#wahreHelden – Timo Specht im Interview

Timo Specht auf seiner umgebauten Honda/ Foto: Yvonne Hagemeier YVYPYX

Timo Specht auf seiner umgebauten Honda/ Foto: Yvonne Hagemeier YVYPYX

Im Motorsport und somit auch im Motocross geht es primär immer um Erfolg, Meisterschaften und Titel. Zumindest im Spitzensport. 
Im Regio– Cup zählen auch wesentlich wichtigere Werte wie Spaß, Freundschaft, Zusammenhalt, familiäres Miteinander und Hingabe zum Sport zu den Attributen, die unseren Lieblingssport zu dem machen was er ist.

Der ambitionierte Hobbyfahrer, der aufopferungsvolle Schrauber–Papa, der Trainingsweltmeister, der Schönwetterfahrer, die vielen ehrenamtlichen Organisatoren, Helfer, die Pokaljäger, die Familien und viele viele mehr. Von allen diesen, steht der ein oder andere mal öfter im „Rampenlicht“ bzw. im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit. Weil er oder sie viel und oft gewinnt oder weil er oder sie ein tolles Bike fährt oder sonst was. Aber die #wahrenHelden sind oft die, die man eher seltener oder zum Teil gar nicht wahrnimmt, weil sie eben in keiner Ergebnisliste oben auftauchen aber trotzdem diese ganze, diese unsere Sache Motocross, mit zu dem machen was wir alle so lieben. 

Marcel Pflitsch nutzte die Möglichkeit zu einem Gespräch mit dem nicht ganz so normalen aber dafür umso außergewöhnlichen MX–Sportler, Timo Specht, aus dem Örtchen Spenge. Im Raum Ostwestfalen dürfte der ein oder andere schonmal Timo auf oder an der Strecke gesehen haben. In Laubuseschbach war endlich Zeit für ein längst fälliges Interview mit dem sympathischen Hondafahrer aus der Leistungsklasse 3 des Nordrhein MX Cup. 

Hi Timo. Erzähl uns was‘ über dich: wie alt bist du, seit wann fährst du MX und wie bist du zum Sport gekommen?

Ich bin 20 Jahre alt und fahre seit ungefähr 8 Jahren Motocross. Ich kam dazu weil ein Kumpel aus der Grundschule eine PW 80 oder sowas hatte, irgendsoein Halbautomatik Teil. Er fuhr damit rum und dann habe ich zwei Jahre lang meine Eltern genervt weil ich auch sowas haben wollte. Mein Papa hat dann ein Pocket Bike gekauft und viel rumgetüftelt, wie man am besten das Gas auf links legen kann. Ihm kam dann die Idee mit dem Daumengas. Damit bin ich dann bei uns auf´m Hof rumgefahren aber, Pocket Bike halt, ging das Ding immer kaput(lacht). Danach kam dann so eine alte 150er Viertakt Honda und damit ging’s zum ersten Mal in den MX Park Münster. So Endstand das dann und wurde immer mehr und mehr. 

Was machst du Abseits des Sports? Bist du noch Schüler oder machst du eine Ausbildung?

Ich bin gerade dabei mein Abitur zu beenden und stehe kurz vor den Prüfungen. Im Moment lerne ich daher viel und danach will ich eine Ausbildung anfangen. 

Du bist mit einen Arm bzw. einer Hand gehandicapt. Das ist sicherlich im normalen Alltag manchmal kompliziert… Wie zum Teufel bist du auf die Idee gekommen Motocrossrennen zu fahren?

Da ich seit meiner Geburt damit lebe, habe ich von klein auf gelernt immer einen anderen Weg zu finden als andere die Dinge machen. Normalerweise finde ich immer eine Lösung. Ich mache vieles zwar auf eine andere Weise aber es funktioniert halt. Irgendwie habe ich mir in den Kopf gesetzt das ich Moped fahren will und zum Glück hat mein Vater versucht das dann auch umzusetzen und so hat’s dann auch geklappt. 

Wie funktioniert dein Bike? Du fährst eine Honda 250F. Wie wurde dein Bike umgebaut bzw auf dich angepasst und wer unterstüzt dich dabei?

Anfangs haben wir die Umbauten immer selber gemacht. Heute unterstützt uns ZWEIRAD BROCKMEYER aus Spenge. Zusammen haben wir das so quasi ausgetüftelt, einen der zwei Gaszüge der Honda sozusagen stillzulegen. So habe ich für das Daumengas wie beim Zweitakter nur einen Gaszug was sich bisher super bewährt hat. Kupplungsmäßig ist alles ganz normal und die Vorderradbremse nutze ich nicht. Ich brauche die Hinterradbremse und nutze die Motorbremse, was zB hier in Laubuseschbach auch dringend notwendig ist, weil nur mit Hinterradbremse würde ich hier an den Hängen wohl nur schneller(lacht). Sonst ist nix umgebaut. Links habe ich halt einen normalen Griff. 

Was sagen die Leute wenn sie hören das du Rennen fährst? 

Wenn man ganz zum Anfang zurückgeht, als ich damit anfing, haben alle gesagt und meine Eltern seien verrückt das ich sowas machen würde und sie es zulassen. Mittlerweile kommen aber die Leute regelmäßig und zollen Respekt oder sagen wie gut ich das alles machen würde.

Was sagen deine Eltern..? 

(Antwort von Timos Papa): Timo liebt den Sport und wir versuchen ihn bestmöglich zu unterstützen. Mehr können wir nicht machen. Wir sehen ihn selber sehr gerne fahren und mögen Motorsport generell.

Du bist jemand besonderes. Ist schonmal jemand von der Lokalpresse oder sogar das Fernsehen auf dich aufmerksam geworden? 

Nein. Niemand. Noch nie. 

Kennst du noch andere Motocrosser mit „Handicap“? 

Nein persönlich nicht. 

Wer dich noch nie hat fahren gesehen kann sich das womöglich schwer vorstellen aber du fährst unglaublich smooth, hast eine bessere Technik als viele andere und lässt so manchen deiner Gegner hinter dir recht alt aussehen. Wie oft trainierst du, hast du spezielle Trainingsmethoden? Was sind deine Stärken beim Racing und wo würdest du dich gerne noch verbessern?

Die Technik kann ich halbwegs, das klappt ganz gut. Ich schaffe es auch gut das Motorrad mit den Beinen einzuklemmen, sonst könnte ich es ja auch gar nicht halten. Ich muss halt viel mit den Beinen arbeiten. Verbessern würde ich gerne meine Kurvengeschwindigkeit und ich möchte noch flüssiger fahren irgendwie. Dadurch das mir die Vorderradbremse fehlt ist es eh´ schwierig einen späten Bremspunkt zu finden. Außerdem denke ich mir manchmal ich könnte mir zB noch mehr zutrauen. Manchmal denke ich nein das geht vielleicht nicht zu springen und dann geht es doch. Ich wäre dann gerne mutiger weil ich mich nicht gleich traue. 

Wer unterstüzt dich an der Rennstrecke?

Ich fahre fürs Stricksner Racing Team und unser Teamchef unterstützt uns sehr stark. Außerdem versucht er auch so oft es geht dabei zu sein wenn er kann. Sonst ist eigentlich immer mein Vater dabei und meine Mutter kommt auch oft nach weil sie sich sehr dafür interessiert. Ansonsten erhalten wir halt wie gesagt Support von ZWEIRAD BROCKMEYER bei uns aus dem Ort. 

Wenn man dich im Fahrerlager sieht, kommst du sehr gechillt rüber und man sieht dich immer lächeln. Das imponiert mir. Viele (inkl. meiner Person) sind ja oft mürrisch, unzufrieden, suchen nach Ausreden… Du scheinst sowas nicht zu kennen.

Wenn es so wie hier zB mal so matschig ist oder so, dann gibts auch mal so Momente wo ich keinen Bock habe. Ich finde den Sport und das Umfeld, die ganze Szene generell so geil, bin hier gerne Unterwegs und habe so viel Spaß. Es gibt auch mal Situation wo ich eigentlich keine Lust habe aber das gleicht sich halt alles irgendwie wieder aus. Der Sport ist ein toller Ausgleich zur Schule und so. 

Letztes Jahr nach dem Rennen in Reil gabs hier schonmal einen kleinen Text über dich und ich habe dich vollkommen zu Recht als „wahren Helden und ein echtes Vorbild“ betitelt. Wie siehst du dich selbst? 

(lacht) Ehrlich gesagt habe ich da noch nie drüber nachgedacht. Eigentlich eher weniger. Ich sehe halt anderen zu und denke mir wie geil es wäre wenn man mal so fahren könnte aber mich selber so als Vorbild…..eigentlich gar nicht. 

Was ist dein größter Wunsch oder Traum in Sachen Motocross? 

Was ganz cool wäre wenn ich jemanden finden würde der Lust hätte mich zu unterstützen oder so. Das wäre ganz geil. Und wenn’s mal klappt würde ich gerne mal nach Amerika um da ein Rennen zu gucken oder Ken Roczen mal persönlich zu treffen , das wäre ganz geil. 

Welche Ziele setzt du dir vor der Saison und was möchtest du dieses Jahr gerne erreichen? 

Das ist jetzt die zweite Saison die ich mitfahre. Letztes Jahr bin ich ja schon bis auf Grevenbroich und Veldhoven alles mitgefahren aber so ein wirkliches Ziel oder so habe ich nicht. Ich will Spaß haben und das Feeling erleben. Ich fahre ja nicht da vorne mit rum aber ich liebe das Gefühl hier dabei zu sein und mitzumachen. Wie die meisten hier denke ich mal. 

Menschen wie Timo zu treffen, zu sehen und zu hören wie er die Dinge angeht, motiviert und veranlasst dazu, sich und seine eigene Haltung auch mal zu hinterfragen. Und das nicht nur in Sachen MX….!

Text: Marcel Pflitsch

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