Die AMA-Titel gehen ins Ausland: Wann gab es das zuletzt?
AMA Pro Motocross Titel geht 2026 an Hunter Lawrence. / Foto: Align Media
Wann gab es das eigentlich zuletzt, dass die Amerikaner am Ende einer Pro-Motocross-Saison keinen einzigen ihrer beiden großen Titel behalten haben? 2026 ist genau das passiert. Hunter Lawrence aus Australien ist 450MX-Champion, Cole Davies aus Neuseeland holt die 250MX-Meisterschaft. Zwei Klassen, zwei Fahrer aus dem Ausland.
Das kommt einem zunächst vielleicht gar nicht so außergewöhnlich vor. Schließlich gehören Fahrer aus Australien, Neuseeland und Europa längst zum festen Bild im AMA-Paddock. Schaut man allerdings in die Siegerlisten, ist diese Kombination noch immer ziemlich selten.
Vor 2026 passierte es erst zweimal, dass in derselben Saison sowohl der 250MX- als auch der 450MX-Titel an einen Nicht-Amerikaner gingen. 2021 waren es Dylan Ferrandis aus Frankreich und Jett Lawrence aus Australien. 2023 erledigten Jett und Hunter Lawrence die Sache gleich gemeinsam.
Und jetzt also Hunter Lawrence und Cole Davies.
Drei Saisons, vier Fahrer, drei Nationen
Die Liste sieht damit so aus: 2021 – 450MX: Dylan Ferrandis, 250MX: Jett Lawrence. 2023 – 450MX: Jett Lawrence, 250MX: Hunter Lawrence. 2026 – 450MX: Hunter Lawrence, 250MX: Cole Davies.
Gerade 2023 konnte man das noch relativ einfach als Lawrence-Geschichte verbuchen. Zwei außergewöhnlich schnelle Brüder aus Australien, die zu diesem Zeitpunkt beide ihre jeweilige Klasse im Griff hatten.
2026 ist die Sache etwas anders.
Hunter taucht zwar wieder auf, doch mit Cole Davies steht in der 250MX ein Neuseeländer ganz oben. Davies gehört zudem zu einer Generation, für die der Weg in die USA nicht erst nach einer langen GP-Karriere beginnt. Er wechselte früh ins amerikanische System und hat dort nun seinen ersten Pro-Motocross-Titel geholt.
Vielleicht fällt deshalb gar nicht mehr so stark auf, wie international die AMA-Spitze inzwischen geworden ist.
Hunter macht es sich beim Finale selbst schwer
Dass Hunter Lawrence als 450MX-Champion aus Ironman abreisen würde, war vor dem Finale alles andere als sicher. Ausgerechnet an dem Tag, an dem er die Sache nur noch nach Hause bringen musste, wurde es ziemlich ungemütlich.
Nach seinem Sturz im ersten Moto sah Hunter die Meisterschaft gedanklich bereits verschwinden. „In der ersten Runde vom ersten Moto dachte ich nur: Ja, das war’s mit der Meisterschaft.“
Dann kam er am Pitboard vorbei. P8 wurde ihm angezeigt und damit war klar, dass noch längst nichts verloren war. „Ich musste meine Tränen runterschlucken, die Stiefel wieder anziehen und zurück an die Arbeit.“
Am Ende reichte es. Nicht schön, nicht so, wie man sich seinen ersten 450MX-Titel vorher ausmalt, aber genau das machte diesen Nachmittag aus. Hunter sagte anschließend selbst, dass Meisterschaften eigentlich nie so gewonnen werden, wie man es sich vorher zurechtlegt.
Damit hat nun auch Hunter beide Outdoor-Titel in seiner Sammlung. 2023 gewann er die 250MX, drei Jahre später steht er in der 450MX ganz oben.
Sind internationale Champions überhaupt noch etwas Besonderes?
Einzeln betrachtet schon lange nicht mehr.
Die Liste erfolgreicher ausländischer Fahrer im amerikanischen Motocross ist lang. Jean-Michel Bayle, Chad Reed, Ken Roczen, Marvin Musquin oder Dylan Ferrandis haben längst gezeigt, dass ein US-Pass keine Voraussetzung für AMA-Siege und Titel ist.
Dass aber gleich beide Meisterschaften in derselben Saison ins Ausland gehen, bleibt ungewöhnlich. Und vor allem die Häufung fällt auf: 2021, 2023 und 2026.
Dreimal innerhalb von sechs Saisons.
Daraus gleich eine Krise des amerikanischen Motocross zu machen, wäre ziemlich viel Drama für eine Statistik. Interessanter ist eine andere Entwicklung: Immer mehr internationale Spitzenfahrer verbringen einen großen Teil ihrer Karriere im amerikanischen System.
Bei den Lawrence-Brüdern ist das besonders gut zu sehen. Jett und Hunter verließen Australien zunächst Richtung Europa und wechselten anschließend in die USA. Mittlerweile sind sie aus dem AMA-Fahrerlager kaum noch wegzudenken.
Davies ging diesen Weg noch früher. Amerika war für ihn nicht das Ziel nach einer langen internationalen Karriere, sondern der Ort, an dem seine Profikarriere aufgebaut wurde.
Und damit wird die Konkurrenz für die amerikanischen Talente zwangsläufig größer.
Und dann gewinnt Prado in Ironman 1-1
Passend dazu musste man beim Saisonfinale nur auf den Sieger der beiden 450MX-Motos schauen. Jorge Prado. Der Spanier gehört zwar nicht zur Meisterschaftsstatistik 2026, lieferte in Ironman mit seinem 1-1 aber einen weiteren Hinweis darauf, wie international die Spitze inzwischen geworden ist.
Prado erklärte anschließend ziemlich offen, warum er überhaupt den Schritt über den Atlantik gemacht hat: „Mein Traum in meiner Karriere war es, Weltmeister zu werden, und das habe ich geschafft. Mein nächstes Ziel war es, hier in den USA zu gewinnen. Deshalb bin ich hergekommen.“
Sein erstes Jahr in Amerika verlief nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. 2025 lief wenig nach Plan. Nach seiner Rückkehr zu Red Bull KTM änderte sich 2026 einiges, und in Ironman kam schließlich der Tag, auf den er gewartet hatte.
„Für solche Rennen wie heute bin ich in die USA gekommen.“
Prado ist kein AMA-Champion 2026. Aber er ist der nächste Fahrer aus dem Ausland, der den Amerikanern in Zukunft einen Outdoor-Titel streitig machen kann.
Ist das schon ein Trend?
Dafür sind drei Saisons zu wenig.
Vor allem lässt sich aus den ausländischen Champions nicht automatisch ein Problem des amerikanischen Nachwuchses ableiten. Wer die Amateur Nationals und Nachwuchsklassen verfolgt, sieht weiterhin genügend schnelle US-Talente.
Nur treffen diese Fahrer inzwischen auf Konkurrenz aus der ganzen Welt.
Supercross spielt dabei eine wichtige Rolle. Wer dort Karriere machen möchte, muss ohnehin in die USA. Der Schritt, im Sommer ebenfalls Pro Motocross zu fahren, ist dann nicht besonders groß. Die frühere klare Trennung zwischen GP- und AMA-Fahrern wird dadurch kleiner.
Für die amerikanischen Talente bedeutet das schlicht mehr Konkurrenz. Sie kämpfen nicht nur gegen die Jungs, die sie seit den Amateur Nationals kennen. Daneben stehen Australier, Neuseeländer und Europäer, die teilweise schon früh ins US-System gewechselt sind oder später mit reichlich internationaler Erfahrung dazukommen.
Und einige davon sind verdammt schnell.
Genau deshalb ist die Statistik von 2026 interessant. Noch ist sie kein Beweis für eine Wachablösung. Dafür müsste sich diese Entwicklung über einen längeren Zeitraum fortsetzen.
Aber drei Saisons innerhalb von sechs Jahren, in denen kein einziger AMA-Pro-Motocross-Titel an einen Amerikaner geht, sind zumindest genug, um genauer hinzuschauen.
2026 heißen die beiden Champions Hunter Lawrence und Cole Davies.
Und mit Fahrern wie Jorge Prado steht die nächste internationale Konkurrenz längst am Gate.
