SuperEnduro-Finale ohne Billy Bolt – Mitch Brightmore nutzt die Chance
Mitch Brightmore (#12) siegte beim Finale der SuperEnduro WM 2026. / Foto: Sport UP Agency
Das Saisonfinale der SuperEnduro-Weltmeisterschaft 2026 in Douai stand ganz im Zeichen einer ungewöhnlichen Ausgangslage. Der dominierende Mann der Serie fehlte. Billy Bolt, der sich bereits beim vorletzten Lauf seinen sechsten Weltmeistertitel gesichert hatte, reiste nicht nach Frankreich. Der Grund: Die Geburt seines ersten Kindes steht unmittelbar bevor. Für den Briten hatte in diesem Moment die Familie Vorrang – und damit endete gleichzeitig seine jahrelange, ununterbrochene Startserie in der Indoor-WM.
Sportlich öffnete seine Abwesenheit das Feld. Plötzlich war der Weg frei für neue Sieger – und genau das sollte der Abend liefern.
Eine Strecke, die kaum Rhythmus erlaubte
Auch die Strecke selbst sorgte für Gesprächsstoff. Der Kurs in Douai war alles andere als flüssig: riesige Reifen direkt vor engen 90-Grad-Kurven, rutschige Baumstämme, tiefe Spurrillen und ein langer Steingarten mit anschließendem Drop vor einem Tabletop. Selbst der Zielsprung landete flach.
Viele Fahrer beschrieben das Layout später als „awkward“. Andere formulierten es deutlicher: Die Strecke wirkte, als hätte sie jemand entworfen, der Fahrer wirklich leiden sehen wollte. Gerade auf solchen Kursen sind präzise Linien und saubere Technik entscheidend – Eigenschaften, die besonders Eddie Karlsson auf der elektrischen Stark sowie die Brightmore-Brüder perfekt umzusetzen wussten.
Karlsson schnappt sich die SuperEnduro-Superpole
Im Superpole-Shootout setzte zunächst Ash Brightmore die Bestmarke. Bruder Mitch blieb knapp dahinter, während Jonny Walker mit einem Sturz seine Ausgangsposition für den Abend deutlich verschlechterte. Den letzten Auftritt des Shootouts nutzte schließlich Eddie Karlsson, der die schnellste Runde des gesamten Wochenendes fuhr und sich damit seine erste Superpole sicherte.
Prestige-Rennen 1: Brightmore holt seinen ersten Laufsieg
Im ersten Prestige-Lauf erwischte Karlsson den besten Start und übernahm früh die Führung. Hinter ihm folgten Ash Brightmore und Manuel Lettenbichler, während Jonny Walker bereits in der ersten Runde stürzte und das Feld von hinten aufrollen musste.
Vorne entwickelte sich währenddessen ein packender Zweikampf. Mitch Brightmore arbeitete sich zunächst an Lettenbichler vorbei und übernahm wenig später Rang zwei, nachdem sein Bruder Ash im Steinfeld zu Boden gegangen war.
Karlsson und Brightmore lieferten sich anschließend ein intensives Duell um den Sieg. Beide Fahrer waren noch ohne Prestige-Laufsieg – entsprechend kompromisslos wurde gefahren. Mehrfach wechselte die Führung, bis Brightmore schließlich eine kleine Lücke herausfuhr und seinen ersten Prestige-Rennsieg ins Ziel brachte.
Walker kämpfte sich trotz Rippenproblemen noch auf Rang fünf nach vorne. In der WM-Wertung schrumpfte sein Vorsprung auf Mitch Brightmore damit auf nur noch drei Punkte.
Prestige-Rennen 2: Walker kontert – Brightmore stürzt im entscheidenden Moment
Der zweite Lauf begann mit einem aggressiven Start von Jonny Walker. Der Triumph-Pilot wusste, dass er im Kampf um Platz zwei der Weltmeisterschaft Punkte verteidigen musste. Hinter ihm entbrannte erneut ein harter Kampf zwischen Karlsson und Mitch Brightmore, während Lettenbichler ebenfalls Druck machte. Als Toby Martyn vor ihnen stürzte, rückte Brightmore plötzlich direkt an Walker heran.
Der Abstand schmolz erst in der Schlussphase. Kurz vor der Ziellinie setzte Brightmore alles auf eine Karte und versuchte ein Block-Manöver. Beide Fahrer kollidierten in der Luft – Brightmore ging zu Boden und Lettenbichler nutzte die Situation, um Rang zwei zu übernehmen.
Für Brightmore war dieser Moment praktisch der Sargnagel für seine Hoffnung auf WM-Platz zwei.
Prestige-Rennen 3: Brightmore krönt den Abend
Im finalen Lauf übernahm zunächst Karlsson die Führung vor Teamkollege Toby Martyn. Doch Mitch Brightmorezeigte erneut seine starke Form und setzte sich bereits in der zweiten Runde an die Spitze. Von dort aus kontrollierte er das Rennen und baute einen komfortablen Vorsprung auf.
Hinter ihm entwickelte sich ein intensiver Kampf um die restlichen Podiumsplätze. Walker lieferte sich ein Duell mit Karlsson, während Ash Brightmore mit einem spektakulären Angriff versuchte, sich ebenfalls nach vorne zu schieben – dabei jedoch in Walker hineinrutschte.
Der Triumph-Pilot konnte das Motorrad wieder aufnehmen und verteidigte seine Position bis ins Ziel.
Vorne fuhr Mitch Brightmore unbeirrt weiter und sicherte sich schließlich seinen ersten Gesamtsieg in der Prestige-Klasse.
Walker erneut Vizeweltmeister – Stark schreibt Geschichte
Mit seinem zweiten Platz des Abends verteidigte Jonny Walker auch WM-Rang zwei hinter Billy Bolt. Eddie Karlsson wurde nach Punktegleichstand mit Walker Dritter des Abends und beendete die Saison auf Gesamtrang vier, gefolgt von Toby Martyn auf Platz fünf.
Für einen weiteren historischen Moment sorgte Stark Future. Die Elektro-Marke sicherte sich in ihrer erst zweiten SuperEnduro-Saison den Herstellertitel – ein starkes Zeichen im Duell mit den klassischen Verbrenner-Bikes.
So endete die SuperEnduro-Saison 2026 mit einem Abend voller Premieren: neue Sieger, ein neuer Hersteller-Champion – und einem Finale, das eindrucksvoll zeigte, wie offen die Serie sein kann, wenn der dominierende Weltmeister einmal nicht am Start steht.
