Nachgefragt: Rick Elzinga, warum lieber Australien statt MXGP?

Rick Elzinga zieht es nach Jahren in der Motocross Weltmeisterschaft nun nach Australien

Rick Elzinga zieht es nach Jahren in der Motocross Weltmeisterschaft nun nach Australien. / Foto: Penrite Racing Empire Kawasaki

Warum zieht Rick Elzinga eine Saison in Australien einem weiteren Jahr in der Motocross-WM vor? Der Niederländer wechselt 2027 zu Empire Kawasaki und wird auf der KX450 in der australischen ProMX-Meisterschaft antreten. Auch Einsätze im australischen Supercross sind eine Option. Auf Nachfrage erklärt er, weshalb er seine Zukunft vorerst außerhalb der Weltmeisterschaft sieht – und spricht dabei deutlich über die Perspektiven und den Umgang mit Fahrern im WM-Fahrerlager.

„Es liegt hauptsächlich daran, dass die Möglichkeiten in der MXGP immer schlechter werden. Im gesamten Fahrerlager wächst die Unzufriedenheit mit der Entwicklung, mit weniger Fahrern am Gatter und damit, wie die Fahrer behandelt werden“, erklärt Elzinga.

Dabei unterscheidet er zwischen den Werkspiloten und den Fahrern, die sich irgendwo zwischen Werksteam und Privatfahrer durchschlagen müssen. „Natürlich werden die Werksfahrer gut behandelt. Aber wenn du irgendwo dazwischen bist, bekommst du nicht besonders viel Unterstützung.“

Welche konkreten Angebote ihm für eine weitere WM-Saison vorlagen, sagt Elzinga nicht. Seine Antwort macht aber deutlich, dass hinter dem Wechsel mehr steckt als der Wunsch nach einem anderen Motorrad oder neuen Strecken.

Was ist ein WM-Platz noch wert?

Ein Platz in der Weltmeisterschaft ist für viele Nachwuchsfahrer das große Ziel. Wer dort angekommen ist, muss allerdings irgendwann auch beantworten, ob die sportlichen Möglichkeiten und die berufliche Perspektive noch zusammenpassen. Der WM-Status allein bezahlt schließlich keine Rechnungen.

Auch die finanzielle Seite könnte deshalb ein weiterer Grund für Elzingas Entscheidung sein. Während in der MXGP immer mehr Fahrer Geld mitbringen müssen, um einen Teamplatz zu bekommen, könnte sich ihm in Australien die Möglichkeit bieten, für seine Arbeit als Rennfahrer bezahlt zu werden. Ob Empire Kawasaki ihm tatsächlich ein Gehalt zahlt und wie mögliche Angebote aus der WM dazu im Vergleich aussehen, ist nicht bekannt. Vertragsdetails hat Elzinga uns gegenüber nicht genannt.

Der Unterschied wäre trotzdem erheblich. Wer mit dem Rennfahren Geld verdienen kann, statt zunächst das Budget für seinen eigenen Startplatz organisieren zu müssen, hat einen guten Grund, sich außerhalb der WM umzusehen. Die sportlich höher eingestufte Meisterschaft bietet nicht automatisch auch den besseren Arbeitsplatz.

„Irgendetwas ist immer“

Elzinga selbst spricht vor allem über das Umfeld. Mit der Atmosphäre in der Weltmeisterschaft ist er schon länger nicht glücklich. Als Vergleich nennt er seine Erfahrungen bei Rennen in den USA, die er deutlich angenehmer empfunden hat.

„Für mich ist die Atmosphäre nicht angenehm. Das war sie eigentlich nie so richtig. Ich bin auch Rennen in Amerika gefahren, und die sind einfach wunderbar. Sie fühlen sich wie lokale Rennen an. Hier ist immer alles streng: hier ein Problem, dort ein Problem. Irgendetwas ist immer.“

Welche einzelnen Abläufe ihn besonders stören, führt er nicht weiter aus. Seine Unzufriedenheit ist dennoch deutlich. Elzinga sucht ein Umfeld, in dem er wieder lieber Rennen fährt und an seine eigenen Möglichkeiten herankommt.

Denn neben seiner Kritik am Fahrerlager nennt er einen persönlichen Grund: Die vergangenen beiden Jahre waren schwierig. Er ist überzeugt, mehr leisten zu können, als seine jüngsten Ergebnisse zeigen.

„Ich wollte einen Neustart, um den Spaß am Fahren zurückzubekommen. Ich weiß, dass ich deutlich besser fahren kann, als ich es dieses Jahr gezeigt habe. Jetzt muss ich erst mein Knie in Ordnung bringen und dann wieder Spaß finden, damit ich auf mein eigenes Niveau zurückkomme.“

Australien ist der ungewöhnlichere Weg

Bemerkenswert ist die Richtung, die Elzinga einschlägt. Europäische Fahrer, die außerhalb der WM eine neue Herausforderung suchen, orientieren sich eher in Richtung USA. Er selbst lobt die amerikanischen Veranstaltungen ausdrücklich. Seinen nächsten Vertrag hat er trotzdem in Australien unterschrieben.

Ein bekanntes Beispiel für diesen selteneren Weg ist Aleksandr Tonkov. Der Russe fand 2017 ebenfalls einen Platz bei einem australischen Kawasaki-Team. Sein Wechsel hatte allerdings einen anderen Hintergrund.

Tonkov stand damals noch bei Yamaha Motor Europe unter Vertrag und sollte mit Wilvo Yamaha in die MXGP-Klasse aufsteigen. Probleme bei der Wiedereinreise in die EU verhinderten jedoch die geplante Fortsetzung seiner Karriere in Europa. Nach einem Besuch bei seiner Familie in Russland wurde er bei der Rückkehr nach Belgien zurückgeschickt.

Nach Tonkovs damaliger Darstellung hatten die Behörden einen Stempel in seinem Reisepass angezweifelt. Ihm drohte deshalb, bis zu zwei Jahre nicht mehr in die EU einreisen zu dürfen. Reisen nach Australien und in die USA waren dagegen weiterhin möglich. Der australische Teamplatz eröffnete ihm somit einen Ausweg aus einer Situation, die seine Karriere ausbremste.

Elzinga nennt dagegen die Bedingungen im Fahrerlager und den Wunsch nach einem Neustart als Gründe. Australien ist für ihn eine bewusste Entscheidung für ein anderes Rennumfeld – mit dem Anspruch, dort wieder vorne mitzufahren.

Neue Umgebung, klare Ziele

In seiner Wechselankündigung nennt Elzinga Podestplätze und Siege als Ziele. Seine bisherigen Besuche in Australien habe er genossen. Mit Empire Kawasaki will er nun herausfinden, was dort sportlich für ihn möglich ist.

Zunächst stehen sein Knie und die Vorbereitung auf die neue Aufgabe im Mittelpunkt. Geplant ist ein Winter mit Motocross- und Supercross-Training in den USA, bevor die Saison in Australien beginnt. Dass auch australische Supercross-Einsätze eine Option sind, erweitert seine Möglichkeiten über die ProMX hinaus.

Ein einzelner Wechsel ist noch kein Beleg dafür, dass europäische Fahrer der WM zunehmend den Rücken kehren. Elzingas Begründung sollte man trotzdem ernst nehmen. Wenn ein Fahrer anderswo bessere Möglichkeiten für sich sieht, lohnt sich die Frage, was ihm die Weltmeisterschaft außerhalb ihres sportlichen Stellenwerts noch bieten kann. Ob er in Australien wieder auf sein Niveau kommt und die Freude am Rennfahren zurückgewinnt, wird sich 2027 zeigen.