Warum Tom Koch 2026 wieder angreifen will
Tom Koch will mit Sarholz KTM im Jahr 2026 einen Neuanfang starten. / Foto: Ray Archer
Manchmal braucht es im Motocross einen Schritt zurück, um den nächsten nach vorne machen zu können. Für Tom Koch könnte genau das die Geschichte der Saison 2026 werden. Nach einem schwierigen Jahr in der Motocross-Weltmeisterschaft mit dem Beta-Werksteam kehrt der Thüringer zurück ins ADAC MX Masters – dorthin, wo ein großer Teil seiner Karriere aufgebaut wurde.
Doch die Rückkehr zum KTM Sarholz Racing Team ist für Koch mehr als nur ein sportlicher Richtungswechsel. Sie ist auch eine bewusste Entscheidung für ein Umfeld, in dem Vertrauen, Gefühl und Freude am Fahren wieder im Mittelpunkt stehen.
Ein MXGP-Jahr, das nicht so lief wie geplant
Wenn Koch über seine MXGP-Saison 2025 spricht, wirkt er ehrlich und selbstkritisch. Der Wechsel in ein Factory-Team sollte eigentlich der nächste Schritt in seiner Karriere werden. Stattdessen wurde das Jahr zu einer Mischung aus Erwartungen, Anpassungsproblemen und Ergebnissen, die hinter den eigenen Ansprüchen zurückblieben. „Um ehrlich zu sein, sehr durchwachsen. Ich habe mir das ein bisschen anders ausgemalt“, sagt Koch rückblickend.
Mehrere Faktoren hätten dazu geführt, dass er sich auf dem Motorrad nicht vollständig wohlgefühlt habe. Und genau dieses Gefühl sei im Motocross entscheidend. „Wenn ich kein gutes Gefühl auf dem Motorrad habe und sich im Leben auch etwas falsch anfühlt, dann kann ich auch keine High Performance erwarten.“
Gerade diese Erfahrung nimmt er aus dem Jahr 2025 mit. Für Koch ist klar geworden, wie wichtig das Gesamtpaket aus Motorrad, Team und persönlichem Umfeld ist.
Zurück zu Sarholz – zurück zu vertrauten Strukturen
Die Entscheidung für das KTM Sarholz Racing Team fiel deshalb nicht zufällig. Koch kennt das Team aus erfolgreichen Zeiten – unter anderem aus seiner Phase im ADAC MX Youngster Cup, in der er den Titel gewann. Vor allem zwei Personen spielten bei der Rückkehr eine wichtige Rolle: Teamchef André Sarholz und Mechaniker Gerrit Knipprath.
Der Kontakt zu beiden war nie abgebrochen, und genau dieses Vertrauen gab am Ende den Ausschlag. „Ich wusste immer, dass das Team gute Arbeit leistet und gute Motorräder hat“, erklärt Koch. „Vor allem komme ich extrem gut mit Gerrit aus. Er gibt alles, und das war für mich ein großer Faktor.“
Dass Sarholz kein klassisches Werksteam ist, sieht Koch dabei nicht als Nachteil. Im Gegenteil: In der Vorbereitung konnte er intensiv testen und viele Details am Motorrad anpassen. „Ich habe schon sehr viel getestet und verschiedene Teile ausprobiert, um das Motorrad auf mich abzustimmen.“
Vorbereitung mit vertrautem Umfeld
Auch abseits der Rennstrecke setzt Koch wieder stärker auf vertraute Strukturen. Er lebt erneut in seiner Heimat Thüringen, wo er optimale Trainingsmöglichkeiten hat und sich außerhalb des Sports am wohlsten fühlt.
Trainiert wird unter anderem gemeinsam mit Paul Haberland und Fahrern aus der KS-Sportsworld-Trainingsgruppe. Das Fitnesstraining übernimmt weiterhin Konrad Smolinski, während Koch auf dem Motorrad regelmäßig mit Marcus Schiffer arbeitet.
Die Vorbereitung verlief trotz schwieriger Winterbedingungen reibungslos. Viel Regen und Schnee machten das Training nicht einfacher, doch Koch nutzte die Zeit intensiv für Abstimmungsarbeit am Motorrad – unter anderem gemeinsam mit Pepper Motorsport am Fahrwerk.
Das Ergebnis: ein Motorrad, das ihm bereits vor Saisonbeginn viel Vertrauen gibt.
Neue Aufgabe im ADAC MX Masters
Neben der sportlichen Rückkehr übernimmt Koch 2026 auch eine neue Rolle im Fahrerlager. Nachdem sein Bruder Tim Koch seine aktive Karriere beendet hat, wurde Tom vom ADAC als neuer Fahrersprecher im ADAC MX Masters gefragt.
Für ihn eine Aufgabe, die er bewusst angenommen hat. „Ich denke, ich habe genug Erfahrung und einen gesunden Menschenverstand, um viele Situationen gut einschätzen zu können.“ Dabei geht es vor allem um Themen wie Streckenpräparation, Sicherheit oder Abläufe während der Rennen – Dinge, die Fahrer oft anders beurteilen können als Außenstehende.
Der Titel – und ein alter Rivale
Sportlich gehört Koch im ADAC MX Masters seit Jahren zu den konstantesten Fahrern. Seit 2020 beendete er die Serie immer in den Top Drei, drei Mal sogar als Vizemeister. Die Frage nach dem fehlenden Titel beantwortet er mit Humor. „Ich würde sagen, Max Nagl war immer da“, sagt er lachend.
Tatsächlich spielte Nagl in den vergangenen Jahren eine entscheidende Rolle im Titelkampf. Gleichzeitig verhinderten auch Verletzungen bei Koch selbst den ganz großen Wurf – etwa eine Fußverletzung 2022 oder eine Wirbelverletzung zu Beginn der Saison 2024.
Für 2026 sieht er seine Chancen trotzdem gut. Geschwindigkeit und Konstanz seien vorhanden. Der entscheidende Punkt könnten bessere Starts sein – genau dort möchte er ansetzen.
Ein offener Titelkampf im Masters
Auch die Konkurrenz wird stark sein. Neben Max Nagl nennt Koch unter anderem Roan van de Moosdijk, Max Spies und Jordi Tixier als mögliche Titelkandidaten. Wie sich die Kräfteverhältnisse wirklich entwickeln, werde sich jedoch erst in den ersten Rennen zeigen. „Das kann man immer schwer vorhersagen. Letztendlich wird man es bei den ersten Veranstaltungen sehen.“
Ein Fahrer mit neuer Perspektive
Nach zwei schwierigen Jahren wirkt Tom Koch vor dem Start in die ADAC MX Masters Saison 2026 erstaunlich klar in seiner Analyse. Das MXGP-Werks-Abenteuer hat ihn sportlich nicht dorthin gebracht, wo er wollte – aber es hat ihm gezeigt, was er braucht, um wieder auf höchstem Niveau zu fahren.
Die Rückkehr zu Sarholz, das vertraute Umfeld und ein Motorrad, dem er vertraut, geben ihm nun genau diese Grundlage.
Oder wie Koch es selbst formuliert: „Vom Speed und von der Konstanz sehe ich mich wieder ganz vorne. Jetzt möchte ich einfach mein Bestes geben – und natürlich um den Meistertitel fahren.“
