Cole Davies lässt es krachen und übernimmt das Red Plate

Cole Davies holt sich beim Triple Crown in Indianapolis seinen ersten Saisonsieg

Cole Davies holt sich beim Triple Crown in Indianapolis seinen ersten Saisonsieg. / Foto: Feld Entertainment

Cole Davies hat beim Indianapolis Supercross genau die Antwort geliefert, auf die viele gewartet hatten – und auf die er selbst vermutlich am meisten gewartet hat. Der Pilot vom Monster Energy Yamaha Star Racing Team gewann den ersten Triple-Crown-Abend der Eastern Divisional 250SMX Class mit einem brutalen 1-1-1-Score und schnappte sich damit nicht nur den Tagessieg, sondern auch direkt die Tabellenführung.

Und das war nicht irgendein Sieg. Das war ein Sieg mit Ansage. Einer, der nach Frust, Druck und jeder Menge innerer Unruhe fast schon überfällig wirkte.

Davies macht von Anfang an klar, wer Chef im Ring ist

Schon im ersten Main war zu sehen, dass Davies an diesem Abend etwas anders drauf war. Kein unnötiges Chaos, kein Überpacen, kein hektisches Hinterherrennen. Stattdessen: Kontrolle, Rhythmus und ein Auftritt, der sofort nach Business aussah. Er gewann Lauf eins mit rund zwei Sekunden Vorsprung auf Jo Shimoda, während Seth Hammaker Rang drei ins Ziel brachte.

Auch in Race 2 blieb Davies der Mann, an dem keiner vorbeikam. Diesmal wurde es zwar enger, weil sich vorne zunächst Jalek Swoll festsetzte und auch Shimoda Druck machte, doch Davies blieb ruhig, setzte sich im direkten Duell durch, ging an Swoll vorbei und fuhr auch den zweiten Sieg nach Hause.

Und als wäre das noch nicht deutlich genug gewesen, machte er im dritten und letzten Lauf den Deckel komplett drauf. Wieder guter Start, wieder clever aufgebaut, wieder zur richtigen Zeit nach vorne gestochen. Swoll kassiert, Lücke aufgezogen, Druck standgehalten – und obwohl Hammaker und Shimoda am Ende noch einmal gefährlich nahe kamen, brachte Davies auch den letzten Main ins Ziel.

1-1-1. Perfekter geht’s nicht.

„Es ist eine Erleichterung“

Nach dem Rennen wurde schnell klar, wie viel Druck bei Davies in den vergangenen Wochen tatsächlich auf dem Kessel war. Der Neuseeländer sprach offen darüber, dass der Sieg für ihn vor allem eines bedeutet: „Es ist auf jeden Fall eine Erleichterung, diesen Sieg jetzt zu holen.“ Ein Satz, der viel aussagt.

Davies hatte in den ersten beiden Runden zwar immer wieder sein enormes Tempo gezeigt, wirkte dabei aber auch oft fast schon zu geladen. Zu nervös. Zu hungrig. Genau das sprach er in Indianapolis selbst an: „In den ersten Runden war ich wahrscheinlich ein bisschen zu aufgeregt und zu ungeduldig. Jetzt habe ich mich etwas beruhigt und das Rennen mehr zu mir kommen lassen.“

Genau das war der Unterschied. Davies war schnell – aber diesmal eben nicht hektisch. Er wollte nicht mit dem Kopf durch die Wand. Er ließ das Rennen zu sich kommen, statt es in jeder Kurve erzwingen zu wollen. Und genau dadurch war er am Ende unantastbar.

Frust aus Daytona in puren Speed verwandelt

Wer Davies zuletzt beobachtet hat, konnte spüren, dass ihn die verpassten Siege richtig angefressen hatten. Gerade nach Daytona war die Frustration deutlich sichtbar. In Indy bestätigte er das ganz offen: „Ich war nach den bisherigen Runden echt sauer, wenn ich geschlagen wurde. Ich komme damit nicht besonders gut klar.“

Das ist ehrlich. Und es erklärt auch, warum dieser Abend für ihn so wichtig war. Denn Davies hat in Indianapolis nicht einfach nur ein Rennen gewonnen. Er hat den Frust der ersten Wochen in einen kompletten Befreiungsschlag verwandelt.

„Es fühlt sich gut an, zurückzukommen und so ein Triple Crown hinzulegen.“

Genau das ist passiert.

Lektion aus dem Vorjahr verstanden

Spannend war auch, dass Davies selbst den Bogen zum Vorjahr schlug. Schon damals hatte er in Indianapolis gezeigt, wie schnell er sein kann – und es am Ende trotzdem weggeworfen. Diesmal lief es anders. Bewusster. Erwachsener. „Ich habe aus dem letzten Jahr gelernt. Damals hatte ich die ersten beiden Rennen gewonnen und bin im letzten Lauf vielleicht fast zu selbstbewusst geworden.“

Diesen Fehler wollte er nicht noch einmal machen. „Diesmal wollte ich auf dem Boden bleiben, ruhig bleiben und erst danach feiern. Es ist eben erst vorbei, wenn es wirklich vorbei ist.“

Das ist genau die Art Lernkurve, die aus purem Talent einen echten Titelkandidaten macht.

Starts besser, Kopf ruhiger, Ergebnis sofort da

Ein weiterer Schlüssel zu diesem Sieg: die Starts. In den ersten beiden Saisonrunden musste Davies immer wieder zu viel Aufwand betreiben, weil er sich früh selbst in Arbeit brachte. In Indianapolis war das anders. Er war von Beginn an da, wo man sein muss, wenn man Triple Crowns gewinnen will – vorne.

Auch dazu hatte er eine klare Erklärung: „Ich habe mich darauf konzentriert, die Starts besser umzusetzen und danach einfach mein Rennen zu fahren.“

Keine wilden Manöver, kein Aktionismus, kein unnötiger Energieverlust. Einfach endlich mal das volle Paket. Und sobald Davies vorne fährt und seinen Rhythmus aufbauen kann, wird es für alle anderen richtig ungemütlich.

Whoops? Davies grinst nur

Natürlich waren in Indianapolis auch die Whoops wieder ein großes Thema. Die wurden im Verlauf des Abends immer brutaler, immer unruhiger und immer schwerer zu lesen. Genau dort sah Davies aber einmal mehr verdammt stark aus.

Als er nach seinem Geheimnis gefragt wurde, wollte er verständlicherweise nicht alles verraten. Ganz Davies-like kam trotzdem eine Antwort mit Augenzwinkern: „Ich will nicht alle meine Geheimnisse verraten, aber ich würde sagen: gute Technik und Selbstvertrauen.“

Das trifft es ziemlich gut.

Denn genau das war zu sehen: Technik, Selbstvertrauen – und ein Fahrer, der sich in solchen Sektionen inzwischen sichtbar wohlfühlt.

Tabellenführung inklusive – und plötzlich ist alles eng

Mit dem Sieg in Indianapolis hat Davies nun auch das Red Plate übernommen. Viel Luft nach hinten gibt es allerdings nicht. Ganz im Gegenteil: Die Eastern Divisional 250SMX Class ist nach drei Runden komplett zusammengeschoben.

Davies führt mit nur einem Punkt Vorsprung auf Hammaker, während Pierce Brown und Jo Shimoda ebenfalls nur zwei Zähler hinter der Spitze liegen.

Heißt im Klartext: Der Titelkampf ist jetzt komplett offen. Und genau deshalb war dieser Abend für Davies doppelt wichtig. Nicht nur wegen des Sieges selbst, sondern weil er damit das Momentum auf seine Seite gezogen hat.

Ein Sieg mit Wirkung

Indianapolis war für Cole Davies mehr als nur ein erfolgreicher Abend. Es war der Moment, in dem aus Frust wieder Kontrolle wurde. Aus Nervosität wieder Klarheit. Und aus Erwartungsdruck endlich ein Resultat.

Oder in seinen eigenen Worten: „Ich bin einfach happy mit meinem Fahren. Es war ein gutes Wochenende.“

Stimmt. Für ihn war es sogar ein verdammt wichtiges Wochenende.

Denn der große Favorit hat in Indy nicht nur gewonnen – er hat gezeigt, dass er aus Rückschlägen lernt. Und das macht ihn in dieser Meisterschaft noch gefährlicher.

Ergebnis des Triple Crown Indianapolis 2026

Overall_Results_962661