Ducati Desmo450 EDS mit Guinness-Weltrekord: 1.448 Kilometer in 24 Stunden
Mit einer Ducati DESMO450 EDS zum Guinness Weltrekord
Was im ersten Moment nicht überwältigend klingt, wirft jedoch eine Frage auf: Wie viel hält eine serienmäßige Sportenduro aus, wenn sie 24 Stunden nahezu ununterbrochen über eine ausgefahrene Offroad-Strecke bewegt wird? Silvio Sabba und Valerio Boni haben es mit der Ducati Desmo450 EDS ausprobiert. Das Ergebnis: 1.448,732 Kilometer, 1.588 Runden und ein neuer, offiziell anerkannter Guinness-Weltrekord.
Am 1. und 2. Oktober 2026 gingen die beiden Italiener in Rodano bei Mailand an den Start. Ihr Ziel war ein neuer Distanzrekord in der Team-Motocross-Kategorie. Dafür wechselten sie sich einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang auf derselben Ducati ab.
Dabei hätten die Regeln sogar zwei Motorräder erlaubt. Sabba und Boni entschieden sich jedoch bewusst dafür, die gesamte Distanz mit nur einer Maschine zurückzulegen.
Eine Serienmaschine ohne technische Veränderungen
Für den Rekordversuch kam die neue Ducati Desmo450 EDS zum Einsatz. Die Sportenduro basiert auf der Desmo450 MX, wurde allerdings für den Enduroeinsatz angepasst. Ihr 449,6 Kubikzentimeter großer Einzylinder mit desmodromischer Ventilsteuerung arbeitet mit einem Sechsganggetriebe zusammen. Hinzu kommen unter anderem ein entsprechend abgestimmtes Showa-Fahrwerk, ein 18-Zoll-Hinterrad und ein 8,5-Liter-Tank.
Entscheidend war allerdings ein Ausstattungsmerkmal, das bei einem Motocrosser normalerweise keine Rolle spielt: die Beleuchtung.
Denn auch während der Nachtstunden verzichteten die beiden Fahrer auf zusätzliche Scheinwerfer und nutzten ausschließlich das serienmäßige LED-Licht der EDS.
Die Strecke selbst war zwar flach und kam ohne Sprünge aus, entwickelte sich durch Spurrillen, Löcher und Bodenwellen aber zunehmend zu einer Belastungsprobe. Gerade bei Dunkelheit dürfte es alles andere als einfach gewesen sein, über Stunden das Tempo hochzuhalten.
24 Stunden ohne Reparatur
Während die Fahrer regelmäßig wechselten, musste die Ducati die gesamte Distanz ohne Ersatzmotorrad bewältigen. Größere technische Eingriffe waren dabei nicht notwendig.
Neben den Tankstopps gab es lediglich einen geplanten Service, bei dem Öl und Filter gewechselt sowie das Motorrad kontrolliert wurden. Nach weniger als 17 Minuten war die Arbeit erledigt. Die Uhr lief währenddessen weiter.
Eine Reparatur war während der gesamten 24 Stunden nicht erforderlich. Auch leistungssteigernde oder auf höhere Haltbarkeit ausgelegte Veränderungen wurden laut Ducati nicht vorgenommen.
Damit ist der Rekord nicht nur eine sportliche Leistung der beiden Fahrer, sondern zugleich ein bemerkenswerter Belastungstest für die neue Sportenduro. Schließlich musste der Motor über einen kompletten Tag hinweg arbeiten, während Fahrwerk, Antrieb und sämtliche weiteren Komponenten den zunehmend schlechter werdenden Streckenbedingungen ausgesetzt waren.
Zweiter gemeinsamer Weltrekord
Für Silvio Sabba und Valerio Boni war es bereits der zweite gemeinsame Guinness-Weltrekord innerhalb von gut einem Jahr. Am 23. und 24. September 2025 hatten sie einen Rekordversuch mit einer Ducati Scrambler Full Throttle absolviert.
Schon damals entstand die Idee, das Ganze noch einmal abseits befestigter Straßen zu versuchen. Was zunächst eher scherzhaft diskutiert wurde, entwickelte sich schließlich zu einem neuen Projekt.
Dass der Versuch ausgerechnet 2026 gelang, passt zudem zum 100-jährigen Bestehen von Ducati.
Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 60,4 km/h über die gesamten 24 Stunden, einschließlich Fahrerwechseln, Tankstopps und Service, haben Sabba und Boni eine beachtliche Distanz zurückgelegt. Vor allem aber hat die Desmo450 EDS gezeigt, dass sie eine solche Dauerbelastung im Serienzustand überstehen kann.
Die Messlatte liegt damit bei 1.448,732 Kilometern. Honda, KTM, Husqvarna, GASGAS, Triumph und Co. haben schließlich ebenfalls Sportenduros im Programm, denen ihre Hersteller einiges zutrauen dürften. Bleibt die Frage, ob sich jemand findet, der die Herausforderung annimmt und versucht, mit einer serienmäßigen Maschine noch ein paar Kilometer mehr herauszuholen.
Für einen direkten Vergleich wäre jedenfalls gesorgt.
