ADAC MX Masters: Wer prägt die Saison 2026?

Auch Vellahn wird 2026 wieder Teil der ADAC MX Masters

Auch Vellahn wird 2026 wieder Teil der ADAC MX Masters

Knapp 350 Bewerbungen, Fahrer aus 29 Nationen, 13 Hersteller – die nackten Zahlen zeichnen schon vor dem ersten Gatedrop ein klares Bild: Die Saison 2026 der ADAC MX Masters wird keine ruhige Angelegenheit. Die Leistungsdichte ist hoch, die Namen sind bekannt – und gleichzeitig drängen neue Faktoren ins Spiel, die das Kräfteverhältnis verschieben können.

Es ist diese Mischung aus Kontinuität und Bewegung, die den Reiz ausmacht. Viele der Topfahrer bleiben, aber sie kommen nicht mehr in die gleiche Ausgangslage wie noch vor einem Jahr.

Königsklasse: Erfahrung trifft auf offenen Ausgang

In der Masters-Klasse selbst wirkt das Feld auf den ersten Blick vertraut. Die Top Ten der Vorsaison sind fast komplett wieder am Start – ein seltenes Szenario, das für Stabilität sorgt, aber gleichzeitig den Druck erhöht. Denn jeder kennt jeden, jeder weiß, wo die Stärken und Schwächen liegen.

Im Zentrum steht der amtierende Champion Roan van de Moosdijk. Für ihn beginnt ein Kapitel, das oft unterschätzt wird: Titel verteidigen. Der erste Triumph ist meist eine Mischung aus Momentum, Timing und Performance. Die Verteidigung verlangt Konstanz, mentale Stärke – und die Fähigkeit, mit einer neuen Erwartungshaltung umzugehen. Genau das wird sein Gradmesser.

Direkt dahinter lauert mit Max Nagl ein Fahrer, der das Spiel kennt wie kaum ein anderer. Erfahrung ist im Motocross kein Garant für Erfolg – aber sie ist ein Werkzeug. Nagl weiß, wann er Risiken eingehen muss und wann nicht. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob er die fehlende Explosivität über die Renndistanz kompensieren kann. Sollte es passen, steht ein historischer sechster Titel im Raum.

Mit Maximilian Spies schiebt sich der nächste Herausforderer immer weiter nach vorne. Sein Winterprogramm war alles – nur nicht klassisch. Supercross, SuperEnduro, Downhill – das wirkt auf den ersten Blick wie Ablenkung, kann aber genau der Baustein sein, der ihm den entscheidenden Schritt bringt. 2025 war er bis zum Finale im Titelkampf, 2026 wirkt wie die logische Fortsetzung.

Breite Spitze statt klarer Hierarchie

Was diese Saison besonders macht: Es gibt nicht den einen klaren Favoritenkreis – sondern eine breite Spitzengruppe.

Jordi Tixier nimmt dabei eine besondere Rolle ein – nicht nur sportlich, sondern auch im internationalen Kontext. Als einziger französischer Fahrer im Starterfeld der Masters-Klasse trägt er gewissermaßen die Flagge einer Nation, die im Motocross traditionell zu den stärksten gehört. Seine Formkurve aus dem Vorjahr spricht für sich, und wenn er an die zweite Saisonhälfte 2025 anknüpfen kann, ist er mehr als nur ein Mitfahrer im Titelkampf.

Auch Noah Ludwig hat die Phase hinter sich gelassen, in der es nur um Entwicklung ging. Vier Jahre in der Klasse, erster Gesamtsieg – jetzt geht es nicht mehr um Erfahrung sammeln, sondern um Ergebnisse.

Dazu kommen Namen wie Jörgen-Matthias Talviku, der besonders im Sand zur echten Waffe wird, oder Tom Koch, der nach seinem Factory-MXGP-Ausflug mit neuem Blick zurückkehrt. Gerade solche Faktoren sind schwer greifbar – aber oft entscheidend.

Und dann ist da noch die Kategorie „Unberechenbar“: Fahrer wie Hakon Fredriksen haben bereits gezeigt, dass sie Rennen gewinnen können – die Frage ist nur, ob sie es über eine ganze Saison stabil hinbekommen.

Youngster Cup: Titelverteidigung mit Fragezeichen

Im ADAC MX Youngster Cup verschiebt sich der Fokus leicht. Hier geht es weniger um Erfahrung – und mehr um Entwicklung in Echtzeit.

Titelverteidiger Mads Fredsoe bringt sportlich alles mit, um wieder ganz vorne zu fahren. Seine Ruhe, seine Konstanz und sein Rennverständnis waren 2025 der Schlüssel zum Titel. Doch der Winter verlief nicht ganz reibungslos: Nach einem Crash in Frauenfeld geht Fredsoe angeschlagen in die neue Saison. Wie schnell er wieder bei 100 Prozent ist, dürfte ein entscheidender Faktor im Titelrennen werden.

Direkt daneben positioniert sich mit Liam Owens ein Fahrer, der ihn besser kennt als jeder andere. Gemeinsames Training, identisches Material – hier entscheiden oft Details.

Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick vor allem auf Valentin Kees. Seine Entwicklung war in den letzten Jahren konstant – und genau das ist in dieser Klasse oft der Schlüssel. Weniger spektakulär, aber dafür stabil.

Junior Cup 125: Die unberechenbare Übergangsklasse

Kaum eine Klasse ist so schwer einzuschätzen wie der ADAC MX Junior Cup 125. Der Mix aus erfahrenen Fahrern und hungrigen Rookies sorgt jedes Jahr für Überraschungen.

Mit Max Meyer und Finn Lange stehen zwei Namen im Fokus, die wissen, wie man vorne fährt. Erfahrung auf dem Bike ist hier ein klarer Vorteil – gerade wenn die Bedingungen schwierig werden.

Gleichzeitig rücken mit Fahrern wie Junior Cup 85 Champion Lucas Leok neue Namen nach, die das Tempo aus den kleineren Klassen direkt mitbringen. Genau diese Dynamik macht die Klasse so unberechenbar – und so spannend.

Junior Cup 85: Rohes Talent, klare Duelle

In der kleinsten Klasse geht es weniger um Taktik – und mehr um Instinkt. Hier entstehen die ersten echten Rivalitäten.

Harry Dale bringt das vielleicht größte Momentum mit. Starker Saisonstart 2025, dann ein kleiner Einbruch – genau solche Erfahrungen formen Fahrer in dieser Phase. Mit Luca Nierychlo steht ihm ein direkter Konkurrent gegenüber, der über die Saison hinweg konstanter war. Der Abstand im Vorjahr war minimal – und genau das deutet darauf hin, dass sich hier ein echtes Duell entwickeln kann.

Dahinter lauern weitere Talente, die jederzeit eingreifen können. Gerade in dieser Klasse reicht oft ein gutes Wochenende, um die gesamte Meisterschaft neu zu ordnen.

Eine Saison ohne klare Antworten

Wenn man all das zusammenführt, ergibt sich kein klares Bild – und genau das macht die Saison 2026 so interessant.

In der Masters-Klasse fehlt die eindeutige Hierarchie, im Youngster Cup hängt viel an der körperlichen Verfassung des Titelverteidigers, und im Junior-Bereich ist ohnehin alles offen. Es gibt Favoriten – aber keine Garantie.

Und vielleicht ist genau das der Punkt: Diese Saison wird nicht von einem Fahrer dominiert werden. Sie wird von vielen entschieden.