Vorschau Nashville Supercross: Roczen jagt Sieg Nummer 27

Das Stadium der Tenneessee Titans aus Nashville ist 2026 Austragungsort der 13ten AMA Supercross Runde

Das Stadium der Tenneessee Titans aus Nashville ist 2026 Austragungsort der 13. AMA Supercross Runde. / Foto: Feld Entertainment

Mit Nashville erreicht die AMA-Supercross-Saison 2026 einen jener Punkte, an denen aus Tabellenständen echte Drucksituationen werden. Runde 13 im Nissan Stadium – der Heimstätte der Tennessee Titans mit 69.143 Plätzen – ist mehr als nur der nächste Kalenderstopp. Die Meisterschaft ist in beiden Klassen eng, die Formkurven driften auseinander, und die Vergangenheit zeigt: Wer in Nashville patzt, verliert oft mehr als nur ein paar Punkte.

Nashville ist jung – und längst ein Schlüsselrennen

Dass Nashville erst seit 2019 wieder fester Bestandteil des Supercross-Kalenders ist, täuscht über seine sportliche Bedeutung hinweg. In erstaunlich kurzer Zeit hat sich das Nissan Stadium zu einem Ort entwickelt, an dem Titelrennen kippen.

Schon die erste 250SX-Ausgabe schrieb genau so eine Geschichte. 2019 gewann Martin Davalos zwar das Rennen, doch die eigentliche Wendung spielte sich im Titelkampf dahinter ab: Austin Forkner kam mit 26 Punkten Vorsprung nach Nashville, verletzte sich im Training und verlor damit die Kontrolle über die Meisterschaft. Chase Sexton nutzte die Vorlage, wurde Zweiter – und legte den Grundstein für seinen späteren Titelgewinn.

Es war das erste Signal dafür, welchen Charakter Nashville entwickeln würde.

Bemerkenswert: Sexton wiederholte dieses Muster. Auch 2023 kam er in der 450SX-Klasse mit Rückstand nach Nashville – und erneut wurde dort das Momentum gedreht. Zweimal hat er in Tennessee einen Rückstand in eine Titelchance verwandelt. Genau das macht diesen Austragungsort so besonders: Nashville belohnt nicht nur Stärke, sondern bestraft Schwäche sofort.

Roczen kommt mit maximalem Druck nach vorne

Ken Roczen reist als derzeit gefährlichster Mann im Feld nach Tennessee. Der Suzuki-Pilot hat in St. Louis seinen 26. Karriere-Sieg in der 450SX-Klasse eingefahren und damit Bob Hannahs historische Marke von 27 Erfolgen direkt vor sich.

Die Zahl dahinter ist fast noch aussagekräftiger: 13 dieser 26 Siege hat Roczen auf Suzuki geholt – exakt die Hälfte seiner gesamten 450SX-Erfolge. Für Suzuki ist das die stärkste Roczen-Serie seit Jahren, für Roczen selbst bedeutet es vor allem eines: Er ist zurück mitten im Titelkampf.

Zum ersten Mal seit der Indianapolis-Serie 2021 hat er wieder zwei Rennen in Folge gewonnen. Damals war er ebenfalls in Schlagdistanz zur Meisterschaft. Genau dort steht er jetzt wieder – nur fünf Punkte hinter der Spitze. Roczen könnte nach seinem Sturz im letzten Jahr dennoch mit einem mulmigen Gefühl in Tennessee anreisen. 2025 explodierte der hintere Dämpfer an seiner Suzuki und brachten Deutschen zu Fall.

Tomac gegen Lawrence – und Roczen mitten drin

An der Spitze der Gesamtwertung stehen Eli Tomac und Hunter Lawrence punktgleich. Offiziell trägt Tomac noch die Führungsposition, doch die Formkurve des KTM-Stars zeigt nach unten: Seine letzten fünf Resultate lesen sich wie ein schleichender Rückzug – 1, 2, 3, 5, 6.

Hunter Lawrence wirkt dagegen stabiler. Nach seinem Rückschlag in Detroit hat sich der Australier mit dem Podium in St. Louis sofort zurückgemeldet und sich den geteilten Red-Plate-Status zurückgeholt. Neun Podestplätze in dieser Saison machen ihn statistisch zum konstantesten Titelanwärter – doch Roczens Siegesserie verändert die Dynamik.

Aus einem Zweikampf ist wieder ein echter Dreikampf geworden.

Nashville liefert auffällig oft Champions

Die Historie bestätigt, dass Nashville genau in solchen Konstellationen besonders relevant wird. In der 250SX-Klasse wurde der Sieger in zwei der bisherigen drei Nashville-Ausgaben später Champion. Rechnet man die 450SX-Klasse hinzu, liegt die Quote sogar bei vier von sechs.

2023 machte Hunter Lawrence hier mit seinem Sieg den Eastern-Division-Titel vorzeitig klar. 2024 gewann RJ Hampshire das East/West Showdown – und genau dieser Erfolg war später der entscheidende Unterschied im Titelkampf gegen Levi Kitchen. Auch Tom Vialles dritter Platz als bester Eastern-Fahrer erwies sich im Nachhinein als meisterschaftsentscheidend.

Für einen Standort mit so kurzer Historie ist diese Quote außergewöhnlich.

Justin Cooper und Prado: Die stillen Faktoren

Fast unbemerkt vom Fokus auf den Titelkampf hat Justin Cooper eines seiner stärksten Saisonwochenenden hingelegt. Heat-Race-Sieg, Platz zwei im Main Event von St. Louis und dazu sein 50. Start in der 450SX-Klasse – der Yamaha-Pilot etabliert sich zunehmend als Faktor in der Spitzengruppe. Sieben Podien in 50 Starts und eine Top-10-Quote von 88 Prozent sprechen eine klare Sprache.

Auch Jorge Prado entwickelt sich weiter. Der Spanier fuhr in St. Louis als Vierter sein bestes Ergebnis seit Anaheim ein und sammelte seine dritte Top-5-Platzierung in 15 Supercross-Starts. Der Lernprozess ist sichtbar – und Nashville könnte der nächste Schritt nach vorn sein.

250SX: Davies gegen Hammaker, Deegan reist als Champion an

In der 250SX-Klasse ist Haiden Deegan bereits als Westküsten-Champion bestätigt. Der Yamaha-Star sicherte sich in St. Louis seinen zweiten Western-Division-Titel in Folge und steht nun bei sechs SMX-League-Meisterschaften – eine Marke, die ihn mit Namen wie Cooper Webb, Jeff Stanton und Bob Hannah gleichzieht.

Der Blick richtet sich deshalb auf die Eastern Division. Dort führt Cole Davies mit elf Punkten Vorsprung auf Seth Hammaker – ein Polster, das solide wirkt, in Nashville aber schnell schrumpfen kann.

Davies ist die Entdeckung der Saison: fünf Siege, neun Podien und dreizehn Top-5-Ergebnisse in nur 15 Starts. Hammaker bleibt jedoch in Reichweite – und Nashville ist genau die Art Rennen, in der eine Meisterschaft kippen kann.

Ein Rennen, das mehr verändert als Tabellenstände

Nashville ist kein Finale. Aber es ist oft der Moment, an dem sich entscheidet, wer eines erreichen kann.

Die Strecke im Nissan Stadium gilt als schnell, technisch offen und fehleranfällig. Kleine Fehler kosten hier sofort mehrere Positionen. Und weil das Rennen spät in der Saison liegt, haben Ausrutscher deutlich mehr Gewicht als noch im Januar.

Mit drei Titelkandidaten innerhalb von fünf Punkten in der 450SX-Klasse und einem offenen Ostküsten-Duell in der 250SX-Meisterschaft ist Nashville 2026 genau das, was ein Meisterschaftsrennen sein muss: ein Wochenende, nach dem die Saison in eine neue Richtung kippen kann.

Zeitplan des Nashville Supercross 2026

Samstag – Training & Qualifying (MESZ)

  • 14:30 – 14:42 Uhr 250SX Gruppe C
  • 14:47 – 14:59 Uhr 250SX Gruppe B
  • 15:04 – 15:16 Uhr 250SX Gruppe A
  • 15:21 – 15:33 Uhr 450SX Gruppe A
  • 15:38 – 15:50 Uhr 450SX Gruppe B
  • 15:55 – 16:07 Uhr 450SX Gruppe C
  • 17:02 – 17:14 Uhr 250SX Gruppe C
  • 17:19 – 17:31 Uhr 250SX Gruppe B
  • 17:36 – 17:48 Uhr 250SX Gruppe A
  • 17:58 – 18:10 Uhr 450SX Gruppe A
  • 18:15 – 18:27 Uhr 450SX Gruppe B
  • 18:32 – 18:44 Uhr 450SX Gruppe C

Samstagabend / Nacht auf Sonntag – Rennen (MESZ)

  • 21:06 – 21:14 Uhr 250SX Heat #1
  • 21:20 – 21:28 Uhr 250SX Heat #2
  • 21:34 – 21:42 Uhr 450SX Heat #1
  • 21:48 – 21:56 Uhr 450SX Heat #2
  • 22:21 – 22:28 Uhr 250SX Last Chance Qualifier
  • 22:32 – 22:39 Uhr 450SX Last Chance Qualifier
  • 22:57 – 23:14 Uhr 250SX Main Event
  • 23:29 – 23:51 Uhr 450SX Main Event