St. Louis ruft – Titelkampf spitzt sich im Dome weiter zu

Das Opening beim St. Louis Supercross

Das Opening beim St. Louis Supercross. / Foto: Feld Entertainment

Nach dem wilden Abend von Detroit geht die AMA Supercross Championship in ihre nächste entscheidende Phase. Runde 12 führt das Feld in den legendären Dome at America’s Center in St. Louis – und selten war die Ausgangslage so eng, so offen und gleichzeitig so aufgeladen wie jetzt.

Was Detroit hinterlassen hat, ist kein klares Bild. Sondern ein Titelrennen, das plötzlich wieder komplett aufgerissen ist.

Tomac führt – aber ohne Dominanz

Eli Tomac reist mit dem Red Plate nach St. Louis. Vier Punkte Vorsprung sind es aktuell – ein denkbar knappes Polster, wenn man bedenkt, dass noch sechs Rennen ausstehen.

Dabei wirkt Tomac alles andere als unangreifbar. Detroit war kein Auftritt eines dominanten Tabellenführers, sondern eher ein Paradebeispiel für Schadensbegrenzung auf höchstem Niveau. Platz fünf, während andere patzen – genau so kommt man zurück an die Spitze.

Interessant: Trotz Führung spricht Tomac selbst von einer schwierigen Phase. Kein Selbstläufer, kein Flow, eher Arbeit. Genau das macht ihn aktuell gefährlich – weil er auch ohne Topform liefert.

Und St. Louis? Könnte genau der Ort sein, an dem sich zeigt, ob er die Kontrolle wirklich zurückgewonnen hat.

Roczen bringt sich zurück ins Titelrennen

Während Tomac Punkte sammelte, setzte Ken Roczen in Detroit das sportliche Ausrufezeichen. Sieg Nummer 25 in der 450SX-Klasse, dazu ein weiterer Meilenstein in einer ohnehin außergewöhnlichen Karriere.

Viel wichtiger als die nackten Zahlen: Roczen ist plötzlich wieder mittendrin im Titelkampf. Nur noch 14 Punkte Rückstand – das ist in dieser Phase der Saison absolut greifbar.

Auffällig ist dabei vor allem die Art, wie er Rennen aktuell gewinnt. Nicht durch pure Überlegenheit, sondern durch Kontrolle. Linienwahl, Rhythmuswechsel, Gefühl für die Strecke – Roczen wirkt derzeit wie einer, der genau weiß, wann er attackieren muss und wann nicht.

Dass Suzuki erstmals seit 2016 wieder mehrere Siege in einer Saison einfährt – damals ebenfalls mit Roczen – passt ins Bild. Die Kombination funktioniert.

Sexton zurück – und sofort ein Faktor

Auch Chase Sexton hat sich in Detroit zurückgemeldet. Nach drei verpassten Rennen stand er direkt wieder auf dem Podium – sein 47. in der 450SX-Klasse.

Was das Ergebnis besonders macht: Sexton ist noch nicht bei hundert Prozent. Das hat er selbst klar angesprochen. Die Rennhärte fehlt noch ein Stück, körperlich merkt er die Pause, und trotzdem reicht es sofort für Platz zwei.

Das ist ein klares Signal an die Konkurrenz. Wenn Sexton in den kommenden Wochen wieder komplett reinkommt, wird er nicht nur um Podien fahren – sondern um Siege.

Und genau das macht die Situation vor St. Louis so brisant: Plötzlich ist da wieder ein dritter ernsthafter Siegkandidat im Titelrennen.

Stewart mit Befreiungsschlag

Nicht vergessen sollte man Malcolm Stewart. Sein erstes Podium der Saison in Detroit war mehr als nur ein gutes Ergebnis. Es war ein Befreiungsschlag.

Nach einem schwierigen Start ins Jahr zeigte er, dass er weiterhin vorne mitfahren kann. Acht Podestplätze in der 450SX-Karriere sind kein Zufall – und gerade auf technisch anspruchsvollen Strecken könnte er auch in St. Louis wieder eine Rolle spielen.

Der Dome: Tradition, Druck und eigene Gesetze

Der Austragungsort selbst bringt eine ganz eigene Geschichte mit. Der Dome at America’s Center ist eines der traditionsreicheren Indoor-Stadien im Supercross-Kalender. Seit Mitte der 90er-Jahre ist St. Louis immer wieder Teil der Serie – mit einer interessanten Eigenheit:

Wer hier gewinnt, wird nicht automatisch Champion.

Nur rund 40 Prozent der St. Louis-Sieger holen am Ende auch den Titel. Und noch deutlicher: In den letzten Jahren hat kein Sieger in St. Louis die Meisterschaft gewonnen.

Das macht dieses Rennen so spannend. Es ist kein klassischer „Titelmacher“, sondern eher ein Prüfstein. Wer hier stark ist, zeigt, dass er bereit ist – aber garantiert ist noch nichts.

250SX: Davies setzt die Messlatte

Auch in der 250SX-Klasse spitzt sich die Lage zu. Cole Davies kommt mit drei Siegen in Folge nach St. Louis und führt die Eastern Division.

Acht Podien in den ersten 14 Starts sprechen eine klare Sprache. Gleichzeitig sitzen ihm Fahrer wie Seth Hammaker und Jo Shimoda dicht im Nacken.

Besonders brisant: In St. Louis steht ein East/West Showdown an. Damit treffen die besten Fahrer beider Küsten zum zweiten Mal in dieser Saison direkt aufeinander – zusätzliche Würze für ein ohnehin enges Feld. Die spannende Frage: Wird Haiden Deegan erneut dominieren?

Alles offen – und genau das macht es gefährlich

Die Ausgangslage vor St. Louis lässt sich eigentlich auf einen Punkt bringen: Es gibt keinen klaren Favoriten.

Tomac führt, aber ohne Dominanz. Roczen gewinnt, aber ist noch in der Verfolgung. Sexton kommt zurück und wird schneller. Dazu ein Stadion mit eigener Geschichte und ein Titelkampf, der enger kaum sein könnte.

St. Louis wird kein Finale. Aber es könnte der Moment sein, in dem sich entscheidet, wer in den letzten Saisonrennen wirklich die Kontrolle übernimmt.

Der Track

St. Louis ist bekannt für:

  • Enge Rhythmus-Streckenabschnitte, die Präzision belohnen
  • Tiefe Spurrillen, die sich im Hauptrennen schnell bilden
  • Technische Whoop-Abschnitte, die über Sieg oder Niederlage entscheiden können

Der Start wird entscheidend sein. Die Position auf der Strecke in der Anfangsphase könnte über den Podiumsplatz entscheiden.

Der Track des St. Louis Supercross 2026
Der Track des St. Louis Supercross 2026

Zeitplan des St. Louis Supercross 2026

Training & Qualifying (MESZ)

18:47 – 18:59 Uhr 250SX Overflow Qualifying
19:04 – 19:16 Uhr 250SX East Qualifying
19:21 – 19:33 Uhr 250SX West Qualifying

19:38 – 19:50 Uhr 450SX Gruppe A Qualifying
19:55 – 20:07 Uhr 450SX Gruppe B Qualifying
20:12 – 20:24 Uhr 450SX Gruppe C Qualifying

21:14 – 21:26 Uhr 250SX Overflow Qualifying
21:31 – 21:43 Uhr 250SX West Qualifying
21:48 – 22:00 Uhr 250SX East Qualifying

22:10 – 22:22 Uhr 450SX Gruppe A Qualifying
22:27 – 22:39 Uhr 450SX Gruppe B Qualifying
22:44 – 22:56 Uhr 450SX Gruppe C Qualifying

Abendprogramm & Rennen (MESZ)

(Nacht von Samstag auf Sonntag)

01:06 – 01:14 Uhr 250SX West Heat
01:20 – 01:28 Uhr 250SX East Heat

01:34 – 01:42 Uhr 450SX Heat 1
01:48 – 01:56 Uhr 450SX Heat 2

02:21 – 02:28 Uhr 250SX LCQ
02:32 – 02:39 Uhr 450SX LCQ

02:57 – 03:14 Uhr 250SX East/West Showdown Main Event
03:29 – 03:51 Uhr 450SX Main Event