Guillem Farres: Vom geplatzten USA-Traum zum MX2-Weltmeister
Guillem Farres ist MX2 Weltmeister 2026
Wie wird aus einem Fahrer, an den kaum noch ein Factory Team glaubte, innerhalb weniger Jahre ein Weltmeister? Guillem Farres liefert darauf 2026 seine ganz eigene Antwort. Der 23-jährige Spanier gewinnt die MX2-Weltmeisterschaft, holt das erste Golden Plate seiner Karriere und beschert Triumph zugleich einen historischen Erfolg.
Dabei sah sein Weg lange danach aus, als könnte er irgendwo zwischen Verletzungen, verpassten Chancen und dem amerikanischen Traum stecken bleiben.
Nach dem Youngster-Titel in die USA
2022 gewann Farres den ADAC MX Youngster Cup. Der Titel sollte für ihn allerdings nicht der Anfang einer längeren Karriere in Europa sein. Stattdessen zog es ihn in die USA, wo er sich auf der größtmöglichen Bühne durchsetzen wollte.
Zunächst erhielt Farres seine Chance bei Star Racing Yamaha, später fuhr er für Husqvarna Factory Racing. Das Tempo für den Sprung nach Amerika brachte er mit. Doch genau in der Phase, in der er sich dauerhaft für weitere Einsätze empfehlen musste, warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück.
Der erhoffte Durchbruch blieb aus. Aus der Möglichkeit, sich in den USA einen festen Platz in einem Werksteam zu erarbeiten, wurde ein ständiger Kampf um Renneinsätze, Fitness und die eigene Zukunft.
Das ist in diesem Geschäft nichts Ungewöhnliches. Wer verletzt fehlt, kann sich nicht zeigen. Und wer sich nicht zeigen kann, gerät schnell aus dem Blickfeld. Als Farres nach Europa zurückkehrte, standen die Factory Teams deshalb nicht gerade Schlange.
Triumph gab ihm trotzdem die Chance.
2025 war der Anfang, noch nicht der Durchbruch
Farres wechselte in das MX2-WM-Projekt des britischen Herstellers. Dort sollte er nicht nur einzelne Rennen bestreiten, sondern wieder eine echte Perspektive bekommen.
Seine Saison 2025 verlief ordentlich, aber noch nicht titelreif. Farres verpasste drei Grands Prix, sammelte dennoch 500 Punkte und beendete die Weltmeisterschaft auf dem achten Rang. Bei 34 absolvierten Wertungsläufen gelang ihm ein Sieg. Zweimal wurde er Dritter.
Damit hatte er gezeigt, dass er weiterhin Rennen auf WM-Niveau gewinnen konnte. Für die Rolle des großen Titelfavoriten drängte er sich mit diesen Zahlen allerdings noch nicht auf.
Ein Jahr später sah alles anders aus.
Aus einem Laufsieg werden 14
2026 war Farres nicht mehr nur gelegentlich an der Spitze zu finden. Er wurde zu dem Fahrer, an dem sich die Konkurrenz orientieren musste. 14 Laufsiege, sechs Grand-Prix-Siege und 13 Gesamtpodien stehen für seine Titelsaison. Hinzu kamen drei Pole Positions. Insgesamt führte Farres die MX2-Rennen 243 Runden lang an.
Diese Zahl beschreibt seine Saison fast besser als jeder Punktestand. Farres profitierte nicht bloß von einzelnen Holeshots oder Fehlern seiner Konkurrenten. Er verbrachte über das Jahr hinweg mehr als vier komplette Grand-Prix-Distanzen an der Spitze. Mal kontrollierte er von vorne, mal musste er sich den Weg dorthin erst erarbeiten.
Bei acht Grands Prix rollte er mit dem Red Plate ans Startgatter. Auch daran musste sich Farres zunächst gewöhnen. Plötzlich ging es nicht mehr darum, mit einem guten Ergebnis auf sich aufmerksam zu machen. Nun schaute das gesamte Fahrerlager darauf, was der WM-Führende machte.
Farres hielt diesem Druck stand. Aus den 500 Punkten des Vorjahres wurden mehr als 800. Selbst ein Nuller und der in der Tabelle vermerkte Abzug von fünf Punkten brachten ihn nicht entscheidend aus der Spur.
Foxhills wird zum Schlüsselmoment
Einer der wichtigsten Tage seiner Saison folgte beim britischen Grand Prix in Foxhills. Farres gewann den Heim-GP von Triumph und übernahm das Red Plate.
Für den Spanier war es der Moment, in dem aus einer starken Saison endgültig ein Titelkampf wurde. Für Triumph hatte der Sieg vor heimischem Publikum eine zusätzliche Bedeutung. Die Marke war erst im März 2024 in die MX2-Weltmeisterschaft eingestiegen. Beim ersten Grand Prix hatte Mikkel Haarup die neue TF 250-X direkt auf das Podium gestellt.
Nur zweieinhalb Jahre später stand Farres in Foxhills als WM-Führender auf dem Podium.
Der Erfolg blieb allerdings keine kurze Momentaufnahme. Farres behauptete sich an der Spitze, während Teamkollege Camden McLellan zum einzigen verbliebenen Gegner im Kampf um den Titel wurde. Vor dem Finale in Darwin lagen beide Triumph-Piloten auf den ersten beiden Plätzen der Weltmeisterschaft. Farres reiste mit 48 Punkten Vorsprung nach Australien.
Damit war bereits klar: Der MX2-Weltmeister 2026 würde Triumph fahren.
Farres vollendet seine Rückkehr
Gemeinsam gewannen Farres und McLellan 20 Wertungsläufe und zehn Grands Prix. 25-mal stand einer der beiden auf dem Gesamtpodium. Doch am Ende war es Farres, der sich innerhalb des Teams durchsetzte und den Titel holte.
Für Triumph ist es der erste MX2-WM-Titel. Nach Aussage von Ian Kimber, Head of Global Motorsport bei Triumph, handelt es sich sogar um den ersten Weltmeistertitel der Marke in einer Motorsport-Weltmeisterschaft überhaupt.
Für Farres dürfte die persönliche Bedeutung noch größer sein. Nach seinem Titel im ADAC MX Youngster Cup zog er in die USA, um dort den nächsten Schritt zu machen. Verletzungen durchkreuzten diesen Plan. Die großen Factory Teams wandten sich anderen Fahrern zu, und Farres musste seine Karriere erneut aufbauen.
Triumph gab ihm diese Möglichkeit. 2025 wurde er WM-Achter. Ein Jahr später gewann er 14 Läufe, sechs Grands Prix und führte 243 Runden lang die MX2 an.
Nun hält Guillem Farres das erste Golden Plate seiner Karriere in den Händen. Nicht in den USA, wo er einst den großen Durchbruch suchte, sondern nach seiner Rückkehr in die Weltmeisterschaft – mit einem Hersteller, der selbst erst lernen musste, wie man in der MX2 gewinnt.
