Lachlan Turner: Von ganz hinten zum Holeshot bei ihrem FIM WMX-Debüt
Lachlan Turner feierte beim MXGP of Australia ihr FIM WMX Debüt. / Foto: Ralph Marzahn
Lachlan Turner brauchte in Darwin gerade einmal zwei Rennen, um zu zeigen, warum sie in den USA bereits zu den erfolgreichsten Fahrerinnen ihrer Generation gehört. Ihr erstes Wochenende in der FIM Women’s Motocross World Championship begann mit einem Sturz und einer Aufholjagd. Einen Tag später zog die 19-Jährige den Holeshot und führte beinahe den kompletten zweiten Lauf.
Turner kam dabei nicht als unbekannte Wildcard nach Australien. Die Amerikanerin hatte wenige Wochen zuvor die US-WMX-Meisterschaft 2026 gewonnen. Zwölf Siege und 16 Podiumsplätze hat „Lala“, wie Turner genannt wird, dort inzwischen gesammelt. Damit liegt sie bereits auf Rang vier der ewigen Siegerliste der amerikanischen Frauenserie.
Dass auch die Frauen-Weltmeisterschaft der FIM mit WMX abgekürzt wird, macht die Sache etwas verwirrend. Mit ihrem amerikanischen Pendant hat sie allerdings nichts zu tun. Für Turner bedeutete Darwin deshalb den ersten direkten Vergleich mit den Fahrerinnen der Weltmeisterschaft.
Und dieser Einstieg verlief zunächst alles andere als sauber.
Zweimal am Boden und trotzdem Achte
Turner stürzte bereits in der ersten Runde des Samstagsrennens und musste sich anschließend vom Ende des Feldes nach vorne arbeiten. Später ging sie ein weiteres Mal zu Boden. Trotzdem kam sie noch als Achte ins Ziel.
„Es ist eine völlig andere Erfahrung als das, was ich gewohnt bin. Aber genau deshalb bin ich hier. Ich möchte lernen und Spaß haben.“

Turner ist für einen aggressiven Fahrstil bekannt, und zumindest an der Geschwindigkeit schien es bei ihrem ersten WM-Auftritt nicht zu fehlen. Nach dem verkorksten Samstag bekam man am Sonntag einen wesentlich besseren Eindruck davon, was sie tatsächlich kann.
Diesmal passte bereits der Start.
Die Amerikanerin zog den Holeshot, übernahm die Führung und blieb fast über die gesamte Renndistanz vorne. Erst spät musste sie die Spitzenposition abgeben und beendete den Lauf auf Platz zwei.
Innerhalb von weniger als 24 Stunden ging es damit praktisch vom hinteren Ende des Feldes an die Spitze eines WM-Laufs.
Die Renndistanz macht den Unterschied
Turner selbst machte anschließend auf einen Punkt aufmerksam, der beim Vergleich zwischen den beiden Serien schnell untergeht. In den USA ist sie deutlich kürzere Rennen gewohnt. „Ich bin zwölf Minuten gewohnt. Ich weiß jetzt also, woran ich arbeiten muss, wenn ich das nächste Mal hier fahre.“
Das ist bei ihrem Auftritt in Darwin fast interessanter als der Holeshot selbst. Turner musste nicht erst beweisen, dass sie das Tempo der WM-Spitze grundsätzlich mitgehen kann. Das hat sie am Sonntag mit der langen Führung erledigt.
Die Frage ist eher, wie sie dieses Tempo über die längere Renndistanz konservieren kann. Gerade wenn die Strecke härter wird und die Kräfte nachlassen, verändert sich ein Rennen noch einmal deutlich. Linien, die am Anfang funktionieren, kosten später möglicherweise mehr Energie, Fehler schleichen sich leichter ein.
Genau diese Erfahrung fehlte Turner bislang.
Dass sie trotzdem bereits bei ihrem ersten FIM-WMX-Wochenende einen Holeshot holte, einen Großteil des Rennens anführte und Zweite wurde, macht ihren Auftritt in Darwin durchaus bemerkenswert.
Vor allem aber scheint die Amerikanerin selbst nicht davon auszugehen, dass es bei diesem einen Gaststart bleiben muss. Ihr Hinweis darauf, was sie für das „nächste Mal“ verbessern möchte, lässt zumindest diese Möglichkeit offen.
Mit 19 Jahren, dem US-WMX-Titel 2026 und einem zweiten Platz bei ihrem ersten Auftritt in der FIM-Weltmeisterschaft hätte Turner jedenfalls gute Argumente, sich diesem Vergleich noch einmal zu stellen.
