Die Gewinner und Verlierer des MXGP of Sardegna 2026

Liam Everts gehört für uns zu den unterschätzten Gewinnern des MXGP of Sardegna 2026

Liam Everts gehört für uns zu den unterschätzten Gewinnern des MXGP of Sardegna 2026. / Foto: Ralph Marzahn

Riola Sardo ist kein Ort für halbe Sachen. Die Strecke frisst Rhythmus, bestraft kleinste Fehler und legt offen, wer wirklich Kontrolle über sein Rennen hat. Genau deshalb wirkt der MXGP of Sardegna oft klarer als andere Grands Prix. Nicht, weil weniger passiert – sondern weil alles sichtbarer wird.

Und sichtbar wurde in diesem Jahr vor allem eines: Wer aktuell das Niveau vorgibt – und wer daran scheitert, es über die Distanz zu halten.

Gewinner

Lucas Coenen bestimmt das Tempo

Der Belgier ist aktuell der Fahrer, an dem sich das Feld orientieren muss. Sein Sieg in Riola war kein klassischer Arbeitssieg, sondern eine Demonstration von Kontrolle und Geschwindigkeit. Auf einer Strecke, auf der selbst kleine Fehler sofort Zeit kosten, blieb der 19-Jährige stabil. Selbst nach einem eigenen Patzer fand er schnell zurück in seinen Rhythmus – ohne sichtbaren Bruch im Rennfluss.

Entscheidend war dabei seine Pace. Coenen fuhr phasenweise deutlich schneller als die Konkurrenz, teilweise mit Abständen, die im MXGP-Feld selten geworden sind. Und das nicht nur für ein paar Runden, sondern über längere Rennphasen hinweg.

Das wirkt nicht mehr wie ein Talent, das Rennen gewinnt. Das wirkt wie ein Fahrer, der aktuell definiert, wie schnell gefahren wird.

Simon Längenfelder fährt Rennen zu Ende – und genau das reicht.

In Riola fuhr der Deutsche nicht spektakulär, nicht dominant – aber konsequent und das bringt ihn auf die Gewinnerseite. Die Startnummer 1 scheint ihm eine Ruhe zu geben, die sich direkt auf seine Fahrweise überträgt. Selbst wenn er Positionen verliert, bleibt er bei sich, reagiert nicht hektisch und zwingt sich nicht in riskante Situationen.

Genau daraus entstehen seine Ergebnisse. Während andere Fehler machen, bleibt Längenfelder sauber – und steht am Ende wieder vorne.

Julius Mikula nutzt die Gelegenheit

Der Osicka MX Team Pilot gehört zu den Fahrern, die in Riola vom Charakter der Strecke profitieren konnten. Der Wechsel zurück auf KTM scheint Wirkung zu zeigen. Nach einem eher unauffälligen Saisonstart steigert sich der Tscheche sichtbar und bringt ein solides Wochenende ins Ziel. Gesamtrang sechs ist unter diesen Bedingungen mehr als nur ein Achtungserfolg.

Es ist ein Hinweis darauf, dass hier mehr möglich ist – wenn die Entwicklung so weitergeht.

Liam Everts: Signal unter anderen Vorzeichen

Der Belgier gehört in Riola nicht zu den offensichtlichen Gewinnern – und genau deshalb ist sein Wochenende so interessant. Back-to-back Podien klingen nach Konstanz, sind in seinem Fall aber das Ergebnis einer komplett anderen Ausgangslage: Fußprobleme, kaum Fahrzeit unter der Woche und praktisch kein Rhythmus seit Argentinien. „Jeder Punkt ist ein Bonus“, sagt er selbst – und genau so fährt er auch: kontrolliert, ohne Risiko, mit klarem Fokus auf maximale Ausbeute.

Umso mehr Gewicht bekommt der Blick zurück: Sein letztes Doppelpodium datiert aus dem Mai 2024 – damals noch auf KTM. Seitdem lief wenig stabil. Dass er jetzt unter diesen Umständen wieder zwei Podien in Folge einfährt, ist kein Zufall, sondern ein klares Signal. Nicht, weil er aktuell alles dominiert, sondern weil er in einer schwierigen Phase Ergebnisse liefert – und genau das macht ihn in Riola zu einem der unterschätzten Gewinner.

Verlierer

Sasha Coenen bleibt zwischen Genie und Risiko

Bei Sasha Coenen wiederholte sich in Riola ein bekanntes Muster. Die Geschwindigkeit ist da – und sie ist beeindruckend. Vieles sah nach einem möglichen Gesamtsieg aus. Doch wie so oft kippt das Wochenende durch einen Fehler. Das Problem ist nicht die Pace. Das Problem ist die Umsetzung. Coenen fährt regelmäßig schnell genug, um ganz oben zu stehen. Doch solange diese Geschwindigkeit nicht über zwei Läufe hinweg ins Ziel gebracht wird, bleibt er ein Fahrer, der Rennen dominieren kann – aber sie nicht gewinnt.

Guillem Farres lässt Punkte liegen

Auch Guillem Farres gehört in diese Kategorie.

Der Spanier hat die Geschwindigkeit, um vorne mitzufahren. In Riola lag er im zweiten Lauf auf Podiumskurs, ehe ein Sturz ihn zurückwarf. Am Ende bleibt ein Ergebnis, das nicht das widerspiegelt, was möglich gewesen wäre. Das zieht sich durch die bisherigen Rennen. Farres ist schnell – aber nicht konstant genug, um daraus stabile Resultate zu machen.

Tim Gajser – Einsatz stimmt, Ergebnis nicht

Für den 29-Jährigen war Riola ein Wochenende mit zwei Gesichtern – und keinem, das seinem Anspruch gerecht wird.

Im ersten Lauf zwang ihn ein schlechter Start früh in die Aufholjagd – am Ende arbeitete er sich bis auf Platz 9 nach vorn. Im zweiten Rennen sah es zunächst besser aus, doch ein Sturz warf ihn weit zurück. Von Position 19 arbeitete er sich erneut nach vorne und kam noch auf Platz 8 ins Ziel.

Zweimal „Best Hard Charger“ – das zeigt Einsatz und Geschwindigkeit. Doch genau hier liegt das Problem: Ein fünffacher Weltmeister misst sich nicht an Aufholjagden, sondern an Ergebnissen. Und die blieben in Riola hinter den Erwartungen zurück.

Die MX2-Klasse – Anspruch und Realität klaffen auseinander

Mit nur 20 Fahrern und einer Fahrerin war das Starterfeld so klein wie selten – ein Wert, der für eine Weltmeisterschaftsklasse kaum zu rechtfertigen ist. Natürlich spielt die aufwendige Anreise nach Sardinien eine Rolle, doch das greift zu kurz.

Der Anspruch muss ein anderer sein. Eine WM-Klasse sollte volle Startgatter haben – nicht nur bei gut erreichbaren Events, sondern auch bei Standorten wie Riola. Alles andere wirft Fragen auf, die über ein einzelnes Wochenende hinausgehen.

Riola Sand – Der Track als Standor

Neben den sportlichen Geschichten rückt immer wieder der Standort selbst in den Fokus – und das weniger wegen der Strecke, sondern wegen des Umfelds.

Die Region ist strukturschwach, dünn besiedelt und weit entfernt von größeren urbanen Zentren. Entsprechend begrenzt ist das Einzugsgebiet für Zuschauer. Wer hier an der Strecke steht, ist in den meisten Fällen ohnehin schon vor Ort, sprich aus dem Paddock.

Das schlägt sich direkt in den Zuschauerzahlen nieder. Keine vollen Hänge, keine dichten Fanbereiche – sondern viel Platz zwischen den wenigen Hotspots. Das Problem liegt damit weniger im Event selbst als in den Rahmenbedingungen. Riola ist sportlich wertvoll, aber geografisch kein klassischer Publikumsmagnet.

Unser Fazit – Ein Grand Prix, der keine Ausreden zulässt

Der MXGP of Sardegna war kein Rennen, das sich schönreden lässt. Die Strecke legt offen, wer sein Paket im Griff hat – und wer nicht.

Lucas Coenen fährt aktuell auf einem Niveau, das den Takt vorgibt. Simon Längenfelder zeigt, wie weit man mit Kontrolle und Konstanz kommt. Und dahinter wird deutlich, dass Geschwindigkeit allein nicht mehr reicht, wenn sie nicht ins Ziel gebracht wird.