MXGP knackt die Million – doch wer schaut zu?

Die MXGP hat mit ihrem Youtube Kanal die 1 Million Abonennten Marke geknackt

Die MXGP hat mit ihrem Youtube Kanal die 1 Million Abonennten Marke geknackt. / Foto: IMR

Wie viel ist eine Million YouTube-Abonnenten wert, wenn viele neue Videos kaum 5.000 Aufrufe erreichen?

Infront Moto Racing feiert beim MXGP of Türkiye einen digitalen Meilenstein. Der offizielle YouTube-Kanal der Motocross-Weltmeisterschaft hat die Marke von einer Million Abonnenten überschritten. Erst vor zwölf Monaten waren es 700.000. Innerhalb eines Jahres kamen somit rund 300.000 Abonnenten hinzu – ein Wachstum von fast 43 Prozent.

Für eine Sportart wie Motocross ist das zweifellos eine beachtliche Zahl. Der Kanal gehört damit zu den reichweitenstärksten digitalen Plattformen innerhalb der Szene. Wer allerdings genauer auf die einzelnen Videos schaut, entdeckt einen deutlichen Unterschied zwischen der Größe des Kanals und der tatsächlichen Nutzung vieler Inhalte.

Eine Million Abonnenten sind nicht eine Million Zuschauer

Der MXGP-Kanal existiert seit April 2013. In dieser Zeit wurden fast 11.000 Videos veröffentlicht und insgesamt rund 270 Millionen Aufrufe gesammelt. Die Million ist daher zunächst eine über viele Jahre gewachsene Gesamtzahl.

Viele Abonnenten dürften über ältere Videos auf den Kanal gekommen sein. Zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen gehören das Motocross of Nations 2013 mit mehr als acht Millionen Aufrufen, Duelle zwischen Jeffrey Herlings und Antonio Cairoli sowie Aufnahmen mit Tim Gajser, Jorge Prado oder Ryan Villopoto. Diese Videos stammen teilweise aus einer völlig anderen Phase der Weltmeisterschaft.

Ein Teil dieser Abonnenten wird heute nicht mehr aktiv sein. Andere interessieren sich ausschließlich für spektakuläre Zweikämpfe, Stürze oder die eigentlichen Rennzusammenfassungen. Hinzu kommt die internationale Ausrichtung. Ein Fan, der wegen Cairoli und italienischer Inhalte abonniert hat, klickt nicht automatisch eine englische EMX125-Zusammenfassung oder eine halbstündige Pressekonferenz an.

Die Abonnentenzahl sagt deshalb wenig darüber aus, wie viele Menschen jede neue Veröffentlichung tatsächlich erreicht.

Die Rennzusammenfassungen funktionieren

Von einem generellen Reichweitenproblem kann dennoch keine Rede sein. Die großen MXGP- und MX2-Zusammenfassungen werden weiterhin stark nachgefragt.

Die News Highlights aus Argentinien erreichten in dieser Saison rund 364.000 Aufrufe. Tschechien kam auf mehr als 286.000, Schweden auf rund 163.000 und die Niederlande auf etwa 173.000. Auch die Qualifying-Zusammenfassungen landen regelmäßig zwischen 70.000 und 110.000 Aufrufen.

Das Interesse am eigentlichen Renngeschehen ist also vorhanden. Wer das Wichtigste aus MXGP und MX2 in einem knapp zehnminütigen Video sehen möchte, nutzt das Angebot.

Deutlich schwieriger wird es bei den Nebenformaten. Studio Shows, Streckenvorstellungen, Pressekonferenzen, einzelne Rennszenen und die verschiedenen Sprachversionen bleiben häufig im niedrigen vierstelligen Bereich. Unter den zuletzt veröffentlichten längeren Videos lag der mittlere Wert bei nicht einmal 5.000 Aufrufen.

Gemessen an einer Million Abonnenten entspricht das weniger als 0,5 Prozent.

Zu viele Videos in zu kurzer Zeit

Ein Grund dafür lässt sich bereits am Veröffentlichungsplan erkennen. Am Samstag des Türkei-GP erschienen innerhalb weniger Stunden unter anderem die Studio Show, Trainingszusammenfassungen aus MX2 und MXGP sowie Videos zu EMX125, EMX250 und dem Qualifying.

Beim vorherigen Grand Prix in den Niederlanden veröffentlichte der Kanal zusätzlich zu den Rennzusammenfassungen zahlreiche Einzelaktionen, Interviews, Pressekonferenzen, eine FPV-Runde und mehrere Sprachversionen. Dazu kamen die Shorts.

Damit konkurriert jedes neue MXGP-Video mit den anderen Veröffentlichungen desselben Kanals.

YouTube verschickt innerhalb von 24 Stunden höchstens drei Video- oder Livestream-Benachrichtigungen eines Kanals. Werden mehr als drei Videos innerhalb kurzer Zeit veröffentlicht, kann die Plattform die Benachrichtigungen vorübergehend sogar vollständig stoppen.

Wer innerhalb eines Nachmittags sechs Videos veröffentlicht, erreicht seine Million Abonnenten daher nicht sechsmal. Ein Teil der Videos erscheint ohne Benachrichtigung, während die übrigen Beiträge um dieselben Zuschauer konkurrieren.

Die schiere Masse macht den Kanal zwar zu einem umfangreichen Archiv, hilft aber nicht zwangsläufig bei der Reichweite jeder einzelnen Veröffentlichung.

Ein Kanal für zu viele Zielgruppen

Infront beschreibt den Kanal als digitales Zuhause der Motocross-Weltmeisterschaft. Inhaltlich trifft das zu. MXGP, MX2, WMX, EMX250 und EMX125 sind dort ebenso vertreten wie „Behind The Gate“, Fahrerporträts, Podcasts, Interviews und exklusive Aufnahmen.

Genau diese Vielfalt wird auf YouTube jedoch zum Problem.

Ein MXGP-Fan muss sich nicht automatisch für die EMX interessieren. Wer kurze Renn-Highlights sucht, möchte nicht unbedingt einen Podcast von mehr als einer Stunde sehen. Dazu kommen französische, spanische, italienische und indonesische Fassungen ähnlicher Videos, die teilweise nur zwischen 1.700 und 3.600 Aufrufe erreichen.

YouTube entscheidet anhand des bisherigen Sehverhaltens, welche Videos einem Nutzer empfohlen werden. Ignoriert ein Abonnent mehrere Veröffentlichungen hintereinander, weil Sprache, Klasse oder Format nicht passen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ihm das nächste Video prominent angezeigt wird.

Separate Kanäle für bestimmte Sprachen oder eine stärkere Nutzung verschiedener Audiospuren könnten den Hauptkanal entlasten. Momentan landen nahezu alle Inhalte im selben Feed.

„Behind The Gate“ mit auffälligem Einbruch

Besonders deutlich wird die Diskrepanz bei der Dokumentationsserie „Behind The Gate“. Die ersten Folgen der Saison 2026 erreichten zum Teil enorme Zahlen. Episode 1 kam auf rund 571.000 Aufrufe, Episode 5 auf 544.000 und Episode 7 auf 332.000. Ab Episode 10 änderte sich das Bild jedoch schlagartig.

Episode 10 erreichte nur etwa 11.000 Aufrufe, Episode 11 blieb knapp unter 10.000. Die Folgen 13 bis 16 landeten überwiegend zwischen 10.000 und 19.000. Lediglich Episode 12 sprang noch einmal auf rund 184.000 Aufrufe.

Noch auffälliger ist das Verhältnis zwischen Aufrufen und Reaktionen. Episode 5 sammelte bei mehr als 544.000 Aufrufen lediglich 734 Likes. Das entspricht rund 0,13 Prozent. Episode 12 kommt bei 184.000 Aufrufen auf nur 249 Likes.

Die deutlich schwächeren Folgen erreichen dagegen Like-Raten von ungefähr einem bis 1,5 Prozent. Episode 10 erhielt bei 11.000 Aufrufen 138 Likes, Episode 16 bei ebenfalls rund 11.000 Aufrufen 126 Likes.

Das legt nahe, dass einige der reichweitenstarken Folgen zusätzlich über bezahlte Videowerbung, automatische Einbindungen oder andere externe Quellen verbreitet wurden. YouTube zählt bestimmte über Anzeigen erzeugte Aufrufe zum öffentlich sichtbaren Viewcount hinzu. Ob das bei „Behind The Gate“ tatsächlich der Fall war, lässt sich ohne Zugriff auf die internen Kanaldaten nicht abschließend belegen.

Die Zahlen sprechen jedoch dafür, dass die aktuelle organische Reichweite der Serie eher zwischen 10.000 und 20.000 Zuschauern liegt. Die früheren sechsstelligen Werte wären dann kein geeigneter Vergleich für die heutigen Folgen.

Gute Inhalte, schwache Verpackung

Auch die Titel machen es den Videos nicht immer leicht. Bezeichnungen wie „Welcome“, „Postcard“, „News Highlights“ oder „The Rocky Road“ verraten kaum, welche Geschichte im Video steckt.

Wer „Behind The Gate – Episode 16 – The Rocky Road“ liest, erfährt weder, welcher Fahrer im Mittelpunkt steht, noch weshalb sich 26 Minuten lohnen sollen. Der Serientitel ist bekannt, der konkrete Inhalt bleibt aber verborgen.

Anders sieht es aus, wenn Stars und sportliche Konflikte bereits im Titel auftauchen. Das Duell zwischen Jeffrey Herlings und Kay de Wolf in Arnhem erreichte rund 38.000 Aufrufe. Ein Interview mit Chase Sexton über Sandrennen, Herlings und de Wolf kam auf etwa 34.000.

Bekannte Fahrer allein garantieren keine Reichweite. Sie geben dem Zuschauer aber einen klareren Grund, ein Video anzuklicken, als eine allgemeine Episodenbezeichnung.

Der gefeierte Meilenstein ist real. Eine Million Abonnenten verschafft der Weltmeisterschaft eine starke Ausgangsposition und zeigt, dass Motocross international ein großes digitales Publikum erreichen kann.

Die öffentlich sichtbaren Zahlen zeigen aber ebenso deutlich, dass Infront bislang nur einen Teil dieses Potenzials nutzt. Die Rennzusammenfassungen funktionieren, viele andere Formate verschwinden zwischen der Masse der Veröffentlichungen. Der Kanal ist groß – seine aktive Zuschauerschaft ist je nach Inhalt erheblich kleiner.