Herlings im Racemode: Ein Wochenende, zwei Rennen, zwei Siege
Jeffrey Herlings überzeugt mit anderen Trainingsmethoden
Wenn es darum ging, sich gezielt auf die entscheidende Phase der Saison vorzubereiten, gab es zuletzt kaum einen klareren Maßstab als Jeffrey Herlings. Der Niederländer nutzte das freie Wochenende vor den MXGP-Rennen in Italien für zwei Einsätze – und lieferte in Großbritannien wie auch in den Niederlanden genau das ab, was man von ihm kennt.
Zwei Starts, zwei Gesamtsiege. Entscheidend ist dabei weniger die reine Statistik, sondern die Art und Weise. Herlings wirkte nicht wie ein Fahrer, der sich herantastet – sondern wie einer, der den Rhythmus bereits gefunden hat.
Preston Docks: Anpassung unter Druck
Beim Lauf der britischen Meisterschaft in Preston Docks zeigte sich zunächst die weniger spektakuläre, aber oft entscheidendere Seite. Der erste Lauf war kein Start-Ziel-Sieg, sondern ein Rennen, das über Struktur entschieden wurde.
Kein optimaler Start, dafür ein sauber aufgebauter Rennverlauf. Herlings arbeitete sich kontrolliert nach vorne, ohne hektisch zu wirken. In der direkten Auseinandersetzung mit der Spitze blieb er geduldig, erhöhte schrittweise den Druck und nutzte die entscheidende Phase des Rennens konsequent für sich.
Der zweite Lauf zeichnete ein anderes Bild. Frühe Führung, klare Linienwahl, kaum Korrekturen im Fahrstil. Herlings bestimmte das Tempo von Beginn an und entzog dem Rennen früh die Spannung. Es war kein spektakulärer Auftritt im klassischen Sinne – sondern einer, der durch Effizienz und Kontrolle auffiel.
Heerde: Dominanz im Heimrennen
Beim Auftakt der Dutch Masters in Heerde verschob sich das Verhältnis noch einmal deutlicher. Vor heimischem Publikum übernahm Herlings sofort die Kontrolle über das Geschehen.
Im ersten Lauf entstand zunächst ein direkter Vergleich mit Kay de Wolf. Doch während de Wolf das Tempo mitgehen konnte, war es erneut Herlings, der die entscheidende Phase definierte. Kein überhasteter Angriff, sondern ein gezieltes Setzen des Tempos, das den Unterschied machte.
Der zweite Lauf war dann eine klare Angelegenheit. Führung übernommen, Rhythmus stabilisiert, Vorsprung aufgebaut. Herlings fuhr das Rennen nicht nur an der Spitze – er kontrollierte es. Genau das ist der Unterschied zwischen Form und Dominanz.
Rennen statt Training: Ein bewusst gewähltes System
Dass Herlings regelmäßig auch abseits der MXGP an den Start geht, ist kein Zufall. Es ist Teil seines Ansatzes.
Während viele Fahrer Trainingsblöcke nutzen, um sich auf Rennsituationen vorzubereiten, dreht Herlings das Prinzip um. Für ihn ersetzt das Rennen einen Großteil des Trainings. Startgatter, Renndynamik, direkte Zweikämpfe – all das lässt sich im Training nur eingeschränkt abbilden.
Genau darin liegt der Kern seines Systems: Wiederholung unter realen Bedingungen. Herlings selbst hat mehrfach betont, dass zusätzliche Rennen ihm nicht nur fahrerisch helfen, sondern auch mental einen Vorteil verschaffen. Mehr Rennpraxis bedeutet für ihn mehr Sicherheit in Situationen, die im entscheidenden Moment zählen.
Das Ergebnis war an diesem Wochenende sichtbar. Während andere Fahrer nach Pausen oft Zeit brauchen, um wieder in den Ablauf zu finden, wirkte Herlings bereits vollständig im Modus.
Genau im richtigen Moment
Der Zeitpunkt dieser Einsätze war kein Zufall. Mit den anstehenden MXGP-Rennen in Riola Sardo und Pietramuratabeginnt eine Phase im Kalender, in der sich erste klare Linien im Titelkampf abzeichnen.
Herlings reist mit zwei souveränen Auftritten nach Italien – nicht als Momentaufnahme, sondern als Ausdruck einer Form, die stabil wirkt und unter Rennbedingungen bereits bestätigt wurde.
Die Richtung ist damit vorgegeben.
