläumsjahres nicht nur zwei durchgeführte Veranstaltungen, sondern auch die Erkenntnis, dass es für die Zukunft neue Leute braucht, die Verantwortung übernehmen.

Nach dem Unfall war Motocross zunächst kein Thema mehr

Für Lukas Platt war die Vereinsarbeit während seiner aktiven Karriere kaum von Bedeutung. Er gehörte zwar bereits dem MSC Bielstein an, doch sein Alltag spielte sich überwiegend auf Trainings- und Rennstrecken ab. „Vorher war Vereinsarbeit eigentlich kein Thema für mich. Ich war zwar immer im Verein, aber ich bin so viel gereist und hatte dafür auch gar keinen Kopf.“

Nach seinem verletzungsbedingten Karriereende 2025 veränderte sich sein Verhältnis zum Motocross zunächst deutlich. Platt zog sich zurück. Nicht vollständig, aber weit genug, um den Sport, der zuvor seinen gesamten Alltag bestimmt hatte, nur noch aus der Distanz zu verfolgen. „Ich habe den Sport zwar weiterhin verfolgt, aber nicht mehr so intensiv. Ich glaube, das lag einfach daran, dass ich mein Leben lang mittendrin war und nach meinem Unfall vielleicht auch ein bisschen Abstand gebraucht habe.“

Inzwischen kehrt die Begeisterung langsam zurück.

Platt hat nach eigenen Angaben sogar wieder damit begonnen, selbst Motorrad zu fahren. Gleichzeitig bietet ihm die neue Aufgabe beim MSC Bielstein eine Möglichkeit, dem Sport auf andere Weise verbunden zu bleiben.

Eine neue Generation übernimmt Verantwortung

Der neue Vorstand des MSC Bielstein vereint jüngere Mitglieder mit erfahrenen Vereinsleuten.

Sebastian Klein bringt als Sportökonom langjährige Erfahrung aus der Zweiradbranche mit. Mario Stangier ist Unternehmer und engagiert sich bereits als Sponsor im Sport. Lea Steinhausen stammt aus einer Familie, die seit vier Generationen mit dem Verein verbunden ist. Hinzu kommen Schatzmeister Martin Benninghaus und neun Mitglieder des Beirats.

Für Platt ist gerade die Bereitschaft der jüngeren Generation, Verantwortung zu übernehmen, ein wichtiger Grund für sein eigenes Engagement. „Ich finde es gut, dass jetzt auch ein paar jüngere Leute Bock haben und motiviert sind, den Verein neu aufleben zu lassen. Da kommt wahrscheinlich noch einmal frischer Wind rein. Und dazu möchte ich meinen Teil beitragen.“

Seine neue Aufgabe als Sportleiter ist allerdings noch nicht bis ins letzte Detail definiert.

Nach Platts Angaben war die Position in den vergangenen Jahren nicht besetzt. Entsprechend muss sich der 30-Jährige zunächst selbst einarbeiten. „Grob gesagt soll ich mit dafür sorgen, dass der Zusammenhalt im Verein stimmt, und den Vorstand bei verschiedenen Aufgaben entlasten.“

Dazu könnten organisatorische Aufgaben rund um die Veranstaltungen und die Terminplanung gehören. Platt betont allerdings, dass solche Dinge gemeinsam im Vorstand geregelt werden müssen.

Dass die bisherigen Verantwortlichen ihre Erfahrungen weitergeben, hält er für besonders wichtig. „Ich finde es gut, dass die ältere Generation uns an die Hand nimmt, hinter uns steht und uns zeigt, wie alles funktioniert. Hoffentlich können wir dann irgendwann auf eigenen Füßen stehen.“

Es geht also nicht darum, die Vergangenheit des Vereins hinter sich zu lassen. Vielmehr soll die Erfahrung der langjährigen Mitglieder mit neuen Ideen verbunden werden.

Eine feste Kinderstrecke für Bielstein?

Besonders konkrete Vorstellungen hat Platt bereits bei der Nachwuchsförderung. Der MSC Bielstein möchte künftig mehr Kinder und Jugendliche für den Motocross-Sport begeistern. Neben den bestehenden Aktivitäten im Nachwuchsbereich steht dabei auch eine neue Idee im Raum: eine feste Kinderstrecke.

„Mir ist die Jugendförderung sehr wichtig. Wir wollen mehr Kinder und Jugendliche in den Verein bekommen. Deshalb möchten wir eine feste Kinderstrecke bauen und Schnuppertage anbieten.“

Gerade die geplanten Schnuppertage könnten für Familien interessant werden, die bislang keinen direkten Kontakt zum Motocross haben. Denn wer seinem Kind diesen Sport ermöglichen möchte, steht schnell vor einer finanziellen Hürde. Motorrad, Schutzkleidung und weitere Ausrüstung können mehrere Tausend Euro kosten. Für Eltern, die noch gar nicht wissen, ob ihr Nachwuchs langfristig Spaß am Motocross hat, ist das eine erhebliche Investition.

Platt möchte deshalb Möglichkeiten schaffen, den Sport zunächst unverbindlich kennenzulernen. „Wir wollen auch Leute außerhalb des Sports ansprechen, damit sie vielleicht einmal den Weg zur Motocross-Strecke finden. Die Kinder sollen die Chance bekommen, sich das alles anzuschauen, bevor die Eltern für 5.000 Euro Ausrüstung und Motorrad kaufen müssen.“

Noch befindet sich die Idee in der vereinsinternen Planung. Ob und wann die Kinderstrecke tatsächlich umgesetzt werden kann, ist offen. Dass der MSC Bielstein künftig stärker auf den Nachwuchs setzen möchte, deckt sich allerdings mit der offiziellen Ausrichtung des neuen Vorstands.

Neben dem Motocross soll auch der Mountainbike-Sport weiterentwickelt werden. Dieser hat sich inzwischen zu einem zweiten Standbein des Vereins entwickelt. Die Nachwuchsförderung reicht damit von den MTB-Bambinis bis zu den jungen Motocross-Talenten.

Mehr miteinander statt nur gemeinsam Rennen veranstalten

Für Platt geht es allerdings nicht ausschließlich darum, neue Veranstaltungen auf die Beine zu stellen oder zusätzliche Nachwuchsfahrer zu gewinnen.

Mindestens genauso wichtig ist ihm das Vereinsleben selbst. „Wir wollen intern wieder mehr miteinander machen. Vielleicht öfter mal Kart fahren oder andere coole Events organisieren. Einfach Dinge, bei denen alle zusammen Spaß haben.“

Was zunächst nach einer eher nebensächlichen Idee klingt, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Motocross-Vereine sind auf Menschen angewiesen, die ihre Freizeit investieren. Strecken müssen gepflegt, Veranstaltungen vorbereitet und unzählige Aufgaben erledigt werden, für die es meist keine Bezahlung gibt.

Wenn dieser Zusammenhalt verloren geht, wird es irgendwann schwierig, überhaupt noch Rennen auszurichten.

Die Ereignisse rund um die zunächst abgesagte DM in Bielstein haben zumindest gezeigt, dass auch ein traditionsreicher Verein vor solchen Herausforderungen nicht geschützt ist.

Platt möchte deshalb dazu beitragen, dass wieder mehr Mitglieder gemeinsam etwas unternehmen und sich mit dem Verein identifizieren.

Ein Jahr, um etwas zu bewegen

Mit seinem Wechsel in die Vereinsführung beginnt für Lukas Platt ein Abschnitt, den er während seiner aktiven Karriere nicht geplant hatte. Noch muss er sich in seine neue Rolle einarbeiten. Welche Aufgaben er langfristig übernehmen wird, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

An Ideen mangelt es offenbar nicht.

Mehr Zusammenhalt im Verein, eine stärkere Nachwuchsförderung, Schnuppertage für Kinder und möglicherweise eine eigene Kinderstrecke gehören zu den Vorhaben, die Platt besonders am Herzen liegen. „Wir haben eine richtig gute Truppe, und es gibt schon viele Ideen. Ich hoffe, dass wir davon möglichst viel umsetzen können.“

Der neue Vorstand hat sich viel vorgenommen. Geplant sind unter anderem weitere Veranstaltungen im ADAC Nordrhein MX Cup sowie zusätzliche Mountainbike-Events.

Ob daraus tatsächlich ein langfristiger Aufschwung für den MSC Bielstein entsteht, wird sich nicht allein an der Zahl der durchgeführten Rennen messen lassen. Entscheidend wird auch sein, ob es gelingt, neue Mitglieder zu gewinnen, junge Menschen für den Sport zu begeistern und das ehrenamtliche Engagement auf mehr Schultern zu verteilen.

Für Lukas Platt ist das eine andere Herausforderung als der Kampf um Positionen auf der Rennstrecke. Aber vielleicht eine, bei der ihm seine Erfahrungen aus vielen Jahren als Motocross-Profi besonders helfen können.

Denn diesmal geht es nicht darum, selbst möglichst schnell zu sein. Sondern darum, dass auch in Zukunft noch Kinder und Jugendliche in Bielstein die Möglichkeit haben, Motocross zu fahren.