Lawrence nutzt den Moment – Indianapolis spitzt den Titelkampf zu
Das zweite Triple Crown der Sasion wurde in Indianapolis ausgetragen und bot spannende Rennen. / Foto: Feld Entertainment
Indianapolis hat geliefert. Wieder einmal. Der neunte Lauf der Monster Energy AMA Supercross Championship 2026 brachte im Lucas Oil Stadium genau das, was ein Triple-Crown-Format verspricht: drei intensive Rennen, ein sich ständig verändernder Kurs und einen Titelkampf, der nach diesem Abend noch einmal schärfer geworden ist.
Mittendrin: Hunter Lawrence, der genau im richtigen Moment zuschlug. Der Australier sicherte sich mit 2-4-1 den Gesamtsieg des Abends und setzte sich im Tie-Break gegen Eli Tomac durch. Beide Fahrer lagen punktgleich bei sieben Zählern – doch Lawrences Sieg im entscheidenden dritten Lauf gab den Ausschlag.
Damit baut der Honda-Pilot seine Führung in der Meisterschaft leicht aus. Und der Zeitpunkt dafür hätte kaum besser sein können.
Der entscheidende Lauf des Abends
Die ersten beiden Rennen lieferten bereits eine klare Botschaft: Dieser Abend würde zwischen Lawrence und Tomac entschieden werden. Beide bewegten sich konstant im vorderen Bereich, beide warteten auf den Moment, in dem sich das Rennen öffnen würde.
Dieser Moment kam im dritten Main.
Lawrence erwischte den Start perfekt, setzte sich sofort an die Spitze und brachte sich damit in die beste Position auf einer Strecke, die im Laufe des Abends immer schwieriger wurde. Die Linien wurden enger, die Spurrillen tiefer, und jeder kleine Fehler konnte sofort mehrere Positionen kosten.
Doch genau in diesem Chaos blieb Lawrence ruhig.
Runde für Runde kontrollierte er das Tempo, während Tomac dahinter versuchte, den Druck hochzuhalten. Doch der entscheidende Fehler passierte hinter ihm. „Ich habe im letzten Rennen einen Fehler gemacht und Hunter hat sofort ein oder zwei Sekunden herausgeholt. Das konnte ich nicht mehr aufholen“, erklärte Tomac später.
Der entscheidende Moment kam ausgerechnet in den Whoops – einer Sektion, die den ganzen Abend über zu den schwierigsten Stellen der Strecke gehörte. „Ich hatte einen ziemlich sketchy Moment in den Whoops und ich glaube, genau dort habe ich das Rennen verloren.“
Ein kleiner Fehler. Und genau der reicht auf diesem Niveau.
Ein Sieg, der mehr bedeutet
Für Lawrence war dieser Erfolg nicht einfach nur ein weiterer Sieg im Kalender. Hinter diesem Wochenende steckte eine intensive Arbeitswoche – und genau darauf ging der Honda-Pilot nach dem Rennen auch ein. „Dieser Sieg bedeutet mir viel. Das ist mein fünfter Tag in Folge auf dem Motorrad diese Woche beim Testen mit dem Team.“
Eine Aussage, die zeigt, wie viel Aufwand in diesem Ergebnis steckt. „Diese Jungs geben nie auf – und ich auch nicht. Das ist das ultimative Dankeschön dafür, dass wir diese Woche so hart gearbeitet haben und das heute auf der Strecke zeigen konnten.“
Triple-Crown-Rennen sind ohnehin schwer zu gewinnen. Drei Starts, drei kurze Rennen, kaum Zeit für Fehler. Genau deshalb wiegt ein solcher Sieg oft noch ein bisschen mehr.
„Es ist ein Triple Crown – also ein wirklich harter Sieg.“
Tomac bleibt gefährlich
Auch wenn der Gesamtsieg knapp verpasst wurde, zeigte Eli Tomac in Indianapolis einmal mehr, dass er weiterhin der gefährlichste Gegner im Titelrennen ist. Der KTM-Pilot war über den gesamten Abend konstant, kämpfte sich immer wieder nach vorne und blieb bis zum letzten Lauf voll im Spiel.
Dass der Sieg letztlich nur durch einen kleinen Fehler verloren ging, dürfte ihn sogar eher motivieren als frustrieren. Der Rückstand in der Meisterschaft bleibt überschaubar. Vier Punkte.
In einer Serie mit noch vielen offenen Rennen ist das praktisch nichts. Webb ehrlich: „Die beiden waren auf einem anderen Level“ Für Cooper Webb endete der Abend zwar mit einem Podiumsplatz, doch zufrieden wirkte der Yamaha-Pilot danach keineswegs.
Ganz im Gegenteil. „Insgesamt war das für mich eine solide Nacht, aber ohne den erhofften Schritt nach vorne“, sagte Webb offen. „Ich bin ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht.“
Der Grund dafür war für ihn klar erkennbar. „Ich hatte das Gefühl, dass ich heute wirklich um den Sieg mitfahren kann. Aber die beiden da vorne waren einfach auf einem anderen Level.“ Webb blieb zwar konstant und sicherte sich mit 4-3-4 Rang drei der Gesamtwertung, doch der Abstand zur Spitze war spürbar.
Der Rückstand in der Meisterschaft beträgt inzwischen 25 Punkte. Noch kein Drama – aber ein Abstand, der nicht weiter wachsen darf.
Das Thema des Abends: Überrundete Fahrer
Neben dem sportlichen Kampf sorgte in Indianapolis noch ein anderes Thema für Diskussionen: der Umgang mit überrundeten Fahrern. Gerade auf einer Strecke mit kurzen Rundenzeiten kann der Verkehr schnell zum entscheidenden Faktor werden – und Tomac fand dafür nach dem Rennen sehr deutliche Worte.
„Es ist wie russisches Roulette“, erklärte er. Sechs bis sieben Sekunden Unterschied pro Runde zwischen Spitzenfahrern und Überrundeten seien ein massives Risiko. Gerade wenn die Strecke bereits stark ausgefahren ist, könne ein unerwarteter Richtungswechsel eines langsameren Fahrers schnell zum Problem werden.
Ein Thema, das im Fahrerlager sicher noch länger diskutiert werden dürfte.
Ein Abend mit Signalwirkung
Unterm Strich hat Indianapolis den Titelkampf nicht entschieden – aber klarer gezeichnet. Hunter Lawrence hat bewiesen, dass er unter Druck liefern kann. Eli Tomac bleibt der Mann, der jederzeit zuschlagen kann. Und Cooper Webb weiß, dass er noch einmal nachlegen muss, wenn er im Titelrennen bleiben will.
Oder anders gesagt:
Der Kampf um die 450SX-Krone ist längst in vollem Gange. Und Indianapolis war eines dieser Rennen, bei denen man spürt, dass die Saison gerade erst richtig Fahrt aufnimmt.
